Wandelhalle in Bad Wiessee bietet trostlosen Anblick: Das sagen Denkmalschutz und Eigentümer

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An der denkmalgeschützten Wandelhalle bröckelt der Putz, die Fensterscheiben sind allesamt zerschlagen. Die Zukunft des Bauwerks ist ungewiss. © Stefan Schweihofer

90 Jahre ist es her, da wurde in Bad Wiessee die neu gebaute Wandelhalle feierlich eröffnet. Heute ist das einstige Schmuckstück zu einem Lost Place verkommen. Die Zukunft der Halle ist ebenso fraglich wie die des gesamten Grundstücks.

Bad Wiessee - Meterhoch wuchert das Gestrüpp auf dem Areal, wo einst das alte Jodschwefelbad stand und wo heute nur noch die verblassten Bilder einer Bautafel daran erinnern, was hier einmal geplant war: Die Schweizer Firma Sports Medicine Excellence Group (SME) hatte das riesige Gelände 2018 erworben, um dort eine Klinik und ein Luxushotel zu bauen. Doch schon im Frühjahr 2019 schmissen die Investoren alles hin.

Ist die Wandelhalle noch vor dem Verfall geschützt?

Seither holt sich die Natur das Gelände Stück für Stück zurück. Und mittendrin: die imposante Wandelhalle, die im Jahr 1935 voller Stolz eröffnet wurde, in der die Kurgäste zunächst ihrer Trinkkur nachkamen und später Konzerte, Bälle, Schachturniere und viele andere Veranstaltungen stattfanden.

Historische Aufnahme von der Wandelhalle in Bad Wiessee
Die glanzvollen Zeiten, als Kurgäste durch die Wandelhalle spazierten und aus gläsernen Krügen das begehrte Heilwasser tranken, sind längst vorbei. © Gemeinde

Dass die Wandelhalle unter Denkmalschutz steht, hat ihr das „Überleben“ gesichert. Angesichts zerbrochener Scheiben und bröckelnder Fassade stellt sich aber die Frage: Ist das Gebäude, das 2021 durch den Eigentümer SME und auf Druck der Unteren Denkmalschutzbehörde notdürftig gesichert worden war, auch jetzt noch vor dem Verfall geschützt?

Kreisbaumeister: „Wandelhalle ist ein wichtiges Thema“

Konkret bejaht wird das durch Kreisbaumeister Christian Boiger, zugleich oberster Denkmalschützer im Landkreis, nicht. Auf Anfrage erklärt er aber: „Auch aufgrund der vielen von uns im Rahmen von Bauanträgen bearbeiteten Bauvorhaben in Bad Wiessee ist die Wandelhalle uns immer präsent und ein wichtiges Thema.“ Noch in diesem Monat werde ein Ortstermin an und in der Wandelhalle zur Besprechung des weiteren Vorgehens stattfinden, kündigt Boiger an. „Anlässlich dieses Termins wird auch der Zustand der von uns seinerzeit angeordneten Schutzmaßnahmen erneut angeschaut werden.“

Bürgermeister bedauert den Zustand des Gebäudes

Dem Betrachter bietet sich derzeit jedenfalls ein trostloses Bild. Der Zustand der Wandelhalle ist vielen Wiesseern ein Dorn im Auge. Auch Bürgermeister Robert Kühn findet die Situation bedauerlich: „Der Anblick tut immer wieder weh, wenn man sich der Geschichte der Halle bewusst ist“, sagt Kühn. Gleichzeitig weist er die Verantwortung für das Gebäude von sich: Die Gemeinde habe hier nicht die Möglichkeit zu handeln – „der Denkmalschutz muss ein Auge darauf haben“, erklärt Kühn.

Wandelhalle erweist sich bei Verkauf des Geländes als Hemmschuh

Für die Talbürger hängen viele Erinnerungen an der Halle. Für Eigentümer SME, der das alte Jodbad-Areal seit Jahren loswerden möchte, bisher aber keinen konkreten Käufer präsentieren konnte, ist sie laut Geschäftsführer Florian Kamelger dagegen ein Hemmschuh. „Für Investoren scheint es schwierig, die Wandelhalle in ihre Konzepte einzubinden, da sie sicherlich nicht ganz die Renditezahlen liefern kann, wie das andere Gebäudeteile tun“, erklärt er in einer schriftlichen Stellungnahme. Nichtsdestotrotz sei man in „guten Gesprächen“ mit Interessenten, „die weiterhin allerdings langsam vonstatten gehen“.

Gemeinde rückt von bestehendem Bauplan nicht ab

SME wollte die Halle mit dem markanten Türmchen seinerzeit ins Klinik- und Hotel-Konzept einbetten und eine feine Gastronomie darin etablieren. Von den ehrgeizigen Plänen ist nichts als eine Brache geblieben. 2023 hatten die Behörden einer Verlängerung der Baugenehmigung nicht zugestimmt. Die Gemeinde hatte darüber hinaus stets deutlich gemacht, dass sie vom bestehenden Bebauungsplan, der Hotel und Medizinzentrum vorsieht, keinen Millimeter abrücken werde.

Eigentümer SME beklagt Vandalismus

Das Schicksal der Wandelhalle hängt also unmittelbar mit dem des Gesamtareals zusammen. Kamelger äußert Verständnis für die Sorge um das Gebäude. Er verweist aber auch darauf, dass die Halle seinerzeit „in Übereinstimmung mit der Denkmalschutzbehörde“ und „unter Berücksichtigung aller Auflagen“ entkernt worden sei – „weshalb sie jetzt so aussieht“. Laut Kamelger wurde das Gebäude auch von Vandalismus nicht verschont: „Wir waren über die Jahre regelmäßig mit schweren Beschädigungen inklusive des willkürlichen Zerstörens aller Glasbestandteile konfrontiert“, schreibt er. „Ein sehr unschönes Kapitel.“

Boiger glaubt weiterhin an Potenzial der Wandelhalle

Der Kreisbaumeister sieht in der Wandelhalle dennoch ein „äußerst wertvolles städtebauliches und architektonisch-gestalterisches Potenzial“. Über ihre Zukunft werde auch in seiner Behörde immer wieder diskutiert. „Allerdings“, sagt Boiger, „sind wir weder Bauherr noch Eigentümer derselben, sodass es uns (zumindest zum aktuellen Zeitpunkt) nicht zusteht, eigene planerische Vorstellungen öffentlich zu entwickeln.“

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