Das neue Pächterpaar im Rotwandhaus ist erfolgreich gestartet. Über den ersten Sommer als Hüttenwirt und die Pläne für die kommende Zeit spricht Patrick Rofaeil (52) im Interview.
Spitzingsee – Fast ein Vierteljahr leben und arbeiten Claudia Litla und Patrick Rofaeil schon als neue Pächter im Rotwandhaus. Nach dem ersten Sommer auf 1737 Metern zieht der 52-Jährige in freundlichem Wienerisch eine erste Bilanz: Über die schnelle Eröffnung, neue Ideen und das Problem mit negativen Google-Rezensionen spricht Rofaeil im Interview mit unserer Zeitung.
Herr Rofaeil, Sie haben das Rotwandhaus früher als geplant übernommen. Wie ist der Start verlaufen?
Wir sind am 13. Juni angereist und haben eine Woche fast rund um die Uhr mit Unterstützung von Freunden und dem DAV geputzt und diverse Kleinbaustellen behoben. Dann kamen die ersten Lieferungen – Gas und Rapsöl zum Beispiel. Das Haus war ja komplett leer, als wir es übernommen haben. Sogar zwei Tonnen Geschirr mussten wir bestellen. Das hat aber alles gut funktioniert, am 20. Juni haben wir die offizielle Wiedereröffnung gefeiert. In der Nacht vorher haben wir schon vorgekocht, damit alles parat war für die ersten Gäste.
Wie groß war der Ansturm seitdem?
Zu Beginn waren sehr viele Gäste da. Im Juli und in den ersten Ferienwochen ist es dann erwartungsgemäß etwas ruhiger geworden. Am Wochenende ist das Rotwandhaus grundsätzlich ein beliebtes Ausflugsziel, auch für Münchner. Unter der Woche geht‘s ein bisschen entspannter zu. Im Laufe des Augusts hat sich das aber massiv gesteigert.
Auch Firmen im Rotwandhaus zu Gast
Der DAV hat ein Konzept mit Angeboten wie Yoga, Meditation oder Betriebsausflügen angeregt, um unter der Woche mehr Gäste anzuziehen. Haben Sie dazu etwas geplant?
Was Betriebsausflüge angeht, wurden wir schon von diversen Firmen gebucht. Von einer Brett’l Jause für circa 70 Personen bis zu Zwei-Tage-Seminaren mit abendlichem Live-Tischgrill – einem sogenannten Tartaren-Hut – hatten wir schon einiges dabei. Bezüglich Yoga oder Meditation sind wir noch auf der Suche nach einer geeigneten Partnerschaft.
Der normale Betrieb läuft ja trotzdem weiter. Hatten Sie schon Gelegenheit, sich auch als Pächter richtig einzuleben?
Wir haben das Haus heimelig gemacht und dafür viel in Dekoration investiert. Einsam sind wir auch noch nicht geworden (lacht). Wir kommen zwar aus Wien, wohnen dort aber im Grünen etwas außerhalb. Es ist nicht so, dass bei uns die U-Bahn durchs Wohnzimmer fährt – und das brauchen wir auch nicht. Die Heimat vermissen wir deshalb noch nicht. Auch unsere Kinder, 18 und 19, sind in einem Alter, in dem sie ganz gut ohne uns zurechtkommen.
Das Rotwandhaus hat an sieben Tagen pro Woche geöffnet. Wie kommen Sie mit der Arbeit zurecht?
Ich stehe meistens um 4 Uhr morgens auf und gehe nicht vor 22 Uhr schlafen. Das Pensum ist also schon sehr hoch, auch weil wir über zehn Monate im Jahr geöffnet haben. Aber das haben wir ja vorher gewusst. Am 23. November ist unser letzter Tag, dann ist das Haus bis 2. Januar geschlossen. In dieser Zeit erledigen wir unsere privaten Dinge in Österreich und fahren für zwei Wochen in die Dominikanische Republik, wo wir einfach mal nichts machen müssen (lacht).
Räucherofen und Fasslsauna angedacht
Wie haben Sie sich die Arbeit aufgeteilt?
Claudia kümmert sich vor allem um die Buchungen. Ich bin fürs Personal, im Einkauf, Service und in der Küche zuständig. Dazu haben wir mittlerweile ein Top-Team beinander, auf das wir sehr stolz sind. Nach zwei Ausreißern am Anfang können wir uns mit den jetzigen Mitarbeitern sehr glücklich schätzen.
Neben vielen dankbaren Gästen haben Sie auch mit negativen Rezensionen im Internet zu kämpfen. Sind das noch Startschwierigkeiten?
Nein. Das Verhältnis der unzufriedenen Gäste zu den Zufriedenen liegt bei etwa eins zu hundert. Allen wird man es nie recht machen können, aber wir bemühen uns sehr. Leider spiegelt sich das tatsächliche Bild nicht in den Bewertungen wider. Viele bedanken sich bei uns und sagen, sie kommen gerne wieder. Eine Rezension im Internet hinterlassen aber hauptsächlich die selbsternannten Gastro-Kritiker, die nicht verstehen, dass sie keine Nächtigung, Halbpension und Frühstück für 30 Euro bekommen. Für konstruktive Kritik sind wir immer dankbar, jeder kann sich verbessern. Gewisse Behauptungen in den Bewertungen sind aber auch einfach nicht korrekt. Unsere Preise beispielsweise sind günstiger als in vielen anderen Hütten.
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Haben Sie weitere Pläne, die Sie noch umsetzen wollen?
Ideen gibt es da schon. Eine große Leidenschaft von mir wäre ein Räucherofen, das ist etwas richtig Feines. Und wir würden den Gästen gerne eine Fasslsauna anbieten. Das müssen wir aber erst beantragen, weil es ein kleiner, baulicher Eingriff wäre. Das Wichtigste ist aber, dass das Haus selbst in Schuss ist. Wir haben alle Küchengeräte durchputzen lassen, kontrollieren drei bis vier Mal täglich die Toiletten und haben die neue Wasserversorgung ständig im Auge, damit sich die Probleme mit Keimen aus der Zeit vor dem Pächterwechsel nicht wiederholen. Wir sind da sehr pingelig, damit der gute Zustand auch so bleibt. nap