Gekonntes Spiel und witzige Regieeinfälle machen „Schlüsselfertig“, das neueste Stück des Schlierseer Bauerntheaters, zu einem kurzweiligen Vergnügen. Eine Realsatire, aber kein Klamauk.
Schliersee – Als „ein ganz anderes Stück als die typischen Bauerntheater-Stückl“ stellte Heiner Oberhorner von den Schlierachtaler Musikanten bei der Premiere am Sonntag die weihnachtliche Realsatire „Schlüsselfertig“ von Reinhard Seibold vor. Er hätte auch von Wagnis sprechen können. Denn der Dreiakter hat es in sich, ohne allzu inhaltsschwer zu sein. Die italophilen Schöngeister, Peter Funk (Florian Reinthaler) und seine Gattin Stupsi (Gitti Knott), haben 25 Jahre lang dynamisch gespart und haben nun 183 732 Euro zur Verfügung. Damit wollen sie ihr Haus generalsanieren lassen, während sie selbst in der Toskana weilen. Schlüsselfertig in nur acht Wochen und „Top-Leute“ für alle Gewerke – das verspricht ihnen Friedl Scherz (Marcel Schmid), zweifelhafter Versicherungstandler, Bauträger und Immobilienmakler in einer Person.
Es kommt, wie es kommen muss: Die Funks kommen nach Hause, um im neugestalteten Heim mit der Oma (Anneliese Reinthaler), der unverheirateten Tochter Leni (Johanna Winkler) und Enkelchen Flori Weihnachten zu feiern. Stattdessen finden sie sich auf einer Baustelle wieder zwischen einem hinterkünftigen Heizungsbauer (Martin Hirtreiter), dessen ungarischen Gehilfen Smirko (Julius Schliersmeir) und dem extrem langsamen und eingefahrenen Maler (Anton Stögmeier) – Wasserrohrbruch und Kurzschlüsse inklusive. Irgendwann bleiben die Handwerker ganz weg. Denn Bauträger Scherz ist pleite und hat keinen der vermeintlichen Top-Subunternehmer bezahlt. Peter Funk greift in der Verzweiflung selbst zu Hammer und Bohrer und mithilfe von Smirko gibt es schließlich doch ein Happy End.
Manche Gags fast zu nah an der Realität
Manche Gags der Realsatire sind so nah dran an der Realität, dass vor allen jenen Zuschauern, die schon einmal Umbauarbeiten hinter sich gebracht haben, das Lachen im Hals stecken blieb. An anderer Stelle, wenn es zum Beispiel um Übersetzungsfehler und Missverständnisse auf der Baustelle geht, scheint der Humor ein bisschen aus der Zeit gefallen. Und mangelhafte Handwerkerleistungen sind halt nicht immer lustig.
Dass der Abend dennoch vergnüglich war und das Publik im ausverkauften Saal herzlich lachte und mitging, war den witzigen Regieeinfällen von Hans Schrädler geschuldet. Die Anfangsszene quasi dreimal identisch – inklusive des Öffnens des Chianti Classico – zu wiederholen und die Funk’sche Romantik dabei viermal auf andere Weise zu unterbrechen, sorgte für die ersten Lacher; die Schlussszene, die im Dunklen stattfand, sodass man das tumultartige Weihnachtsfest nur akustisch wahrnahm und sich selbst ausmalen konnte, für die letzten. Und Spachtelmasse in Ermangelung von Wasser mit „Tegernseer Bier“ anzurühren und sie hinterher als Deutsche Qualität und Know-how zu verkaufen? Dafür gab es Zwischenapplaus.
Versiertes Spiel aller Akteure
Das Spiel von Florian Reinthaler war zum Niederknien lustig: Wie er sprachlos vor Entsetzen oder Verzweiflung die Augen aufriss, die Unterlippe beben ließ oder auch bloß schicksalsergeben Baumaterial über die Bühne schleppte, war genial. Clever war es von Marcel Schmid, sich das umstrittene Schafroth-Kichern anzueignen, um als Bauträger Scherz, der obendrein die typischen Plattitüden und Schuldzuweisungen absondert, so richtig unsympathisch wirken zu lassen. Generell war das Spiel aller Akteure so versiert, dass der eine oder andere Texthänger souverän mit ins Stück eingebaut wurde und dass Reinthaler am Ende mit Blick auf die Schauspieler, die auch im echten Leben Handwerker sind, deutlich machen musste: „Das hat mit dem richtigen Leben absolut nichts zu tun.“ Zum Schluss gab es Applaus und Bravorufe satt.