Im Video: Sparkassen-Einbruch: Anwalt erklärt fatalen Schließfach-Fehler vieler Bankkunden
Die Altersvorsorge ist dahin. „Mein ganzes Geld ist weg“, sagt Frank, als er am Mittwochvormittag vor der ausgeraubten Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer steht. Über zehn Jahre habe er in einem der nun aufgebrochenen Schließfächer sein Bargeld gespart; zum Beispiel das Weihnachtsgeld zur Seite gelegt.
Jetzt, da er gerade in Rente ist, wollte er mit dem Kapital eigentlich größere Investitionen finanzieren. Wollte. Jetzt droht ihm ein Totalverlust: „Wir sind schon bald bei einem guten Mercedes, der fehlt.“
Der Schock ereilte Frank und Ehefrau Ilona, während sie am Montagmorgen einkaufen gingen. „Da hat einer gesagt: Die Bank wurde ausgeraubt“, erzählt Ilona. Als sie zur Sparkasse eilten, fanden sich die beiden in der aufgewühlten Menschenmenge wieder, die Polizei war auch schon da.
Die beiden zählten zu denjenigen, die sich vor der Räumung im Sparkassen-Gebäude aufgehalten haben. Zumindest das Bargeld auf dem Girokonto wollte der Senior sichern – doch dann zog der Automat auch noch die Karte ein.
Rentnerpaar widerspricht Tumult-Darstellung
Aus diesem Grund erlebten die beiden das Geschehen aus nächster Nähe. „Dass die Menge den Vorraum gestürmt hat, stimmt so gar nicht“, sagt Ilona erzürnt über die aus ihrer Sicht falsche Darstellung der Geschehnisse am Montag.
„Einer war ein bisschen lauter und wütend, mehr auch nicht.“ Der Randalierer sei sofort rausgeworfen worden. Frank musste dagegen zwei Stunden warten, bis ein Mitarbeiter ihm seine Bankkarte aus dem Automaten holte.
Es ist nicht die angeblich aggressive Menge, die das Gelsenkirchener Ehepaar in Rage versetzt. Vielmehr sind es die Beobachtungen bei den Mitarbeitern der Sparkasse. „Sie haben noch schön ein Meeting gemacht, sind mit Brötchentüten in der Hand dorthin“, beschreibt Ilona die Kulisse im Gebäude. Manche hätten sich auch an die Balustrade gestellt und das Geschehen beobachtet: „Eine Dame hat die Leute nachgeäfft. Das ist sehr makaber gewesen.“
Kritik an Kommunikation der Sparkasse
Dann habe das Sparkassen-Team auch noch das eigene Versprechen gebrochen. „Sie haben gesagt, sie machen um 11.30 Uhr auf – es ist aber nichts passiert. Da ist die Stimmung gekippt. Das war hausgemacht von der Sparkasse“, sagt Ilona. Kunden wie sie und ihr Ehemann hätten schließlich auf Informationen gewartet.
Zumindest eine Liste mit den Nummern der aufgebrochenen Schließfächer hätten alle erwartet. „Deswegen kamen die Rufe: Wir wollen rein“, schildert sie, und auch Frank bekräftigt: „Es war nicht so, dass die Leute randaliert haben.“
Die Kommunikation sei ausschließlich über das Sicherheitspersonal und die Polizei gelaufen; nicht mit Vertretern der Sparkasse. „Niemand hat was gesagt“, kritisiert Frank. Als sich am Nachmittag Frank Krallmann aus dem Vorstandsstab der Sparkasse vor Kamera und Mikrofon der "Bild"-Zeitung gestellt hatte, sei der Großteil schon längst weg gewesen.
Sicherheitsvorkehrungen geben Rätsel auf
Für Frank und Ilona ist weiterhin unerklärlich, wie die Einbrecher unbemerkt an die Schließfächer kommen konnten. „Die Sicherheit war eigentlich gut“, beschreibt der Rentner seinen Eindruck. Die Tresortür sei 50 Zentimeter dick, der Raum mit Kameras überwacht und nur mit einer Scheckkarte zugänglich.
„Aber für die war es ein einfaches Spiel. Sie kommen durch die Wand und keiner kriegt es mit“, sagt er. Deshalb wachsen bei den Gelsenkirchenern die Zweifel an den Sicherheitsvorkehrungen. „Viele fragen sich, ob sich die Bank seit Jahrzehnten ausgeruht hat“, sagt Ilona.
Immer wieder ist vor der Sparkasse zu sehen, dass sich Betroffene organisieren wollen, um rechtliche Schritte gegen ihre Bank zu erwägen. Sie sehen nicht ein, dass sie auf einem Schaden sitzen bleiben sollen, den sie nicht zu verantworten haben. Schließlich haben sie der vermeintlich sicheren Bank ihre Wertsachen anvertraut, um sie dem Diebstahlrisiko in den eigenen vier Wänden zu entziehen.
Auch am Mittwoch fühlt sich offenbar kein Sparkassen-Mitarbeiter genötigt, vor Ort zu informieren. Stattdessen hören sich zwei Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes geduldig die Sorgen der Geschädigten an und erklären ihnen, wie sie zu Hause die verschiedenen Durchwahlnummern für die Hotline nutzen.
Geschädigte äußert heiklen Verdacht
Eine Kundin hatte zwar kein Vermögen in ihrem Schließfach. Doch waren es eben Rücklagen. „Das war für die Beerdigung“, sagt sie. Selbst dieses Geld ist jetzt weg. Bei den Kunden wachsen die Sorgen, ob sie überhaupt entschädigt werden. „Wie soll man beweisen, was man im Schließfach hatte?“, rätselt eine Frau, die gleich zwei Schließfächer angemietet hatte, im Gruppengespräch.
Denn für die Versicherungssumme von maximal 10.300 Euro sind Nachweise erforderlich. Dem in sozialen Medien kursierenden Vorwurf, in den Schließfächern würde Schwarzgeld aufbewahrt, treten Frank und Ilona entgegen. „Wir wollten, dass wir so an das Geld drankommen“, sagt Frank über seinen Ansatz. Mit Schwarzgeld oder Geldwäsche habe das nichts zu tun.
Für die geplanten größeren Anschaffungen hätten ihn die Auszahlungslimits abgeschreckt. Zumal er in einem Konto keinen Vorteil sah. „Für die Zinsen brauche ich das Geld nicht anlegen. Das macht nur die Bank reicher. Dann bin ich lieber frei“, sagt er.