Ickinger Kirche wird entweiht: Architekturstudent hat viele Ideen – Kombi aus Kultur und Wohnen

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Zu einem Treffpunkt für alle Altersgruppen könnte die Auferstehungskirche in Icking nach ihrer Profanierung werden. © Kästle

Innerhalb der nächsten Jahre wird die Ickinger Auferstehungskirche profaniert. Der Münchner Architekturstudent Antonius Viehmann hat genaue Ideen für eine mögliche Nachnutzung.

Icking - Dass die Ickinger Auferstehungskirche innerhalb der nächsten fünf, zehn Jahre profaniert wird, steht fest. Wie eine Nachnutzung aussehen könnte und ob man das Gotteshaus erhalten kann, ist noch offen. Genau darüber hat der Münchner Architekturstudent Antonius Viehmann jetzt seine Masterarbeit geschrieben.

Er sieht für das Areal nahe der Schulen einen Mix vor aus Wohnungen und kultureller Verwendung. Zur Sprache kommen seine Ideen sicher am 2. Juli, um 19 Uhr, wenn vor Ort erstmals eine Bürgerwerkstatt zum Thema stattfindet.

Herr Viehmann, angenommen, Ihr Konzept wird umgesetzt. Was hätte die Gemeinde Icking davon?

Die Gemeinde hätte endlich ein Ortszentrum, das den Namen auch verdient. Die Aufenthaltsqualität dort, wo die Läden sind, an der B 11, ist ja eher gering. Im zweiten Zentrum nahe der Schulen, auf dem Kirchenareal, hat man im Forum hingegen fast ein Gefühl von Geborgenheit.

Die Gemeinde hätte endlich ein Ortszentrum, das den Namen auch verdient.

Sie wollen eine Kombi schaffen aus kultureller Nutzung und Wohnbebauung.

Genau. Die Kirche würde so bleiben, wie sie ist, würde aber als Bibliothek ausgestattet. Der Charakter des Raums bliebe weitgehend erhalten, die Empore würde ergänzt durch Treppen an den Seiten. Und in die Seitenflächen der Treppen würden die Bücherregale integriert.

Aber ist damit die Kirche schon ausreichend genutzt?

Das Ganze verstehe ich nach skandinavischem Vorbild als multicodierten Treffpunkt für alle Altersgruppen, als Veranstaltungsraum – mit der Zusatznutzung Bibliothek. Es könnten dort, indem man den Saal bestuhlt, Kulturveranstaltungen stattfinden. Wo jetzt der Altar ist, wäre die Bühne. Man könnte tagsüber aber auch dorthin kommen, um Leute zu treffen – oder auch nur, um zu arbeiten.

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Im Zuge seiner Masterarbeit hat sich Architekturstudent Antonius Viehmann mit der Ickinger Auferstehungskirche beschäftigt. © Kästle

Und was würde an Wohnraum entstehen?

Die Wohnnutzung fände auf insgesamt 1300 Quadratmetern im jetzigen Pfarrhaus und im Gemeindeflügel statt, beide Gebäude würden um je ein Geschoss aufgestockt. Meine Pläne sehen noch ein zusätzliches Reihenhaus für Familien auf den Gemeindeflächen oberhalb des Spielplatzes vor.

Wie viele Wohnungen könnten gebaut werden?

Über 20. Gut die Hälfte davon Eineinhalb-Zimmer-Apartments, außerdem noch Zweieinhalb-Zimmer-Wohnungen für Paare. Ich würde aber auch dafür plädieren, sogenannte Cluster zu bauen, in denen man eine kleinere eigene Wohnung hat und die an einen großen Gemeinschaftsraum grenzt. Wir müssen Wohnen neu denken.

In welche Richtung?

Niemand – oder die wenigsten – wollen im Alter allein wohnen. In Icking ist die Situation so: Die Hälfte der Einwohner ist 50 Jahre und älter. Die Durchschnitts-Wohneinheit hat 154 Quadratmeter. Wenn die Kinder ausgezogen sind, wird der viele Platz für die Eltern eher zur Belastung. Indem man sich reduziert im Alter, stellt man die ehemaligen Wohnräume jungen Familien zur Verfügung.

Das Erdgeschoss im Gemeindehaus würde dann zur allgemeinen Nutzung zur Verfügung stehen.

Dort habe ich ein Café vorgesehen. Auch Büroräume für einen Pflegedienst sind da denkbar. Im Untergeschoss des Pfarramtes könnte man Möglichkeiten für Sport und Entspannung schaffen.

Was passiert mit dem Turm? Kann da auch eine Wohnung rein?

Dafür ist er mit 16 Quadratmetern Grundfläche zu klein, aber er würde als identitätsstiftendes Element stehenbleiben.

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Sie sind selbst in Icking aufgewachsen. Was sagen Ihre Eltern dazu?

Die sind Feuer und Flamme und würden sofort einziehen. Dabei ist der Witz, dass ich, als ich das Konzept erarbeitet habe, vor allem an meine Großeltern dachte. Aber in Wahrheit ist es ein Wohnprojekt für die Generation meiner Eltern.

Bekommen Sie jetzt Anfragen von allen Seiten? In den nächsten Jahren steht die Profanierung von rund 10 000 Sakralgebäuden an, jede vierte Kirche steht zur Disposition. Überall wird händeringend nach Lösungen gesucht.

Bis jetzt noch nicht. Aber die Ickinger, denen ich das Konzept schon erläutern durfte, waren mehr als aufgeschlossen. Darunter Bürgermeisterin Verena Reithmann und die Pfarrerinnen.

Sie hätten auch eine Kletterhalle vorsehen können in der Kirche oder einen Supermarkt, all das wurde schon umgesetzt in Gotteshäusern.

Ja, das stimmt, aber für mich war wichtig, eine Lösung zu finden, die möglichst viele Leute anspricht.

Und wie soll das Ganze finanziert werden?

Über einen Investor. Denkbar wäre aber ebenso ein gemeinschaftliches Modell über eine Genossenschaft.

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