Donald Trump hat mit Wladimir Putin in einem Telefonat über ein Ende des Ukraine-Kriegs gesprochen. So nimmt die internationale Presse die Ergebnisse auf.
München – Von einer „Nullnummer“ spricht Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius mit Blick auf das Trump-Putin-Telefonat. Die Präsidenten Russlands und der USA hatten am Dienstag ihr lange erwartetes Gespräch zu einer möglichen Ukraine-Waffenruhe geführt. Donald Trump feiert die Ergebnisse als „großartig“. Doch in den westlichen Medien wird der Output aus dem Gespräch eher kritisch gesehen – und meist Putin als Sieger gegenüber Trump verstanden. Eine internationale Presseschau ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Reaktion auf Trump-Putin-Telefonat - Spanien: Härte Putins bringt Trumps Image der Stärke ins Wanken
Zu dem Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin, bei dem für den Ukraine-Krieg eine Waffenruhe von 30 Tagen für Angriffe auf Energieanlagen vereinbart wurde, schreibt die spanische Zeitung El Mundo am Mittwoch:
„Putins Härte bringt Trumps eigenes Image ins Wanken, der zwischen der Eile, den Krieg in der Ukraine zu beenden, um sich auf die wirtschaftliche Rivalität mit China zu konzentrieren, und dem Bedürfnis schwankt, sich als starker Anführer darzustellen, der sich niemandem beugt. Aus dem gestrigen Gespräch lässt sich jedoch schließen, dass der Kreml seine Angriffe auf den Westen verdoppelt hat, indem er die Unterstützung Washingtons für sein Narrativ des imperialistischen Kreuzzuges und die öffentliche Demütigung seines Feindes (Wolodymyr Selenskyj) im Oval Office nutzt.
Die Ankündigung der entkoffeinierten Waffenruhe fiel zudem mit einem weiteren Sieg des Kremls zusammen: der Entscheidung der USA, den Vertrag mit Radio Free Europe zu kündigen, einem historischen US-Sender, den Russland als „Propagandist“und „Feind“ bezeichnet hat.“
Presseschau zu Trump-Putin-Telefonat - Italien: Putin bekommt seinen Willen
Die italienische Zeitung La Stampa meint zum Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Staatschef Wladimir Putin:
„Putin bekommt einfach die Fortsetzung des Krieges. Und das ist, was er wollte. Derzeit ist ein völliger Waffenstillstand von seinen Wünschen so weit entfernt wie nur möglich. Es sei denn, seine nicht annehmbaren Bedingungen werden angenommen. Nicht annehmbar für die Ukraine, da sie einer Unterwerfung nach weißrussischem Vorbild gleichkommen, verbunden mit Verlusten an Gebieten.
Aber offensichtlich auch nicht annehmbar für Trump. Und das lässt die Ukraine und Europa einen Seufzer der Erleichterung ausstoßen. (...) Das Ergebnis des Telefongesprächs enttäuscht jene - viele davon in Italien -, die glaubten, der US-Präsident habe einen Zauberstab, um auf magische Weise ein Ende des Krieges herbeizuführen. Die Karten in den Händen der beiden Spieler wurden falsch gelesen.“
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Reaktion auf Trump-Putin-Telefonat - Tschechien: Putin will in die Geschichte eingehen
Zum Telefonat zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump über den Ukraine-Krieg schreibt das tschechische Nachrichtenportal Aktualne.cz in einem Kommentar:
„Wenngleich Russlands Präsident Wladimir Putin vorgeblich Verhandlungen begrüßt, will er in Wirklichkeit keine Waffenruhe, die nur die derzeitige Lage einfrieren würde. (...) Er möchte die russische Einflusssphäre wiederherstellen, einen Keil zwischen Europa und die USA treiben und die nach 1989 entstandenen Verhältnisse verändern. Er will in die Geschichte eingehen als ein Herrscher, der die Größe des russischen Imperiums erneuert und seine Fläche vergrößert hat. US-Präsident Donald Trump will einen Krieg beenden, der ihn nicht interessiert, sondern nur stört und aufhält. (...) Doch für Putin ist der Krieg in der Ukraine nur eine Phase einer größeren Konfrontation mit dem Westen, die so bald nicht aufhört.“
Presse-Reaktionen auf Trump-Putin-Telefonat - USA: Die Aussicht ist schwindelerregend“
Zu dem Trump-Putin-Telefonat schreibt der US-amerikanische Nachrichtensender CNN:
„Ein ‚Nein‘ ist kein ‚Ja‘, wenn es ein ‚Vielleicht‘, ein ‚Wahrscheinlich nicht‘ oder ein ‚Nur wenn‘ ist. Dies ist die schmerzhaft vorhersehbare Lektion, die die Trump-Regierung aus ihrem ersten echten Vorstoß in die Kriegsdiplomatie mit dem Kreml gelernt hat. Sie wurde hoffnungslos getäuscht.
