Die Grünen schicken die Rektorin als Bürgermeisterkandidatin Bärbel Weixner ins Rennen. Sie kritisiert die Stadt wegen vernachlässigter Sanierungen.
Bad Tölz - „Politik ist eine viel zu ernste Sache, um sie allein den Männern zu überlassen“, zitierte Bärbel Weixner einen legendären Spruch der SPD-Bundestagsabgeordneten Käte Strobel. Das gelte auch für Tölz, sagt die 60-Jährige und wirft ihren Hut für die Grünen in den Ring, um Bürgermeisterin zu werden. Die Rektorin der Lettenholz-Grundschule und promovierte Politikwissenschaftlerin bekam in der Nominierungsversammlung im „Kolberbräu“ die Stimmen aller 20 Wahlberechtigten.
Schulleiterin sorgt sich um Stadtviertel
Ihre Schule liege ihr gerade wegen der Diversität (65 Prozent Migrationsanteil) so am Herzen und sei wegen ihrer vielfältigen Lernangebote nicht umsonst als Startchancen-Förderschule ausgewählt worden. Die Schule wie das viel genutzte Bürgerhaus seien seit Jahren im Gespräch für einen Neubau. Leider werde man „immer wieder vertröstet“. Dabei gebe es Fördergelder des Staates. Es gebe also keine Ausreden mehr, ging Weixner in den Angriffsmodus.
„Der Druck kam von uns Grünen“
Die Vielfalt der Schule gelte auch für das Stadtviertel, was schon durch die Straßennamen Lettenholz, Flint und General Patton dokumentiert werde. Nach dem Bau der Nordspange würden auf dieses Stadtviertel im Osten von Tölz größte Herausforderungen zukommen. Weixner erinnerte daran, dass es ein Stadtteilspaziergang der Grünen gewesen sei, der den laufenden Bürgerbeteiligungsprozess der Stadt angeschoben habe. Gemacht habe es dann Bürgermeister Ingo Mehner, „aber der Druck kam von uns Grünen“.
Josefistift 2 soll lebendiger Teil des Stadtviertels werden
Die Bewohner der ehemaligen Amerikaner-Blöcke hätten große Sorge, dass ihre Häuser zugunsten von Neubauten abgerissen würden. „Das darf keinesfalls passieren“, sagte Weixner, „wir brauchen diesen günstigen städtischen Wohnraum mit Mieten um die acht Euro pro Quadratmeter“. Sie erkannte aber Sanierungsbedarf. „Dichte Fenster, Balkone, Beleuchtung – das wurde von der Stadt vernachlässigt und dafür möchte ich mich einsetzen.“ Dass das entstehende Pflegeheim Josefistift 2 mit einem öffentlich zugänglichen Café sowie Spielplatz ein möglichst lebendiger Teil des Stadtviertels wird, ist ebenfalls eine Forderung der Grünen-Kandidatin. Die Aufenthaltsqualität der früheren Wiese müsse rund um den „mächtigen Baukörper“ wiederhergestellt werden. Moraltareal, Karwendelsiedlung und Badeteil seien weitere Stadtentwicklungsprojekte, wo sie das „sozialpolitische Gespür“ der Grünen als Bürgermeisterin einbringen will.
Gründe dürfen sich nicht wegducken
Der frühere Stadtrat und Bürgermeister-Anwärter Franz Mayer gratulierte ihr zur Kandidatur. Als zweitgrößte Fraktion dürften sich die Grünen nicht wegducken. Weixner habe Führungserfahrung und Courage. Die CSU strebe wie immer die absolute Mehrheit an. „Sorgen wir dafür, dass diese CSU-Träume Träume bleiben.“
Landratskandidat stellt sich vor
Dafür will auch Andreas Wild als Landratskandidat der Grünen kämpfen. Er trete nicht wegen der Politkarriere an und wolle auch kein Grußonkel bei Veranstaltungen sein, um viel fotografiert zu werden. Er wolle eine Politik anbieten, die liefert. Dafür sieht sich der 54-Jährige als langjähriger Geschäftsführer eines Unternehmens im produzierenden Gewerbe als richtigen Mann. „Ich komme aus der Wirtschaft und bin nicht von der Politik kugelrund geschliffen.“ In der Wirtschaft arbeite man ergebnisorientiert. Das sei auch sein Credo. Trotz „grünen Herzens“ sei er auch anderen Kreisen vermittelbar.
Wild denkt an ein Jugendparlament
Was Wild im Landkreis nervt: „Dass wir 1087 Seiten Kreishaushalt haben; dass die Kreisumlage ständig steigt; dass ständig neue Stellen geschaffen werden; dass man es nicht schafft, dass an den Landkreisschulen die IT funktioniert.“ Wild möchte die Jugend ernster nehmen und denkt an ein Jugendparlament. Was die Demokratie betrifft, erkennt Wild „bleierne Lethargie über allem“. Deshalb wolle er sich einbringen.