Nachdem das Landratsamt sein Okay für den Um- und Neubau des Elgraserhofs im Gmunder Ortsteil Gasse gegeben hat, reagierten jetzt die Mitglieder des Bauausschusses darauf – mit harscher Kritik.
Gmund - Mit Unverständnis und harscher Kritik haben die Mitglieder des Bauausschusses bei ihrer jüngsten Sitzung auf den Bescheid des Landratsamts in Sachen Elgraserhof im Gmunder Ortsteil Gasse reagiert. Das Landratsamt hatte die Ablehnung der Gemeinde auf einen Tekturantrag durch eine Zustimmung ersetzt und dabei etliche Abweichungen von der gültigen Gestaltungssatzung erlaubt, Eine namhafte deutsche Industriellenfamilie, die das aus dem 18. Jahrhundert stammende, ehemalige Landwirtschaftsanwesen gekauft hat, darf ihre Bauwünsche nun verwirklichen – und hat bereits damit begonnen. Der Wohntrakt wird saniert, anstelle des früheren Stalls und der Tenne entsteht ein Trakt, in dem unter anderem eine Schaubrauerei untergebracht wird. Darunter eine runde Tiefgarage, wohl auch für eine Oldtimersammlung.
„Unglaublich, was da für Befreiungen möglich sind“, wetterte Barbara von Miller (SPD) und meinte damit nicht nur das Einverständnis der Kreisbehörde, dass vor einem Hoftor weniger als fünf Meter Abstand zur öffentlichen Verkehrsfläche möglich sind. Es werde mit zweierlei Maß gemessen, sagte von Miller.
Elgraserhof: Ein Holzschuppen für Umsiedlung von Fledermäusen und Mehlschwalben
Richtig verärgert war Josef Berghammer (parteilos). „Es kocht mir brutal auf“, schimpfte Berghammer und sprach von einem Holzschuppen, der inzwischen auf dem Areal gebaut wurde, von dem aber bisher nie die Rede war und der laut Bauamtsleiterin Christine Wild nicht Gegenstand des Genehmigungsverfahrens gewesen ist. „Jeder Landwirt muss das anzeigen, wenn er einen Viehunterstand baut, und die können machen, was sie wollen“, wetterte Berghammer, selbst aktiver Landwirt. Mit der Erklärung sorgte Wild dann vollends für Kopfschütteln: Es handle sich um einen Esel-Unterstand. „Zudem sollen hier Fledermäuse und Mehlschwalben vorübergehend unterkommen, die im Haus wohnen“, berichtete Wild. Dies sei eine Forderung der Unteren Naturschutzbehörde.
Baumaßnahmen am Elgraserhof – und Unmut über Teil-Privilegierung
Mit seiner Frage, was eigentlich der Begriff Teil-Privilegierung bedeute, stieß Florian Floßmann (FWG) ein wichtiges Thema an. Über die verfügen die neuen Eigentümer, obwohl sie keine Landwirtschaft mehr betreiben. Wild erklärte nur kurz, dass man eine Teil-Privilegierung im Außenbereich erhalte, wenn Gebäude einer neuen Nutzung zugeführt werden, diese aber von Bedeutung seien und erhalten bleiben sollen. Vize-Bürgermeister Herbert Kozemko (CSU), der die Sitzung in Vertretung von Rathauschef Alfons Besel (FWG) leitete, kündigte an, dass man sich mit einem Experten diesem wichtigen Thema widmen werde.
Damit war zunächst alles gesagt. Die Vorgänge rund um das nicht unter Denkmalschutz stehende Anwesen werden jedoch von den Bauausschuss-Mitgliedern weiter aufmerksam verfolgt.