Schädel des kleinen Émile lag „mitten auf dem Weg“: Rätsel um Aussage der Finderin – Ermittler sperren Gebiet

  1. Startseite
  2. Welt

KommentareDrucken

Auf einem Spaziergang entdeckte eine Frau Knochen des kleinen Émile. Nun spricht sie erstmals über den makabren Fund, erzählt ihre Geschichte.

Haute-Vernet – Neun Monate war es still um den kleinen Émile aus Frankreich. Der Junge (2) war bei einem Besuch bei seinen Großeltern spurlos verschwunden. Vor zehn Tagen nimmt der Vermisstenfall eine makabre Wende. Eine Spaziergängerin findet einen Schädel. Nimmt die Knochen in einer Plastiktüte mit nach Hause und informiert dann erst die Polizei. Jetzt meldet sich die Frau erstmals zu Wort.

Tod von Émile: Wanderin beschreibt, wie sie den Schädel des kleinen Jungen fand

Durch einen Zufall gibt es endlich Gewissheit um das Schicksal des kleinen Jungen. Doch nicht nur das Verhalten der Finderin wird in den französischen Medien kritisch hinterfragt. Einen Tatort anzutasten – hier den Fundort des Schädels – gilt als Straftat. Zudem war die Gegend nach Émiles Verschwinden im Juli 2023 von Suchmannschaften und Drohnen durchkämmt worden. Hubschrauber mit Wärmebildkameras suchten aus der Luft. Selbst der Einsatz von Spürhunde und später auch Leichenspürhunde blieb damals ohne Erfolg.

Tod von Émile: Neue Knochen im Wald bei Haut-Vernet in Südfrankreich gefunden. © Imago/Gendamerie nationale/Montage

Der Schädel wurde „etwa 25 Minuten zu Fuß“ vom Weiler Haut-Vernet entfernt gefunden, teilte der Staatsanwaltschaft Jean-Luc Blachon auf einer Pressekonferenz am Dienstag (2. April) mit. Der Fundort befinde sich 1,6 Kilometer Luftlinie vom Haus von Émiles Großeltern entfernt.

  • Am 8. Juli 2023 verschwindet der zweijährige Émile im Urlaub bei seinen Großeltern in einem kleinen Dörfchen Le Vernet (Frankreich)
  • Am 30. März 2024 entdeckt eine Spaziergängerin in der Nähe des südfranzösischen Bergdorfes Le Vernet Knochen und einen Schädel
  • Am 1. April 2024 bestätigt eine Gen-Analyse, dass es sich bei den Knochen um Überreste des vermissten Émile handelt. Kleidung und weitere Knochenfragmente werden verstreut der Staatsanwaltschaft zufolge in der Nähe entdeckt.

„Ich wusste, dass er es war“

„Ich wusste, dass er es war“, zitiert der französischen TV-Sender BFMTV die Spaziergängerin. Ihre Identität ist weiter unklar. Es soll sich um eine Frau in den Sechzigern handeln, die in der Region Le Haute Vernet lebe und in dieser Gegend öfters wandere. Von Seiten der Ermittler war bisher nur von einer Spaziergängerin gesprochen worden. Nun äußert sich die Frau erstmals in den französischen Medien.

Trotz schlechten Wetters habe sie sich am Ostersamstag (30. März) zu einer Wanderung entschlossen. Um 12 Uhr sei sie ihren eigenen Angaben zufolge ohne Handy und Uhr aufgebrochen. Die im Sommer ziemlich belebte Route sei sie demnach schon lange nicht mehr gegangen.

„Habe es mitten auf dem Weg gefunden“: Wanderin vermeidet das Wort Schädel nach Knochenfund von Émile

„Ich habe es mitten auf dem Weg gefunden“, erzählt die Spaziergängerin bei BFMTV. Es sei unübersehbar gewesen. Die Wanderin vermeide laut dem Sender das Wort Schädel, da es ihr Erinnerungen zurückbringen würde, nenne es „das Ding“. Es sei sehr weiß und sauber gewesen. Nur obere Zähne habe es gegeben.

Sie habe geweint. Ohne Handy habe sie dann den Entschluss gefasst, die Knochen in einer Plastiktüte mitzunehmen. Sie wollte den Schädel nicht an Ort und Stelle zurücklassen, fürchtete, die Überreste könnten allein durch Wind und Wetter in den Bergen wieder verschwinden. In der Gegend könne es nach starken Regenfällen Erdrutsche geben.

Gegen 14 Uhr sei die Frau zu Hause angekommen und habe die Polizei alarmiert. Den Schädel habe sie in einer Tüte auf den ganzen Weg „eine Armlänge“ vor ihrem Körper getragen. Daheim habe sie das Fundstück auf der Terrasse zurückgelassen.

Stundenlang wurde die Frau verhört. Musste mit den Ermittlern den Fundort aufsuchen, den sie sich anhand einer großen Tanne gemerkt habe. BFMTV betont, dass die Frau nie in Polizeigewahrsam genommen wurde. Auch habe es keinen Verdacht gegen sie gegeben, wie andere Medien berichten würden.

Rätsel um Todesursache von Émile

Nach dem Schädelfund sind in der Gegend Kleidung von Émile gefunden worden. Zudem sind neue Knochenfragmente im abgesperrten Sektor Haut-Vernet sichergestellt worden, die sich per DNA-Analyse eindeutig zuordnen lassen.

Allerdings sind weiter viele Fragen offen. Die Todesursache des kleinen Jungen ist zunächst noch unklar sowie die Umstände seines Todes. „Zwischen Sturz, Totschlag und Mord können wir immer noch nicht eine Hypothese einer anderen vorziehen“, betonte Jean-Luc Blachon auf einer Pressekonferenz am 2. April.  

Neuer Knochenfund bestätigt – Zugang zu Haut-Verent verboten

Nach Informationen von BFMTV gehen die Untersuchungen am Fundort weiter. Sie sollen bis zum 15. April fortgesetzt werden. Hunderte Polizisten seien dort weiter am Ort im Einsatz, um weitere Überreste des kleinen Jungen zu finden. Das Gebiet um das Bergdorf sei weiter abgesperrt. Vom Unfall bis zum Verbrechen – im Vermisstenfall Émile gab es schon zahlreiche Theorien. Immer wieder tauchten verdächtige Spuren auf. Ob es jetzt das Émiles Schicksal abschließend aufgeklärt werden kann, bleibt abzuwarten.

In Deutschland gibt es zahlreiche Theorien im Fall Rebecca Reusch. Die Polizei sucht seit Jahren nach der vermissten Schülerin aus Berlin. Auch von Maddie McCann gibt es seit Jahrzehnten keine Spur. Die damals dreijährige Britin verschwand im Urlaub in Portugal. (ml)

Auch interessant

Kommentare