Die Gemeinden Schliersee, Fischbachau und Bayrischzell machen ihre Ankündigung wahr und arbeiten in Sachen Tourismus enger zusammen. Urlauber sollen das Angebot der Gästekarten künftig auch in den jeweils anderen Gemeinden nutzen können.
Während die Entscheidung in Schliersee noch aussteht, haben die Gemeinderäte Fischbachau und Bayrischzell am Montagabend jeweils einstimmig entschieden: Wer künftig als Urlauber in einer der Gemeinden Kurbeitrag zahlt, kann künftig alle Gratis- und Vergünstigungsleistungen der Gästekarte auch der beiden anderen Orten nutzen. Die Kurbeiträge steigen dafür auf drei (Kinder bis 18 und Tagungsgäste 1,50) Euro, und ein paar Extra-Leistungen gibt noch obendrauf. Zum Beispiel der Besuch des gerade erst eröffnete Schaustollens in Deisenried.
Weit überwiegend positive Reaktion der Gastgeber
Koordiniert hatte den Schritt die Regionalentwicklung Oberland (REO), die Tourismus-Chef Harald Gmeiner und Projektmanager Thorsten Schär zu den Sitzungen schickte. „Das muss gut vorbereitet und durchdacht sein“, sagte Letzterer in Fischbachau. Die REO hatte das Modell bei verschiedenen Versammlungen deshalb den Gastgebern vorgestellt und weit überwiegend positive Rückmeldungen erhalten. Zum Paket gehört auch, dass technisch neue Möglichkeiten besser genutzt werden, etwa die elektronische Anmeldung seitens der Gäste, eine für die Vermieter einfachere Kommunikation der Angebote bis hin zu einer digitalen Karte auf dem Smartphone. Ob man einen digitalen Reisebegleiter als App mit aufnimmt, war noch nicht Bestandteil der Beschlüsse.
Kurbeitrag von drei Euro „marktüblich“
Die Kurbeiträge in Schliersee und Fischbachau lagen bisher bei zwei Euro, in Bayrischzell bei 2,50 Euro. Wie die REO-Vertreter darstellten, ist das im Vergleich zu anderen Tourismusregionen wenig. In Bad Reichenhall zum Beispiel werden 3,60 Euro genommen, an der Nordsee auch mal fünf Euro. Kommunen wie Bad Feilnbach (1,70 Euro) oder Bad Aibling (2,50 Euro) taugen als Maßstab wohl weniger, ebenso Südtirol, wo das System umlagenfinanziert ist, also Gastgeber extra zahlen. Dafür ist das Angebot dort teils enorm attraktiv, umfasst etwa auch Gratis-Bergbahnfahrten. Drei Euro bezeichnet die REO insgesamt als „marktüblich“.
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Wer mehr verlangt, muss aber auch mehr bieten. Neben den bestehenden Angeboten in den Nachbargemeinden kommen als Gratisleistungen die Freibäder in Fischbachau und Bayrischzell, das Heimatmuseum Schliersee, Minigolfen und Eisstockschießen in Bayrischzell sowie pro Aufenthalt ein Besuch in der Schlierseer Vitaltherme (zwei Stunden). Die Abrechnung soll über eine zentrale Stelle erfolgen, bei einer Gemeinde, vielleicht auch bei der REO. Dabei geht es nicht darum, dass etwa Fischbachau Schliersee jeden einzelnen Schaustollen-Besuch eines beim Nachbarn registrierten Touristen in Rechnung stellt. Vielmehr soll monatlich oder einmal im Quartal ein Strich unter das Besuchsverhalten gezogen werden, abgerechnet werden dann Salden.
Fischbachau müsste wohl gar nicht mehr zahlen
Auf Grundlage der Gästezahlen von 2024 geht die REO von 68 000 Euro Mehreinnahmen für Fischbachau aus. Ein Beratungsunternehmen aus dem Allgäu hat auf Grundlage von Erfahrungswerten aus anderen Regionen berechnet, dass die Mehrkosten für Fischbachau bei 45 000 Euro liegen. Schär betonte: „Wenn da etwas aus dem Ruder läuft, kann man sehr schnell reagieren.“ Kritische Nachfragen aus dem Gremium blieben aus. Abschließend sagte Bürgermeister Stefan Deingruber (CSU): „Ich glaube, damit bringen wir die Tourismus-Region ein Stück voran.“
Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer (CSU) ist davon ebenso überzeugt. „Der Gast unterscheidet nicht zwischen den Gemeinden“, betonte er. „Wir werden als einheitlicher Erholungsraum wahrgenommen und dürfen nicht in mittelalterliches Kirchturmdenken verfallen.“
Mehrkosten von geschätzt 9000 Euro in Bayrischzell
Für Bayrischzell erwarten die Touristiker der REO durch den höheren Kurbeitrag Mehreinnahmen von rund 92 000 Euro sowie durch die besseren Angebote und den Aufwand Kosten in Höhe von 101 000 Euro jährlich. Die Mehrkosten lägen also bei 9000 Euro pro Jahr. Sicher sind diese Zahlen allerdings nicht, sondern eben eine Kalkulation, betonte REO-Tourismus-Chef Harald Gmeiner.
Zur Kasse werden auch Zweiwohnungsbesitzer gebeten. In Bayrischzell etwa mussten diese bislang die Tage angeben, die sie vor Ort waren, erklärte Geschäftsführer Josef Acher. Jetzt werden pauschal 34 frei wählbare Tage Aufenthalt angesetzt, also 102 Euro pro Jahr.