Sie baten um einen 30-tägigen, frontweiten Waffenstillstand ohne Bedingungen. Am Dienstag erhielten sie – nach einer theatralischen einwöchigen Wartezeit und Hunderten weiteren Todesopfern – einen relativ kleinen Gefangenenaustausch, Hockeyspiele, weitere Gespräche und – laut Kreml-Erklärung – eine einmonatige gegenseitige Aussetzung von Angriffen auf die ‚Energieinfrastruktur‘. (...)
Trump glaubte, er könne Putin entweder überzeugen, überreden oder überlisten. Bisher ist ihm nichts davon gelungen. Er hat die erste direkte diplomatische Auseinandersetzung deutlich verloren. Für Millionen Ukrainer wird seine nächste Entscheidung entscheidend sein. Wird er das Interesse verlieren, Druck ausüben oder erneut Zugeständnisse machen? Die Aussicht ist schwindelerregend.“
Trump-Putin-Telefonat in der Presseschau - Polen: Moskau räumt umfassendem Waffenstillstand keine Chance ein
Das polnische Nachrichtenmagazin Polityka schreibt in seiner Onlineausgabe am Mittwoch zum Telefonat zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump über den Ukraine-Krieg:
„Wie bei Moskaus Zusicherungen üblich, kann man glauben, was man will, aber man muss es überprüfen. Die erste Überprüfung verlief nicht gut, denn kurz nach dem Ende von Trumps Gesprächen mit Putin regneten Raketen auf Kiew nieder. Die ukrainische Hauptstadt ist für Russland eine Kommandozentrale und keine Infrastruktur.
Russland hat der schnellen Unterzeichnung eines umfassenden Waffenstillstands kaum eine Chance eingeräumt. Trotz des positiven Tons beider Erklärungen nach dem Telefonat zwischen Trump und Putin hielt der Kreml an seinen harten Bedingungen fest, und das Weiße Haus ging darauf nicht ein. Putin spricht weiterhin von einer „ganzheitlichen Herangehensweise an das Problem“ und der Beseitigung der „Wurzeln“ des Konflikts. Er hatte bereits klargestellt, dass es darum geht, den militärischen Status der Ukraine herabzusetzen, ihren Beitritt zur Nato dauerhaft zu blockieren und die militärische Präsenz und die Infrastruktur der Verbündeten an den Grenzen Russlands zu verringern.„
Reaktion auf Trump-Putin-Telefonat - Australien: Putin dämpft Trumps Getöse
Zum Gespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin über eine Waffenruhe in der Ukraine schreibt die australische Zeitung Sydney Morning Herald am Mittwoch:
„So viel zum Thema Kriegsbeendigung innerhalb von 24 Stunden. Donald Trumps 2024 geäußerte Prahlerei, er brauche nur einen Tag, um eine Einigung zur Beendigung der Kämpfe in der Ukraine zu erzielen, hat sich nicht erfüllt. Und obwohl man argumentieren könnte, dass das Telefonat mit Wladimir Putin am Dienstag die Sache vorangebracht hat, könnte es auch ein Fall von ‚ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück‘ sein.
Der russische Präsident reagierte mit einem ‚Njet‘ auf Trumps Vorschlag eines 30-tägigen bedingungslosen Waffenstillstands und stimmte stattdessen einem Mini-Waffenstillstand zu, der sich nur auf die Energieinfrastruktur erstreckt. Das Weiße Haus pries das Gespräch als Fortschritt an, doch die Freude war im Vergleich zum üblichen Getöse gedämpft. (...) Die Situation könnte Trump ernsthaft in Verlegenheit bringen, denn er hat in den letzten zwei Monaten darauf beharrt, Putin wolle den Krieg beenden (...). Dabei hat sich Trump als Putin-Flüsterer dargestellt: als der Einzige, der Putin versteht - ihn sogar mag - und ihn zu einem Deal für die Menschheit bewegen kann. Doch diese Zuversicht wird nun auf eine harte Probe gestellt.“ (rjs/dpa)