"Europa sich selbst in die Bedeutungslosigkeit manövriert"

Ein Positionspapier mit Signalwirkung sorgt für lebhafte Diskussionen: Im Artikel zeigt Politikwissenschaftler Braml, wie Trumps neue Sicherheitsstrategie Europas Einfluss schwinden lässt und die globale Machtverteilung neu ordnet. In der Leserdebatte prallen vor allem zwei Perspektiven aufeinander: Während viele Leser der EU und europäischen Politik Versäumnisse und Selbstverschuldung des Bedeutungsverlustes vorwerfen, äußern andere scharfe Kritik an den USA und insbesondere an Donald Trump. Dazu kommen skeptische Stimmen, die vor den Risiken einer erneuten Einteilung der Welt in Einflusssphären warnen. 

Kritik an europäischer Schwäche

Mit 63 Prozent ist dies die größte Gruppe: Viele Leser sehen die Ursachen für Europas Bedeutungsverlust bei der EU selbst. Sie kritisieren mangelnde Einigkeit, fehlende Verteidigungsbereitschaft sowie politische und wirtschaftliche Fehlentscheidungen. Nach Ansicht dieser Gruppe ist Europa angesichts der neuen US-Strategie und globaler Verschiebungen zum Zuschauer geworden, weil es keinen eigenständigen Kurs eingeschlagen hat. Einige fordern einen grundlegenden Neustart der EU, andere mehr strategische Unabhängigkeit und Investitionen in Verteidigung und Technologie – und sehen Trump als Spiegel, der Europas Schwächen offenlegt.

"Jetzt wankt die globale Machtordnung gehörig - nein, das ist nicht korrekt. Die Weltordnung hat sich bereits langsam und schleichend verschoben. Wir Europäer haben dies in unserer Arroganz einfach nicht für möglich gehalten."  Zum Originalkommentar

"Europa tut doch seit 15 Jahren genau alles, um so gesehen zu werden."  Zum Originalkommentar

"Trump hat hier gar keine Entscheidung aktiv getroffen - er hat lediglich die Situation analysiert und Schlüsse in Bezug auf Europa daraus gezogen, quasi eine Reaktion auf die Entwicklungen hier. Nichts von wegen „Europa fallen lassen“, vielmehr erkennt er, dass Europa sich selbst in die Bedeutungslosigkeit manövriert und er reagiert darauf. Ich sehe nicht, warum er dafür kritisiert wird."  Zum Originalkommentar

"Wow.. das ist doch einmal ein auf den Punkt gebrachter Artikel mit reiner und guter Information. Vielleicht ist das in den EU-Hauptstädten noch nicht angekommen, wir beschäftigen uns lieber mit Sprachformulierungen, was darf man noch sagen und was nicht... ganz wichtig der Klimawahn... und nicht zu vergessen... wir nehmen alle Menschen der Welt bei uns auf. Die wirklichen Probleme sind in diesem Artikel benannt, die EU ist zum Friedhof von ehemaligen Großmächten geworden, und die EU hat es noch nicht bemerkt."  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber globaler Machtordnung

Acht Prozent der Leser betrachten die neue Betonung von Einflusssphären kritisch. Sie warnen davor, dass eine Aufteilung nach Großmachtinteressen zu Instabilität und neuen Konflikten führen kann. Die Stimmen stellen infrage, ob regionale Dominanz zu Stabilität führt, oder ob daraus nicht vielmehr Rivalitäten und Wettrüsten erwachsen. Besonders diskutiert werden dabei die Risiken für kleinere Staaten, die Gefahr einer Spaltung der Welt in gegnerische Blöcke und die langfristige Unsicherheit für Europa.

"Das System der Einflusssphären hat sich allerdings bis 1945 als völlig ungeeignet für Frieden erwiesen. Die stabilste Phase fand danach statt - mit den wenigsten Kriegen weltweit. Und warum kleinere Staaten mit Atomwaffen sich dann irgendwie unterordnen werden bzw. eine stabile Ordnung entstehen sollte, ist schon sehr illusorisch. Es wird eher dazu führen, dass jeder, der sich für stark genug hält, Krieg führen wird, wenn er das als nützlich ansieht."  Zum Originalkommentar

"Rückkehr zu Einfluss-Sphären? Nein. Nur die letzten 30 Jahre gab es nur 1: USA auf jedem Kontinent. Vorher: Europa und die Briten. 500 Jahre lang. Die sind nun vorbei. Es fast nur durch den Westen verursachte Kriege. Direkt, indirekt, covert, usw. Einfach raushalten, dann einigt man sich. Die anderen verstehen Diplomatie."  Zum Originalkommentar

