„Friedensfähig statt kriegstüchtig“ lautete am Samstag das Motto des Ostermarsches mit 75 Demonstranten aus dem ganzen Landkreis. Sie versuchten, mit Fakten, Erfahrungsberichten, Forderungen und Liedern gegen Aufrüstung und Krieg mobil zu machen.
Wie sich schon beim Auftakt der Friedenskundgebung an der Miebacher Mittelschule herausstellte, war das Mobilisieren heuer ein schwieriges Unterfangen. Denn wo sich vor zwei Jahren noch über 200 Menschen zum Protestmarsch zusammenfanden, kamen diesmal gerade einmal 75 – vor allem Mitglieder der Veranstalter, also SPD, IG Metall Schliersee, Die Linke, PIA und Netzwerk Integration, VVN, BSW und AWO. Ihnen standen Vertreter von Verdi und vom Bund der Katholischen Jugend bei. Dass andere Organisationen diesmal nicht dabei waren, erklärte SPD-Kreisrätin Christine Negele mit den unterschiedlichen Sichtweisen, wie mit den aktuellen Kriegen – vor allem dem in der Ukraine – und den aktuellen weltpolitischen Veränderungen umzugehen sei. Trotz des Fehlens der Grünen, Amnesty Internationals, der Kirchen, des Verdi-Ortsverbands und vieler junger Menschen standen die Demonstrierenden Seite an Seite für eine Welt des Friedens und der Akzeptanz.
Eingehend recherchierte Voträge
„Wir wollen Kriege verhindern und Kriege beenden. Wir wollen, dass Abrüstungsverträge neu ausgehandelt und geschlossen werden. Deshalb erinnern wir an den Frieden“, sagte Negele. Sie würden sich gegen Atomwaffen und Mittelstreckenraketen wehren sowie Waffenstillstand und Friedensverhandlungen fordern. Negele, Lisa Braun-Schindler und Sabine Tomaschek vom Netzwerk Integration sowie Ellen Osiander von der Linken beleuchteten in eingehend recherchierten Vorträgen die aktuellen Kriege in der Ukraine, im Gazastreifen und Israel, im Jemen sowie die aktuell größte humanitäre Krise im Sudan.
Demonstranten mit klaren Forderungen
Unter diesem Eindruck skandierten die Demonstrierenden „Frieden schaffen ohne Waffen“, als sie zum und über den Marktplatz zogen. Dabei trugen sie Friedensfahnen um die Schultern oder Signalwesten mit dem „War Resisters International“-Logo der zerbrochenen Gewehre sowie Transparente mit Aufschriften wie „Waffen liefern die Reichen, die Armen stellen die Leichen“, „1914/2025 Kriegskredite – 1% profitiert, 99% zahlen“, „Rüstung ist nicht nachhaltig“, „Taurus ausMerzen“ und „Verteidigung kein 2%-Ziel“. Vorm Rathaus empfing sie Liedermacher Martin Piper aus Bad Endorf. Er umrahmte die Statements mit Vorschlägen und Forderungen, wie Deutschland friedensfähig statt kriegstauglich werden könnte.
Harald Will von der Deutschen Friedensgesellschaft Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen München postulierte, dass Kriege durch eine rhetorische Abrüstung und den Abbau von Feindbildern verhindert werden könnten. Er forderte, Kriege durch Verhandlungen zu beenden. Gefragt sei da aber nicht die Bulldozer-Methode à la Trump und Rubio, sondern Empathie. „Deutschland soll eine Nation sein, die sich dem Frieden verpflichtet fühlt.“
Weltuntergangsuhr steht auf neun Sekunden vor zwölf
Stadträtin Inge Jooß warnte vor der Militarisierung der Sprache. Worte wie Spezialoperationen, Imperium, Kollateralschäden, Rüstungswirtschaft oder Zustrombegrenzung kämen einer sprachlichen Aufrüstung gleich. „Wir müssen unsere Sprache sehr sorgfältig überwachen, damit wir uns eines Tages nicht schämen müssen“, forderte Jooß. Wolfgang Schindler, der 20 Jahre bei den Grünen Mitglied war und die Ukraine-Politik seiner Partei sehr bedauerte, forderte, Abrüstungsverträge zu erneuern. Die Weltuntergangsuhr, die durch diese Verträge in den 90er-Jahren schon einmal auf 17 Minuten vor zwölf gestanden hätte, stünde heute neun Sekunden vor zwölf. Und Herrmann Kraus sprach sich für eine strukturelle Nichtangriffsfähigkeit aus.
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„Mut nicht verlieren und dagegenhalten“
Bei den Statements, zu denen die Zuschauer am Ende der Kundgebung aufgefordert waren, wurde klar, wie groß die Angst vor einem Krieg ist. Einer älteren Dame brach fast die Stimme, als sie rief: „Ich will keine Enkelkinder in den Krieg schicken müssen.“ Ein Mann erinnerte, dass Joseph Goebbels 1934 das Wort „Kriegstüchtigkeit“ das erste Mal verwendet habe. Am Ende waren sich die Demonstranten einig: „Wir dürfen den Mut nicht verlieren und müssen dagegenhalten.“