Was waren die Ebersberger vor 100 Jahren stolz auf ihren Klostersee! Ein Grafinger Sammler ist auf einem Flohmarkt über bebilderte Zeitungsartikel in „Der Oberbayer“ von 1928 gestolpert. Eine seitenlange Ode.
Ebersberg - Der Klostersee, „die schönste Badeanstalt im Münchener Umkreise“ auf mehreren Seiten einer Sonderbeilage des Heimatblatts „Der Oberbayer“: Zwischen allerlei alten Postkarten und wertlosem Tand ist der Grafinger Sammler Jürgen Michal an einem Flohmarktstand auf ein paar vergilbte Zeitungsblätter aus dem Jahr 1928 gestoßen. Die alten Seiten offenbaren ein eindrucksvolles Zeitbild vom sommerlichen Ebersberg vor fast 100 Jahren. Im Mittelpunkt: Die Weiherkette und das Klosterseebad.
„Die Gewässer bei Ebersberg – Eine heimatkundliche Plauderei“ ist die Beilage überschrieben, die in der Ebersberger Druckerei Karl Schmidle verlegt wurde. Tatsächlich holen die Verfasser der Artikel – alle nur mit Initialien genannt – teils sehr weit aus. Ihre Zeilen mäandern vom geologischen Ursprung der Weiherkette über die „gesundheitlich bedeutsamen Vorzüge des Schwimmens“ im Allgemeinen bis hin zum Ebersberger Badeglück im Speziellen.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts Baden nur im Langweiher
Bei Erscheinen des Blattes ist die Badeanstalt am Klostersee erst wenige Jahre alt. Baden war bis Mitte des 19. Jahrhunderts nur im Langweiher gestattet. 1894 zog die Anlage laut Internetauftritt des Verschönerungsvereins Ebersberg an das Westufer des Klostersees. Erst 1921 wurde die Badeanstalt demnach an ihren heutigen Ort am Nordufer verlegt.
Stolz auf das 1922 eröffnete Bad am Nordufer des Klostersees
Aus den sieben Jahre später erschienenen Texten ist großer Stolz herauszulesen: „Das moorhaltige, heilkräftige Wasser trägt dazu bei, dass die Freunde des Ebersberger Bades von Jahr zu Jahr zahlreicher werden.“ Blaualgenplage und trübes Wasser sind anno dazumal noch keine Themen.
Umkleidekabinen und nach Geschlechtern getrennte Liegewiesen
Dagegen preisen die Artikel die neu angelegten Umkleidekabinen und Strandwiesen mit dem Familienbad in der Mitte sowie Frauenbad links und Männerbad rechts – alles sei „in gepflegtem Zustand und zweckmäßig angelegt“. Auch die sanitären Einrichtungen im „Tempel der Gesundheit und Lebensfreude“ ließen keine Wünsche offen. „Das Wasser ist klar, kühl und gesund.“
„Ein Treffpunkt der Geselligkeit, des Frohsinns und der Erholung“
Die Zeilen strotzen vor Begeisterung für den Klostersee: „Kommt man zur Sommerszeit von der Straßenhöhe oder vom Badeweg zum See, so bietet sich dem Auge eine großartige Naturszenerie. Hingebettet in sanfter Moränenmulde, umrahmt von Schilf, Erlen und Eichen, leuchtet der grünliche Seespiegel zur Anhöhe empor.“ Immer wieder betonen die Verfasser die „einzigartige landschaftliche Schönheit“ der neun Seen der Weiherkette, insbesondere des Klostersees.
Schon vor 100 Jahren Gäste aus München, Rosenheim und Wasserburg
Der Badebetrieb beginne im Mai und reiche bis in den September. Besonders an Sonn- und Feiertagen herrsche reger Andrang. Das Seebad sei „ein Treffpunkt der Geselligkeit, des Frohsinns und der Erholung“. Sein guter Ruf habe sich weit über die Grenzen Ebersbergs hinaus verbreitet. Schon vor 100 Jahren hätten zahlreiche Gäste aus München, Rosenheim, Wasserburg und Umgebung am Klostersee ihre Freizeit verbracht.
Teilweise Ausbaggerung des Klostersees
Das öffentliche Bad bedeutete damals wie heute nicht nur Freude, sondern auch Investitionen. In den Zeitungsartikeln von 1928 ist von notwendigen Vergrößerungsbauten zu lesen und von der Forderung nach einer teilweisen Ausbaggerung des Klostersees. Doch sei, so heißt es in den Artikeln der vergilbten Sonderbeilage, so eine Badeanstalt jegliche Mühe wert: „Mit vollem Recht kann man auch bei uns das Sprichwort in Anwendung bringen: ,Ebersbergs Zukunft liegt auf dem Wasser!‘“
Kurzum: „Ebersberg kann stolz sein auf diese Badeanstalt, die nicht nur einen gesundheitlichen, sondern auch einen volkstümlichen Wert darstellt. Die Verbindung von Natur, Kultur und Gesundheit ist hier auf glückliche Weise verwirklicht.“ Schon das Strandcafé lade zum Verweilen ein.
Ein paar Absätze weiter schreibt der Verfasser romantisch, fast kitschig vom großen Glück, „wenn man mit einem Kahne der Bootsflotille der Frau Baumeister Otter die elf Tagwerk große Seefläche durchfurcht, sei es bei strahlendem Sonnenschein oder bei silbernem Mondenlicht, oder wenn der menschliche Körper selbst im milden, moorhaltigen Wasser seine Bahn zieht, um darauf Segen zu schöpfen.“