"Hochmut kommt vor dem Fall. China hat nicht das Ziel, zur dominierenden Militärmacht Asiens zu werden. Das eigentliche Ziel ist, die USA wirtschaftlich abzulösen – das ist in Parteitagsbeschlüssen klar formuliert. Militärische Stärke ist nur ein Baustein. Dass sich die EU als Handelspartner anbietet, ist wenig überraschend: Der europäische Markt wird seit Jahren mit günstigen chinesischen Waren geflutet. Umgekehrt kann dieser Austausch aber auch für Europa interessant sein, denn chinesische Konsumenten sind europäischen Produkten gegenüber aufgeschlossen. Die USA hingegen isolieren sich zunehmend – ein gefährlicher Kurs für eine Wirtschaftsmacht. Europäische Unternehmen werden neue Partner suchen, vor allem im asiatischen Raum."  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber europäischer Verteidigung

Auch acht Prozent der Beteiligten sehen Europas mangelnde Bereitschaft zur Selbstverteidigung als zentrales Problem. Die Kommentare kritisieren, dass europäische Staaten zu wenig in militärische Kapazitäten investieren und zu stark auf den Schutz durch die USA vertrauen. Dabei wird Trumps Haltung zum Anlass genommen, über einen Kurswechsel zu diskutieren. Die Stimmen fordern mehr Zukunftsorientierung, stärkere Abschreckungsfähigkeit und eine aktive Rolle Europas in der neuen Machtordnung.

"Über Jahre haben sich die Europäer nicht an die Erfüllung der Mindestquote der Militärausgaben gehalten. Jetzt wundert man sich, dass die Amis kein Interesse mehr an der EU haben. Wie realitätsfremd muss man sein."  Zum Originalkommentar

"Das beinhaltet aber dann auch, dass Europa dringend mehr und mehr Atommacht wird. Und nicht nur 2 Länder in Europa. Wir müssen in Zukunft selbst für Abschreckung sorgen. Also warum Atomwaffen nur für die jetzigen Atommächte? Wer eine neue Weltordnung will, der soll sie haben. Schluss mit der Erpressung von Atommächten."  Zum Originalkommentar

Sarkasmus zur politischen Lage Europas

Ein ebenfalls acht Prozent umfassender Teil der Leserschaft bedient sich Sarkasmus, um Kritik an Europas Politik und auch an Trump zu äußern. Hinter Humor und Übertreibung steckt vielfach Frustration über die vermeintliche Inkompetenz europäischer Politiker und die Entwicklung der EU zur Zuschauerrolle. Die wiederkehrende Ironie zeigt, dass viele Kommentierende dem Ernst der Lage mit Spott begegnen, sich aber gleichzeitig machtlos fühlen.

"Trampelchen ist beleidigt, weil die gebildeten Europäer diesen Kürbiskopp doof finden. Wir machen uns ja über diesen Zollkasper lustig, dafür rächt sich jetzt Onkel Donald. Der mit seiner Frau, die als illegale Einwanderin ins Land kam. Trump ist die manifestierte Peinlichkeit überhaupt. Jeder Psychologe erkennt sofort, wie krank dieser Typ ist. Ein kleiner reicher Gernegroß. Freie Meinungsäußerung, dann aber Social-Media-Accounts ausspionieren."  Zum Originalkommentar

"Liegt es an der Einbildung, ein von Gott auf die Erde gesandtes Volk zu sein? Wenn ja, dann dürfte das nach heutigem Zeitgeistermessen wohl kaum so wertvoll sein, wie es die Börsen verlauten lassen. Einzig das Universum trägt und trug dazu bei, dass es diese Welt, die Erde, überhaupt gibt. Ein Herr Trump ist innerhalb dieses unendlich großen Universums im Prinzip gar nicht vorhanden. Größenwahn, Hochmut... was?!"  Zum Originalkommentar

Kritik an US-amerikanischer Politik

Fünf Prozent der Leser äußern vorwiegend Skepsis und Kritik an den USA sowie an Donald Trump persönlich. Sie zweifeln an Trumps Führungsstil, werfen ihm Egozentrik und Realitätsferne vor und kritisieren seine Rolle im Umgang mit Europa und weiteren globalen Konflikten. Zugleich gibt es Stimmen, die einzelne Analysen aus den USA als realistisch betrachten – aber Trumps Stil als destruktiv ansehen.

