16 Schülerinnen und Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums erhalten den Bayerischen Verfassungspreis
Johanna Pfülb nutzte die Gelegenheit. Wenn die Presse ohnehin schon da war, konnte sie gleich ihren Appell loswerden: „Wählt keine vermeintlich einfache Lösung der Probleme! Wählt für Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Vielfalt! Rückt politisch nicht nach rechts, sondern arbeitet an den Problemen und bleibt unseren Werten treu.“ Die Aufhausenerin ist 15 Jahre alt und gehört zu den 16 Teenagern des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG), die am Montag in Bamberg den Verfassungspreis „Jugend für Bayern“ erhalten haben.
Mit Memes und Video überzeugt
Die 14 Zehnt- und zwei Elftklässler hatten ein Video, mehrere Memes sowie einen Songtext präsentiert, und die Jury war überzeugt. „In Anerkennung herausragender Leistungen im Wettbewerb ,Demokratie ist schön!´für die altersgerechte Vermittlung der Ziele und Inhalte der Bayerischen Verfassung über Memes oder Kurzfilme in den sozialen Medien verleihen die Bayerische Staatsregierung und die Bayerische Volksstiftung den Verfassungspreis 2024 Jugend für Bayern“ heißt es auf der Urkunde, die Bayerns Innenminister Joachim Herrmann im Rahmen eines Festakts in Bamberg überreichte. „Es war eine tolle Veranstaltung“, schwärmte Regine Hofmann.
Laut der Schulleiterin hatten die Studienräte Johannes Enzler und Sebastian Prüfling ihre Schüler auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht und seien dabei sofort auf offene Ohren gestoßen. Das bestätigt auch Lukas Eder. „Gerade in chaotischen Zeiten, in denen ein Krieg nach dem anderen folgt, sollten wir für unsere Werte einstehen“, sagt der 15-jährige Wartenberger, der bisher politisch noch nicht aktiv gewesen sei, „aber diese Aktion habe ich sofort unterstützt“.
Mit Memes, also digital verbreiteten und mit knackigen Texten versehenen Bildern warben sie für die Werte der Demokratie. Pfülb findet es bedenklich, „dass ziemlich viele demokratische Systeme wackeln. Es ist traurig zu sehen, dass sich so viele Menschen politisch nach rechts bewegen“.
Also schrieben die Schüler auch einen Text zu einem Shirin-David-Song und hinterlegten es zuerst mit düsteren Bildern und Rap-Text wie: „Sie drücken nur aufs Knöpfchen: Putin, Orban, Kim Jong-un – wo ist man noch sicher?“ Oder „Menschenrechte werden gelockert ohne Gerichtsverfahren.“ Dann wird‘s freundlich. „Du willst das ändern? Dann kannst du wählen. Mitbestimmen, mitgestalten – wäre das nicht eine Chance?“
Auch musikalisch geglänzt
Memes, Lied, Video: „Mit ihren Beiträgen zum Wettbewerb tragen die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in altersgerechter Weise zur Verbreitung der Werte der Bayerischen Verfassung bei. Im Bewusstsein unserer Geschichte stehen diese Werte für ein friedliches und geeintes Miteinander“, heißt es seitens der Jury. Und weiter: „Die Bayerische Verfassung, die ausdrücklich an alle Bürger appelliert, Verantwortungsbewusstsein für das Wohl der Allgemeinheit und der Mitmenschen zu zeigen, wird so vorbildlich mit Leben erfüllt.“
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Die Erdinger Delegation begeisterte in Bamberg auch noch musikalisch. Das lag insbesondere an Lena Saavedra-Albrecht, die extra mitgereist war. „Sie hat gesungen und sich selbst auf der Gitarre begleitet“, schwärmt Schulleiterin Hofmann. Der feierliche Charakter der Veranstaltung beeindruckte Lukas Eder. „Alle im Anzug, das hatte schon etwas“, meint er. „Aber wir waren ja auch chic angezogen“, fügt Johanna Pfülb lachend hinzu. Die gemeinsame Busfahrt, die Gespräche mit den anderen Schülern – das alles bleibe unvergessen. Zudem gab es eine Einladung zum „Festival für junge Künstler“ in Bayreuth.
Zur Belohnung geht‘s nach Brüssel
Und da wäre ja auch noch der Lohn für den Verfassungspreis: Der ist zwar nicht mit Geld dotiert, aber mit einer Reise. Die Jugendlichen dürfen nach Brüssel, dort zur Bayerischen Vertretung und zu den wichtigsten Institutionen des Europäischen Parlaments. „Die Gruppe wird dort auch Europaabgeordnete treffen“, versprach Carl Hans Engleitner von der Bayerischen Volksstiftung.
Die letzten Sätze gebühren aber Johanna Pfülb: „Ich hoffe: Alle, die das jetzt lesen oder hören, haben aus der Geschichte gelernt, sind sich ihrer bewusst und denken beim Wählen darüber nach. Haltet an den Werten fest und wählt für das gleiche Leben aller, nicht für Rechtsextremismus.“