Seit Mitte April hat Eavor eine neue Führungsspitze. Das Unternehmen will in Gelting geothermische Energie zur Strom- und Wärmegewinnung nutzen. Strom wird mutmaßlich erst in der zweiten Jahreshälfte fließen.
Gelting – „Wir machen Strecke“, sagt Eavor-Pressesprecher Alexander Land zufrieden, während er aus dem großen Fenster des Besucherzentrums auf den Geothermie-Bohrplatz schaut. Tag für Tag geht es kilometerweit in die Tiefe. Dafür sorgen die zwei Bohranlagen samt entsprechender Ausstattung, die auf dem ehemaligen Hofgut Breitenbach vor gut eineinhalb Jahren entstanden sind. Auch das Kraftwerk, das die aus der Tiefe gewonnene Wärme in Strom umwandeln soll, ist schon bereit.
Die oberirdischen Anlagen seien „zu 99,9 Prozent“ fertiggestellt. Trotzdem sei viel Bewegung auf der Baustelle, meint Land. Stetig würden Lkw Rohre holen und bringen. „Wir haben ein riesenlanges Gestänge“, sagt der Pressesprecher, ohne dabei zu übertreiben. Ein Rohr sei in der Regel zwölf Meter lang. Wie viele man für 8000 Meter braucht – so lang ist eine Strecke insgesamt –, „kann man im Kopf überschlagen“. Regelmäßig würden die Rohre in Bezug auf die Materialbeschaffenheit kontrolliert. Die Gewinde, „die neuralgischen Punkte“, müssten besonders gefettet und überprüft werden, ergänzt Land. „Wenn sich das festfrisst, ist das mehr als ärgerlich. Das kennt man vom Heimwerken auch und ist in Groß nicht anders.“
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Vier von zwölf Schleifen sind fertig
Eavor will wie berichtet mit einer neuartigen Technologie geothermische Energie zur Strom- und Wärmegewinnung nutzen. Um an die Erdwärme zu gelangen, baut das Unternehmen in mehreren Kilometern Tiefe vier sogenannte Eavor-Loops. Pro Loop wird zweimal vertikal 4500 Meter in die Tiefe gebohrt, anschließend geht es auf einer Strecke von 3000 bis 3500 Metern in der Waagrechten weiter. Dieser Vorgang wiederholt sich, bis es am Ende zwölf Schleifen gibt. Dann ist ein Loop fertig. Soweit die Theorie.
Ursprünglich wollte das Unternehmen erst alle zwölf Schleifen des ersten Loops bohren, dann die Wände der Löcher versiegeln und Drucktests durchführen. Doch es hat sich für eine Umstellung im Prozess entschieden: Man habe gleich zu Beginn die ersten gebohrten Schleifen – vier seien mittlerweile fertig, an der fünften werde gearbeitet – sogleich getestet. „Die Schleifen werden nun schneller fertiggestellt“, sagt Land. „Und das ist, worum es am Ende geht: schneller bohren.“ Die bislang verlorene Zeit lasse sich nicht komplett aufholen, räumt der Firmensprecher auf Nachfrage ein. Aber das sei nicht so schlimm. Der erste kommerzielle Eavor-Loop sei ein Pionierprojekt. Außerdem stehe man mit den Kooperationspartnern wie den Stadtwerken Geretsried in permanenten Austausch.
Unternehmen hat neue Führungsspitze
Seit Mitte April hat die Eavor GmbH, die ihren Sitz in Düsseldorf hat, eine neue Führungsspitze. Auf den gebürtigen Isländer Daniel Mölk folgen Marco Becker und Chris Cheng. Sie haben gemeinsam die Leitung des Unternehmens als Geschäftsführer übernommen. „Beide waren bereits in zentralen operativen Führungsfunktionen bei Eavor tätig und verfügen über umfassende Einblicke ins Tagesgeschäft“, so Alexander Land. Becker ist studierter Jurist und war seit Mitte 2024 als Hausjurist bei Eavor tätig, bevor er im April dieses Jahres zum Geschäftsführer aufstieg.
Cheng hat einen Universitätsabschluss in Maschinenbau und kam 2020 zu Eavor. Der Kanadier war zunächst leitender Entwicklungsingenieur und wurde später zum Leiter des Bereichs Entwicklungstechnik befördert, bevor er im Juni 2024 nach Deutschland wechselte und als Projektentwicklungsmanager tätig war. Er wurde ebenfalls im April zum Geschäftsführer ernannt.
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Auch die Eavor Erdwärme Geretsried GmbH & Co. KG hat mit Fabricio Cesario (ehemals Projektleiter bei Eavor für Geretsried) einen neuen Geschäftsführer. Diesen Posten hatte bisher ebenfalls Mölk inne, der „maßgeblich am Aufbau der Präsenz von Eavor in Deutschland beteiligt“ war. Mölk habe einen wichtigen Beitrag dazu geleistet hat, das Unternehmen als treibende Kraft im Bereich der Tiefengeothermie zu etablieren.
Strom soll in zweiter Jahreshälfte fließen
Mit treibender Kraft geht es auch in Gelting weiter. Das auf Herz und Nieren getestete Kraftwerk wartet auf seinen Einsatz. Im Dezember schätzte Land noch, dass Mitte des Jahres mit der Stromproduktion begonnen werden kann. Auch wenn das Bohren jetzt „deutlich schneller geht“, so Land, wird mutmaßlich erst in der zweiten Jahreshälfte Strom fließen.