"„Krieg ist schlecht fürs Geschäft.“ Es darf gelacht werden. Da sollte Trump mal mit den Chefs von Martin-Marietta in den USA und von Rheinmetall in Düsseldorf reden. Die werden ihm was ganz anderes verkünden."  Zum Originalkommentar

"Trump schützt die USA vor illegaler Einwanderung durch den Ausbau von Grenzschutzanlagen. Trump verbringt illegale und kriminell gewordene Einwanderer außer Landes. Trump macht das, was in Deutschland und der EU dringend notwendig wäre! Die, die Trump dafür kritisieren, wollen, dass das illegale Einwanderungs-Chaos in Deutschland und Europa so weitergeht!"  Zum Originalkommentar

Kritik an EU-Bürokratie und Verwaltung

Mit vier Prozent befasst sich ein kleinerer Teil der Kommentare mit der als überreglementiert empfundenen Bürokratie der EU. Die Leser kritisieren, dass sich die Institutionen mit Detailvorschriften und ineffizienter Verwaltung befassen, während wichtige Herausforderungen liegenbleiben. Viele zweifeln an der demokratischen Legitimation und Handlungsfähigkeit der EU – und sehen in bürokratischen Hürden einen zentralen Grund der europäischen Schwäche.

"Er hat doch vollkommen recht. Die EU ist ein bürokratischer Krake. Windet sich bei wichtigen Entscheidungen durch das kleinste Schlupfloch. Die Entscheidungsträger sind abgehalfterte, von Lobbyisten unterstützte, gescheiterte, zusammengewürfelte, verkrachte Existenzen. Eine Verordnung zu Größe, Länge, Form und Gewicht einer Salatgurke ist so dick wie ein Buch. Die Volksabstimmung zur Einführung einer einheitlichen Sommer- oder Winterzeit wird erfolgreich ignoriert und immer wieder vertagt. Das ist nur so sinnbildlich für das Scheitern dieses riesigen Apparates, der auch noch 2 x im Jahr seinen Amtssitz für Millionen von Euros um ein paar km verlegt. Außer Freizügigkeit und ein "paar" Handelsabkommen, die dann auch Lücken zugunsten großer Konzerne haben, passiert da nicht viel."  Zum Originalkommentar

"Das Problem ist die lahme EU mit irren Vorschriften und Ideen. Vor allem die Grünen Träumer als EU-Abgeordnete. Wichtig ist jetzt für die EU, dass der Reifenabrieb und der Bremsabrieb umweltmäßig erfasst werden muss. Auf diese Idee käme ein Trump nie."  Zum Originalkommentar

"Das bürokratische Monstrum EU, welches keinerlei Mehrwert für den Bürger hat, außer Vorgaben, Richtlinien und Beschränkungen, gehört aufgelöst!"  Zum Originalkommentar

Sonstige Stimmen

Vier Prozent der Kommentare lassen sich keinem eindeutigen Lager zuordnen. Die Meinungen sind gemischt oder berühren gleich mehrere Themen. Hier äußern Leser allgemeine Einschätzungen, stellen Fragen zur Berichterstattung oder reflektieren grundsätzlich über Trumps Bedeutung für Europa. Auch die Debatte über die Perspektiven der USA und Europas findet in unspezifischen Äußerungen Niederschlag.

"Ich halte diesen Artikel in seiner Tonart nicht für richtig. Die USA wollen und brauchen meiner Ansicht nach Europa nicht als unwichtigen Zuschauer, sondern durchaus als wichtigen Pol in der Welt. Gerade auch in militärischen Fragen. Allerdings wollen sie einen Partner auf der Welt, der selbstständig und stark für die eigentlich gemeinsamen freiheitlichen Werte eintritt. Der sich nicht in der einen Frage versteckt unter dem Rockzipfel der USA und in der nächsten Frage das Bündnis wieder schwächt. Die Welt ist kein Ponyhof, das muss auch mal ankommen in Europa. Ich verstehe da die Amis mehr als unsere Seite."  Zum Originalkommentar

Was muss passieren, damit Europa nicht endgültig das Nachsehen hat? Wir laden Sie ein, Ihre Argumente und Lösungen in die Debatte einzubringen – diskutieren Sie mit der FOCUS-online-Community!

Hinweis: Die in diesem Artikel zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Die Analyse, Auswertung und thematische Gruppierung der Kommentare erfolgt automatisiert mithilfe Künstlicher Intelligenz.
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