Die Nachricht vom Tod des Papstes erreichte viele Kirchen im Landkreis während der Vorbereitungen auf den Ostermontagsgottesdienst. Die Betroffenheit ist auch bei hiesigen Geistlichen spürbar.
Landkreis – Mitten in den letzten Vorbereitungen auf den Ostermontagsgottesdienst traf die Nachricht vom Tod des Papstes in vielen Sakristeien des Landkreises ein. „Ich war geplättet“, erzählt Dekan Michael Mannhardt. Genau zehn Minuten blieben ihm in der Parsberger Pfarrkirche St. Laurentius, um die eigenen Emotionen in den Griff zu bekommen. Sein Stellvertreter Stephan Fischbacher las die Nachricht erst zwei Minuten vor Gottesdienstbeginn, in denen er sich darauf vorbereiten konnte, die traurige Botschaft der in österlicher Fröhlichkeit versammelten Kirchengemeinde zu vermitteln.
Dekan Michael Mannhardt
„Diese Kurve ist nur schwer zu bekommen“, berichtet Mannhardt. Weder lasse sich die Predigt spontan in eine Trauerrede umschreiben, noch die Musikauswahl des Kirchenchors in ein Requiem ändern. Also wählte der Pfarrer von Hausham und Miesbach die Begrüßung, um den Tod Franziskus‘ zu verkünden. Und stellte beim gemeinsamen Innehalten fest, dass er mit seinen Emotionen nicht allein war: „Die Betroffenheit war spürbar, auch ein paar Tränen sind geflossen“, erzählt der Dekan. Doch im Laufe der Messe habe man schnell gespürt, dass die österliche Symbolik der Hoffnung und Auferstehung kein Kontrast zur Trauer um den Papst ist. Im Gegenteil: „Es ist vielleicht der schönste Tag im Kirchenjahr, um heimzukehren.“
Das Wirken des Papstes werde aber sicher auch auf der Erde Bestand haben. „Er hat viele bleibende Akzente gesetzt“, ist Mannhardt überzeugt. Der neue Papst könne hinter diesen Reformgedanken nicht zurückstehen. „Es ist zu viel in Bewegung gekommen in der Kirche, und das ist gut so.“ Mit am meisten geschätzt hat Mannhardt aber Franziskus‘ Menschlichkeit und Bescheidenheit. Auch wenn er ihm nie persönlich begegnet ist, habe er sich ihm bei einem Besuch in Rom besonders nah gefühlt: beim Frühstück in der Mensa für die Angestellten im Vatikan, wo auch Franziskus immer gefrühstückt habe. „Da konnte man seine Bescheidenheit sehr gut spüren.“
Vize-Dekan Stephan Fischbacher
Dass diese Bescheidenheit nicht nur äußerlich war, sondern Papst Franziskus die Kirche für Arme und für eine gerechte Welt zum Programm gemacht hatte, beeindruckt auch Fischbacher. Der Vize-Dekan und Pfarrer in Waakirchen-Schaftlach durfte dem Papst im Januar 2024 sogar die Hand schütteln. „Ich kann mich gut an seine gütigen Augen erinnern“, sagt Fischbacher. Die Kinder bei der Audienz erhielten Schokonikoläuse. „Das fand‘ ich sehr süß.“
Inhaltlich habe der Papst in manchen Fragen Türen aufgemacht, die Fischbacher für sehr hilfreich hält. „Recht und Lehre sind aber nicht geändert worden“, sagt der Pfarrer. In Bezug auf Segensfeiern und das Weihesakrament für Frauen hofft er deshalb, dass der Nachfolger des Papstes daran anknüpft. „Ich stelle mich aber auf lange Wartezeiten ein.“ Der Tod, der die kommenden Tage mit Glockengeläut um 16 Uhr, Sterbebildern und Gebeten begleitet wird, sei angesichts des Alters ein gnädiger gewesen, meint der Pfarrer. In Schaftlach stimmte die Gemeinde kurz nach der Nachricht das Lied „Jesus lebt, mit ihm auch ich“ an.
Pfarrverbandsleiter Gottfried Doll
Für einen guten Zeitpunkt hält auch Gottfried Doll, Leiter des Verbands Holzkirchen-Warngau, den Tod nach dem großen Auftritt des Papstes. „Er hat viele Worte und Zeichen gesetzt“, sagt Doll und ergänzt: „Ein toller Papst, der viele Vorzeichen umgedreht hat und auf Arme zugegangen ist.“ Schon mit seiner Wahl, ein einfaches Auto zu fahren und im Gästehaus statt im Palast zu wohnen, habe er das gezeigt.
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Besonders nahe geht der Tod dem Pfarrer, weil Doll just am gestrigen Dienstag mit einer Gruppe Ministranten nach Rom aufgebrochen ist und bis vor einigen Tagen noch eine Teilnahme an der Audienz am Mittwoch geplant war. „Wir haben unsere Reise jetzt überarbeitet, werden aber noch zum Requiem am Samstag bleiben.“
Kirchenverwalterin Barbara Weingand
Als in der Kirchenverwaltung engagierte Frau, die auch Wortgottesdienste hält und Firmunterricht gibt, sieht Barbara Weingand aus Wall in Franziskus einen Papst, der durch seine Schlichtheit überzeugt hat. „Er war für mich jemand, der seinen Glauben gelebt hat und den Menschen vermittelt hat, worauf es ankommt.“ Auf Arme, Kranke, Obdachlose oder Gefangene zuzugehen, „das ist gelebtes Christentum“. Für jemanden, der mit 76 Jahren ins Amt komme, sei es nicht selbstverständlich, noch einmal richtig anzupacken. „Aber er hat genau diese Menschlichkeit an den Tag gelegt und das fand‘ ich großartig.“
Der Papst habe die Theologie dabei nicht zum Wichtigsten gemacht, sondern aus dem Reden und Denken gehandelt. „Ich hoffe, der nächste macht so weiter, dann wird die Welt ein Stück menschlicher“, sagt Weingand. Dass Franziskus zwar Reformen angestoßen, letztlich aber nicht vollzogen hat, kann Weingand nachvollziehen. „Der Druck von außen auf ihn war groß und manche Sachen kann man nicht von heute auf morgen ändern.“ Wichtiger als Theologie und Dogmen sei es aber ohnehin, für die Menschen da zu sein und das auch vorzuleben.
Schwester Margret Obereder
Auch Schwester Margret Obereder, Oberin der Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser in Birkenstein, hofft auf eine Fortführung des von Franziskus vorangetriebenen synodalen Prozesses. Sein Nachfolger müsse die Kunst beherrschen, den notwendigen Weg weiterzugehen „und gleichzeitig die Ortskirchen auf der ganzen Welt in ihrer Vielfalt und Verschiedenheit mitzunehmen, damit die Einheit gewahrt bleibt“.
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Franziskus habe der Kirche „sehr gutgetan“, findet Obereder. Seine liebenswürdige, einfache und unkonventionelle Art habe Fenster geöffnet und Nähe zu den Menschen geschaffen. „Sein Appell, an die Ränder zu gehen, und die Erlaubnis, dass sich die Kirche auch verbeult zeigen darf, hat er in seiner Person verkörpert“, ist die Oberin überzeugt. Der Papst habe sich „wichtigen Themen gestellt und vieles angestoßen“. Und er habe es auch ausgehalten, dass es auf der Ebene der Weltkirche nicht so einfach ist, zu einem für alle passenden Konsens zu kommen. nap