Im Gulbransson Museum wartet eine neue Ausstellung auf die Besucher: Gezeigt werden Werke von Corot, Courbet, Nolde und anderen Künstlern der Landschaftsmalerei.
Tegernsee - Die geplante Kirchner-Ausstellung im Gulbransson Museum ist leider dem Disput um Michael Beck, Vorsitzender der Gulbransson Gesellschaft und gleichzeitig renommierter Galerist mit internationaler Bedeutung, und der Berichterstattung über ihn in der Süddeutschen Zeitung zum Opfer gefallen. Sie wird aber nur verschoben.
„Ich konnte das Haus doch nicht ein halbes Jahr leer lassen“, sagte er, eifrig und konzentriert mit der Hängung beschäftigt, griff ein grob vorgeplantes Ausstellungsprojekt auf, handelte schnell und kann nun – nach rekordverdächtiger Vorbereitungszeit – erneut (nach der überaus erfolgreichen Meer-Ausstellung) eine Präsentation höchster Güte liefern: Der Bremer Kunstsammler Andreas Gerritzen unterstützte ihn prompt und uneigennützig, stellte Teile seiner Sammlung für eine Kunstschau zur Verfügung, die den Namen „Raus in die Natur! – Corot, Courbet, Modersohn-Becker, Nolde und andere“ trägt und ab dem kommenden Wochenende, 27. September, zu sehen sein wird.
Neue Ausstellung im Gulbransson Museum Tegernsee zeigt 55 Exponate
Erneut ist dies eine hochwertige Präsentation großer Kunst, die zeitlich ein wenig weiter zurück geht als die vergangenen Sonderausstellungen. „Raus in die Natur!“ war das Motto der Landschaftsmalerei im 19. und frühen 20. Jahrhundert, als das Malen in der freien Natur mit seiner unmittelbaren Naturbeobachtung eine frische, realistische Bildsprache hervorbrachte, zu einer revolutionären Bewegung wurde, die den Weg für weitere bahnbrechende Entwicklungen in der Kunst ebnen sollte.
55 Exponate werden in dem kleinen, aber feinen Museum am Tegernsee gezeigt, wie immer schlüssig gehängt und mit einigen wenigen Informationen angereichert. Einigen Bildern sind passende Gedichte zur Seite gestellt. Das älteste Bild ist „Etude d’après la nature“ von Louis Etienne Watelet von 1824, das jüngste eine „Marschlandschaft“ von Emil Nolde von 1935.
In Sektionen gegliedert, wird der Betrachter geführt durch die Epoche der Romantik, den „Seelenlandschaften“ mit dem Ausdruck von Sehnsucht und dem Erhabenen, die wegweisende Künstlerkolonie aus Barbizon (Frankreich) mit Gustave Courbet (1819 – 1877) und Camille Corot (1796 – 1875) als Wegbereiter des Impressionismus etwa mit Camille Pissarro (1830 – 1903). Einen gewichtigen Raum nimmt die stilprägende Künstlerkolonie Worpswede (gegründet 1889) ein mit Paula Modersohn-Becker, Otto Modersohn oder Fritz Overbeck. Immer wieder Italien mit seinem Licht, seiner Weite und den Spuren der Antike malerisch thematisiert, und nach 1900 schließlich beginnt der Expressionismus seinen Siegeszug.
So ist die Ausstellung auch eine Reise durch die Entwicklung der Landschaftsmalerei und ihrer Strömungen, die freilich noch ergänzt und komplettiert wird durch einige Stillleben und Bronzeskulpturen. Als Beispiel seien hier Ernst Barlachs (1870 – 1938) „Lesende Mönche“ von 1932 erwähnt.
Neue Ausstellung im Gulbransson Museum Tegernsee: Vernissage bereits ausgebucht
Die Vernissage der hochwertigen Kunstschau findet am Samstag, 27. September, um 18 Uhr statt. Sie ist jedoch aus feuerpolizeilichen Gründen bereits ausgebucht. Jedoch besteht die Möglichkeit eines kostenlosen Besuchs an diesem Samstag von 15 bis 17.45 Uhr, jedoch nur gegen telefonische (zwingend) Anmeldung. Ab Sonntag, 28. September, ist die Ausstellung zu den üblichen Öffnungszeiten geöffnet, nämlich Dienstag bis Sonntag 10 bis 14 Uhr, bis Mitte Februar.