Gemeindewerke stellen komplett auf Ökostrom um – und werden günstiger

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Grüner Strom vom grünen Inn: Geschäftsführer Stefan Hafner und Tina Faller, zuständig für Energiebeschaffung, mit dem Lieferzertifikat vor dem Laufwasserkraftwerk Wasserburg. Die Gemeindewerke Holzkirchen bieten ab 2026 nur noch Ökostrom an. © Gemeindewerke Holzkirchen

Frisches Logo, eine ganz andere Tarifwelt und vor allem ein deutlich sinkender Strompreis: Die Gemeindewerke Holzkirchen stellen sich als Energieversorger neu auf. Rund 9000 Haushalte zahlen ab Januar 31,90 Cent je Kilowattstunde Strom – und damit sechs Cent weniger als bisher. Obendrein wird künftig nur noch Ökostrom angeboten.

Holzkirchen – Der Relaunch ist sichtbar und wird ab 2026 spürbar: Die Gemeindewerke Holzkirchen streifen ihr Image als braver, aber unauffälliger Energieversorger ab und wollen sich als moderner Regionalversorger mit griffigen Strukturen und neuen Dienstleistungen am Markt profilieren. Zum neuen Auftritt gehören ein verändertes Logo und eine überarbeitete Homepage. Flankiert wird der Wandel von einer Tarif-Offensive, die ab 2026 greift.

Beim Strompreis dürfen sich die rund 9000 Kunden (überwiegend Privathaushalte in der Marktgemeinde) auf Entlastung freuen. Zum 1. Januar sinkt der Preis von 37,90 ct/kWh brutto um sechs Cent auf 31,90 ct/kWh. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2000 kWh spart damit 120 Euro per anno. Der Grundpreis (8,91 brutto) bleibt unverändert.

„Glücklicherweise haben sich die Energiemärkte zuletzt günstig entwickelt“, sagt Gemeindewerke-Geschäftsführer Stefan Hafner. Zudem stellte das Kommunalunternehmen die Beschaffungsstrategie um. „Wir checken jetzt täglich, ob es sich lohnt, Strom einzukaufen“, sagt Hafner. Für 2026 habe man sich attraktive Kontingente gesichert, „für 2027 und 2028 sind wir dran“, sagt der Geschäftsführer: „Wir beobachten den Markt jetzt intensiver.“

Dafür wurde Personal eingestellt, zudem greife man auf Dienstleister zurück. Der Markt sei zwar stabiler, aber immer noch in Bewegung. „Wenn Trump was einfällt oder im Nahen Osten was passiert, das hat Auswirkungen.“ Zwei Cent der Tarifsenkung basieren auf der Ankündigung der Bundesregierung, die Netzentgelte zu bezuschussen. „Das geben wir 1:1 weiter“, betont Hafner.

Besonders stolz ist der Geschäftsführer, trotz der Tarifsenkung künftig ausschließlich Ökostrom zu vermarkten – ohne Mehrkosten. „Dieser Ökostrom kommt sogar aus der Region“, betont Hafner. Das Laufwasserkraftwerk Wasserburg am Inn wird die Gemeindewerke beliefern. „Mit dieser Umstellung treiben wir die Energiewende in unserer Region voran“, sagt der Geschäftsführer, „wir wollen Vorreiter der Energiewende sein.“

Die Umstellung erfolgt automatisch, die Kunden müssen nicht selbst aktiv werden. Gleichzeitig wird die alte, etwas unübersichtliche Tarifstruktur aufgegeben. Es gibt nur noch einen Haupttarif, der als „heimat.strom.natur“ firmiert.

Unverändert bleibt der Gaspreis bei 14,90 ct/kWh. Obwohl die CO2-Steuer und Netzentgelte steigen, werde man den Preis halten, kündigte Hafner an. „Wir haben gut eingekauft.“ Etwa 2000 Kunden werden beliefert. Auch beim Fernwärmepreis (etwa 800 Kunden) verzichten die Gemeindewerke auf Anpassungen.

Neben der Energieversorgung versuchen die Gemeindewerke, sich als Dienstleister in Sachen Klimaschutz einen neuen Markt zu erschließen. Angeboten werden etwa Thermografie-Aufnahmen von Gebäuden, die Kältebrücken sichtbar machen. Zudem tritt das Unternehmen als Vermittler von Dienstleistern auf, die Energieberatung anbieten oder Energieausweise erstellen.

Insgesamt ist zu spüren, dass sich die Gemeindewerke Holzkirchen ein Stück weit neu erfinden wollen – weg vom „Verwaltungsversorger“ hin zum modernen Energie-Spezialisten mit Klimaschutz-Kompetenz. Dafür habe man fünf bis sechs neue Kräfte eingestellt, sagt Hafner. Unter anderem wurden für Geschäftskunden neue Service-Modelle ausgerollt. „Wir gehen jetzt offensiver um mit dem, was wir gut können“, sagt Hafner.

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