Opfer des Sparkassen-Raubs schalten Anwalt ein – der macht Bank heftige Ansage

Burkhard Benecken hängt dauernd am Telefon. Der Strafverteidiger aus Marl erhält beinahe stündlich neue Hilferufe. Zahlreiche Geschädigte des Sparkassencoups von Gelsenkirchen melden sich. Die Besitzer der gut 3000 geplünderten Schließfächer brauchen einen Anwalt, der ihre Interessen vertritt.

Schließfach-Raub in Gelsenkirchen: Opfer bangen um ihre Existenz

Im Gespräch mit FOCUS online schildert der Anwalt die Gemütslage seiner Mandanten. Bisher sind es bis zu 40 – und täglich werden es mehr. „Die Stimmung schwankt zwischen Wut und Frust über das Verhalten der Sparkasse, viele können nicht mehr schlafen.“ Zu sehr setzt ihnen die Angst zu, die gehorteten Werte nicht mehr wiederzusehen.

„Das Gros der Klienten beklagt im Schnitt einen Verlust von mehr als 100.000 Euro, manche aber beziffern ihre verlorenen Einlagen auf den sechs- oder gar siebenstelligen Bereich“, weiß Benecken zu berichten. Es handelt sich um enorme Summen, die im Schließfach gehortet wurden.

Vertritt als Anwalt den mutmaßlichen Täter im angenommenen Totschlag von Bad Oyenhausen: Burhard Benecken.
Anwalt der Geschädigten: Burkhard Benecken wirft der Sparkasse grobe Sicherheitsmängel vor und fordert eine Entschädigung in Millionenhöhe für die Schließfach-Opfer. privat

Schadenssumme beim Sparkassencoup: Geht es um 300 Millionen Euro?

Die Polizei beziffert den Schaden bisher auf einen mittleren zweistelligen Millionenbereich. Jurist Benecken schätzt die tatsächliche Verlustsumme sogar auf 300 Millionen Euro. „Wenn sich dies bewahrheiten sollte, geht es um den Jahrhundert-Coup der deutschen Nachkriegsgeschichte.“

Bei vielen Geschädigten handelt es sich demnach um türkischstämmige Mandanten, die für ihre Altersvorsorge, für Immobilienkäufe oder für die sogenannte Brautgabe Gold und Bares in ihren Sparkassendepots angespart hatten. Benecken beteuert, dass diese Vermögen seiner Klienten zu 95 Prozent aus legalen Quellen stammten. „Darüber liegen uns entsprechende Unterlagen, Kontoauszüge oder Quittungen vor. Wir sollten nicht versuchen, die Opfer in die Täterecke zu drängen.“

Menschen drängeln sich vor der Gelsenkirchener Sparkasse.
Wut und Verzweiflung in Gelsenkirchen: Zahlreiche Geschädigte drängten sich vergangene Woche vor der Sparkasse, um Antworten auf den Millionen-Raub zu fordern. dpa

Haftung der Sparkasse: Vorwurf der mangelnden Sicherheit

Der Anwalt wirft der Sparkasse vor, ihre Sorgfalts- und Aufklärungspflicht gegenüber ihren Kunden versäumt zu haben. So hätten diese Verträge unterzeichnet, in „denen im Kleingedruckten steht, dass die Versicherungssumme sich je Schließfach nur auf 10.300 Euro beläuft, aber darüber hat man sie nie aufgeklärt.“ Auch seien die Informationen anfangs nach dem Einbruch nur spärlich geflossen.

Zudem gebe es Informationen, dass mangelnde Sicherungsvorkehrungen in dem Geldinstitut den Einbruch begünstigt hätten, erklärte Benecken. „So berichtet ein Insider aus dem Sparkassenumfeld, dass die Alarmanlage im Tatzeitraum defekt gewesen sei.“ Die Ermittler überprüfen derzeit diesen Hinweis. Sollte sich dieser bewahrheiten, droht Anwalt Benecken mit zahlreichen Zivilklagen gegen die Sparkasse. „Dann müsste das Geldinstitut vollumfänglich für den entstandenen Schaden haften.“

Ermittlungen der Polizei: Spurensuche nach den unbekannten Tätern

Die Ermittler untersuchen indes diverse Spuren nach den Tätern. Überwachungskameras hatten in einer Tiefgarage nahe der Sparkasse drei vermummte Personen aufgenommen, die mit einem Audi und einem Mercedes durch die Schranke gefahren waren. Wie die Gangster hineinkamen, ist noch Gegenstand der Untersuchungen, sagte ein Polizeisprecher. Genauso die Frage, woher die Diebe wussten, wie sie zum Schließfachtresor gelangen konnten.

Zudem wurden gestohlene Kfz-Kennzeichen, die bei dem Coup benutzt worden waren, in einem Mülleimer gefunden. Mittels Überwachungskameras erhoffen sich die Strafverfolger Aufschluss darüber, wer die Nummernschilder entsorgt hat.

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