Das Bauprojekt „Wohnen am Teilsrain“ ist gerettet. Nachdem die Baugenossenschaft Wogeno aufgrund steigender Baukosten und Zinsen ausgestiegen ist, will die Max von Bredow Baukultur GmbH mit Sitz in Kolbermoor das Vorhaben mit mehr als 60 Wohnungen fortführen. Die Erleichterung im Rathaus ist groß.
Steinebach – Es hat das Zeug zum Vorzeigeobjekt: gut 60 Wohnungen in mehreren klar gegliederten Gebäuden, deren Architektur an oberbayerische Bauernhöfe angelehnt ist, gruppiert um einen Anger, versehen mit Gemeinschaftsräumen und -flächen. Dazu sollen für die Hälfte der Wohnungen die Mieten auf einem erträglichen Maß gedeckelt werden. Das sind, sehr vereinfacht dargestellt, die Grundzüge des Projekts „Wohnen am Teilsrain“, das in Steinebach realisiert werden soll.
Seit sechs Jahren wird daran geplant, seit zweieinhalb Jahren liegt der Siegerentwurf vor – bloß der Bauherr ist der Gemeinde Wörthsee in der Zwischenzeit abhandengekommen. Die Wogeno- Genossenschaft aus München ist aufgrund der gestiegenen Baukosten und Zinsen ausgestiegen. Umso größer ist nicht nur bei Bürgermeisterin Christel Muggenthal die Erleichterung, dass ein neuer Partner gefunden ist. Am Dienstagnachmittag präsentierte sie im Rathaus zusammen mit ihrem Stellvertreter Josef Kraus, Martin Hirner vom Büro Hirner Riehl Architekten und Thomas Rößler, dem Vorsitzenden des Vereins Wohnen am Teilsrain, den neuen im Bunde: Dr. Max von Bredow steigt mit seiner Baukultur GmbH in das Projekt ein.
„Wir sind alle guten Mutes“, sagte Muggenthal gleich zu Beginn des Pressegesprächs – zumal von Bredow in Wörthsee kein Unbekannter ist. Mit seinem Vorgängerunternehmen Quest Baukultur GmbH hat er am Teilsrain bereits den Edeka-Supermarkt plus 19 Wohnungen realisiert. Das Objekt befindet sich direkt neben der bereits freigemachten Fläche für den Wohnungsbau. Vier Aspekte seien ihm wichtig, sagte von Bredow: „ökonomisch, ökologisch, sozial und gut gebaut. Wir geben uns größte Mühe, diese vier Aspekte miteinander zu vereinen.“
Neuer Bauherr: „Ein tolles Projekt“
Das Vorhaben sei „ein tolles Projekt“, der Entwurf sehr gelungen, lobte von Bredow und versprach, es „mit Herzblut“ weiter treiben zu wollen. Ziel sei es, in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit der Gemeinde bis Ende kommenden Jahres einen Bebauungsplan und Baurecht vorliegen zu haben. Sollte alles gut gehen, könnten im Jahr 2028 die ersten Mieter einziehen. Die Planung bleibe in den Grundzügen erhalten, allerdings wolle er die Anzahl großer Wohnungen um die 120 Quadratmeter zugunsten weiterer kleinerer Wohnungen reduzieren, erklärte von Bredow. Daran gebe es einen großen Bedarf. Die Durchschnittsgröße liegt nach Angaben von Architekt Hirner bei rund 70 Quadratmetern.
Für die Hälfte der Wohnungen soll es einen Mietendeckel geben. Wie hoch dieser sein wird, muss zwischen von Bredow und der Gemeinde noch ausgehandelt werden. Angepeilt wird ein Preis von unter 18 Euro pro Quadratmeter. Die andere Hälfte soll nach marktüblichen Preisen vermietet werden.
Ein erheblicher Teil der potenziellen Mieter findet sich unter den aktuell rund 80 Mitgliedern des Vereins Wohnen am Teilsrain. Dessen Vorsitzender Rößler zeigte sich erfreut, dass von Bredow „viele genossenschaftliche Aspekte“ mitbringe. „Er ist kein Investor im klassischen Sinn“, betonte Rößler. Auch aus Reihen der Mitglieder habe er „überwiegend positives Feedback“ erhalten. Dass von Bredow aktiv auf den Verein zugegangen sei, wertete er als „sehr gute Basis“.
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Erfreut über die Entscheidung zeigte sich auch Architekt Hirner. „Wir freuen uns total, dass es weitergeht“, sagte er und sprach von einer „Bestätigung für den Entwurf“. Dass von Bredow die gemeinschaftsbildenden Teile übernehme, spreche für ihn. „Ich weiß nicht, ob wir bei einem reinen Bauträger weitergemacht hätten“, sagte Hirner. Die Häuser sollen konsequent in Holzbauweise entstehen. Energetisch wird das Quartier an das bereits bestehende Hackschnitzelheizkraftwerk am Teilsrain angeschlossen, dazu kommen Fotovoltaikanlagen auf den flach geneigten Dächern. Die nötigen Stellplätze werden in einer Tiefgarage geschaffen, dazu ist ein Mobilitätskonzept zum Beispiel mit Carsharing-Lösungen und Lastenrädern geplant.
„In der neuen Konstellation ist sichergestellt, dass die Arbeit der vergangenen Jahre nicht umsonst war und wir weiterhin das ursprüngliche Ziel des Gemeinderates einer Quartiersentwicklung am Teilsrain mit der Bebauung erreichen können“, sagte Christel Muggenthal.