Rathauschef Michael Müller spricht am CSU-Stammtisch über wirtschaftliche Zusammenhänge: Globale Krisen sind auch in Geretsried spürbar.
Geretsried – Die Welt verändert sich rasant, sie scheint aus den Fugen geraten zu sein. „Globale Krisen betreffen uns auch in Geretsried – konkret und spürbar“, sagte Bürgermeister Michael Müller (CSU). Wie sich die Politik von Trump und Putin sowie der neuen Bundesregierung auf die Kommunen auswirkt, das erläuterte er am CSU-Stammtisch im Gasthof Geiger ausführlich. Als Diplom-Volkswirt kenne er bestens die wirtschaftlichen Zusammenhänge, kündigte die Ortsvorsitzende Dr. Sabine Gus-Mayer den Redner an.
Gewerbesteuer stagniert seit drei Jahren
Direkten Einfluss auf die kommunale Gewerbesteuer hätten das „Zolltheater“ (eine Wortwahl des Ökonoms Professor Dr. Hans-Werner Sinn) und die „America first“-Devise Donald Trumps, sagte Müller. Infolge weltweiter Konjunkturschwächen stagniere die Steuer auch in Geretsried seit drei Jahren. Im Vergleich zu 2019 fehlten der Stadt derzeit rund 5,5 Millionen Euro Gewerbesteuer. Im ersten Quartal dieses Jahres bewegten sich die Einnahmen um die 18,5 Millionen Euro.
Balance zwischen Wohnen und Gewerbe
Viele Firmen produzierten für den internationalen Markt, was natürlich nicht ohne Folgen bleibe. „Zum Glück sind wir gesegnet mit einer sehr diversifizierten Gewerbestruktur. Fällt ein Unternehmen weg, spüren wir das nicht so stark“, sagte Müller. Sein Ziel sei es, das Gewerbe vor Ort zu unterstützen, Neuansiedlungen zu ermöglichen, wo es passe, und eine Balance zwischen Wohnen und Gewerbe zu finden.
Weil die Ausgaben im Sozialbereich extrem gestiegen seien und weiter steigen würden, fahre die Stadt beim Haushalt „auf Sicht“. Ähnliche Großprojekte wie den Kita-Neubau an der Johann-Sebastian-Bach-Straße und die Sanierung der Mittelschule könne sie sich künftig nicht mehr leisten.
Globale Ereignisse wie der russische Angriffskrieg auf die Ukraine trieben zuletzt die Energiepreise in die Höhe. Michael Müller warb deshalb für neue Arten der Versorgung. Mit dem Geothermie-Projekt in Gelting werde Geretsried „eine Chance vor die Füße gelegt“. Deshalb werde die Isar Loisach Naturwärme, eine Tochter der Stadtwerke, zusammen mit dem Versorger ESB ab 2027 für etwa 70 Millionen Euro ein Fernwärmenetz von Nord nach Süd bauen. 2032 könnte es fertig sein. Allerdings sei man auch hier von übergeordneter Stelle abhängig. Die neue Bundesregierung habe noch nicht über Fördermittel entschieden.
Aktuell leben 600 Geflüchtete in Geretsried
Schließlich schlage sich die weltpolitische Entwicklung in den Bereichen Verteidigung – Stichwort Katastrophenschutz – und Migration auf lokaler Ebene nieder. Aktuell, so Müller, lebten 600 Geflüchtete in Geretsried. Sie benötigten Wohnraum, Bildung und Integration. Letztere werde strukturell gestützt durch Quartiersarbeit, Fachstellen und Ehrenamtsförderung.
In der Diskussion sagte Ewald Kailberth, er hoffe unter der neuen Bundesregierung auf einen Bürokratieabbau und „mehr Selbstbestimmung für die Kommunen“. Sabine Gus-Mayer nannte die Ausweisung von Tempo-30-Zonen als ein Beispiel. Andreas Ofenbeck warb dafür, neben der Fernwärme die Photovoltaik auf den Dächern zu forcieren. Dafür könnte die Stadt kommunale Flächen vermieten. Der Bürgermeister sagte, dass die Klimaziele erreichbar seien. „Aber nur mit dauerhaftem Ressourceneinsatz und Bürgerbeteiligung.“
tal
Isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur auf Instagram
+++ Uns gibt's auch auf Instagram! Unter „MerkurWolfratshausenGeretsried“ finden Sie immer die spannendsten Geschichten aus unserer Region +++