- Der vollständige Artikel von Hannah Petersohn, auf den sich die folgende Kommentar-Analyse bezieht, ist hier verfügbar: Unglaubliche Rentenlücke: Frauen haben fast 14.000 Euro weniger – was sich ändern muss
Frauen in Westdeutschland erhalten im Ruhestand im Schnitt rund 13.500 Euro weniger Rente als Männer. Das sorgt für eine lebhafte Leserdebatte. In den Kommentaren prallen zwei Sichtweisen aufeinander: Die einen fordern Reformen und eine gerechtere Anerkennung von Lebensleistung, die anderen sehen Eigenverantwortung und traditionelle Rollenbilder als Hauptursache. Zugleich wird über Berechnungsgrundlagen, Steuerregeln und familiäre Förderungen gestritten.
Kritik an Rentensystem und Politik
Viele Leser machen die Politik für die Schieflage im Rentensystem verantwortlich. Genannt werden jahrzehntelange Zweckentfremdungen, fehlende Strukturreformen und ungleiche Belastungen zwischen Generationen. Besonders der Verweis auf historische Entscheidungen – von der Wiedervereinigung bis zu integrationspolitischen Leistungen – verdeutlicht, wie tief das Misstrauen gegenüber der staatlichen Verwaltung der Rentenkasse sitzt.
"Als die heute vielgescholtenen "Baby-Boomer" die zahlen- und aufkommensmäßig starken Beitragszahlerjahrgänge waren, da wurden deren Rentenbeträge für die Wiedervereinigung und die Spätaussiedlerwanderung zweckentfremdet. Und welch' eine Überraschung! Heute fehlt das Geld in der Rentenkasse!" Zum Originalkommentar
"Nachdem der Vorschlag mit der Pflicht zu 45 Beitragsjahren so gut ankam, könnte man diesen auch hier anwenden ..." Zum Originalkommentar
Kritik an Rollenbildern und Familienmodellen
Ein großer Teil der Diskussion dreht sich um die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen. Viele Kommentatoren sehen die Ursache in längeren Erwerbspausen, Teilzeit und mangelnder Kinderbetreuung. Andere betonen, diese Lebensentscheidungen seien freiwillig und dürften nicht nachträglich über staatliche Zuschläge ausgeglichen werden. Wiederkehrende Forderungen richten sich auf eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, aber auch auf mehr Eigenverantwortung bei der Altersvorsorge.
"(...) Wenn Frauen arbeiten und eigene Rente aufbauen sollen, muss man sie staatlich unterstützen bei Kindern. Die sind die Zukunft." Zum Originalkommentar
"Wer die erste Zeit lieber mit seinen Kindern verbringt und diese schöne Zeit genießen kann, sollte dann dafür auch nicht noch eine Entschädigung erhalten. Das ist eine freie, selbstbewusste Entscheidung einer jeden Frau ...." Zum Originalkommentar
"Habe 45 Jahre gearbeitet und 3 Kinder zu Steuerzahlern erzogen und bekomme eine Mini-Rente. Nur weil ich, wegen meiner Kinder, weniger arbeiten konnte …" Zum Originalkommentar
"Was erwartet ihr, wenn ihr die Rente auf unter 50 % reduziert? Als die Absenkung eingeführt wurde, haben viele vor Altersarmut gewarnt." Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber Rentenlückenerklärung
Einige Leser zweifeln die zitierten Zahlen zur Rentenlücke an. Sie kritisieren, dass häufig nur gesetzliche Renten verglichen werden, ohne zusätzliche Ansprüche wie Witwenrenten oder Betriebsrenten einzubeziehen. Andere bemängeln, dass Unterschiede in Lebenserwartung oder Steuerlast kaum berücksichtigt würden. Auch methodische Kritik an Durchschnittswerten und Berechnungen wird laut.
"(...) Frauen beziehen sieben Jahre länger Rente als Männer, nach dem Ausscheiden des Mannes wird das Einkommen durch Witwenrente aufgebessert. Man sollte schon die ganze Wahrheit aufzeigen." Zum Originalkommentar
"In Deutschland bekommen Frauen in der Regel eine höhere Witwenrente als Männer eine Witwerrente. Hat dies etwas mit der Lebenserwartung zu tun ..." Zum Originalkommentar
"Die signifikant höhere Lebenserwartung und damit die längere Rentenbezugszeit der Frauen wird gerne ausgeblendet." Zum Originalkommentar
Unterstützung für Finanzbildung und Vorsorge
Viele Stimmen betonen die Bedeutung eigener Vorsorge. Sie fordern, finanzielle Bildung müsse früher beginnen – in Schulen, Ausbildungsbetrieben und Familien. Wer sich auf den Staat verlasse, verliere langfristig, lautet der Tenor. Besonders Frauen sollen gezielt beim Vermögensaufbau unterstützt werden, etwa durch Informationen zu Aktien, ETFs und Altersvorsorgeprodukten. Gleichzeitig warnen Leser vor übertriebener Bürokratie und fordern einfachere, transparente Vorsorgemöglichkeiten.
"Schon in der Kindheit werden Weichen gestellt. In Familien wird häufiger mit Söhnen über Finanzen gesprochen als mit Töchtern. Mädchen haben seltener Vorbilder oder Zutrauen in eigene Geldentscheidungen. Viele Frauen investieren gar nicht: Nur 18 Prozent der Frauen, aber 32 Prozent der Männer legen Geld am Kapitalmarkt an. Weniger Vermögensaufbau bedeutet weniger private Vorsorge – ein weiterer Verstärker der Rentenlücke." Zum Originalkommentar
""Finanzbildung muss Teil des Lehrplans werden." Das würde den Gender Investment Gap deutlich verringern." Zum Originalkommentar
"Die Finanzindustrie spricht Männer an und lässt Frauen als Zielgruppe weitgehend liegen. Das muss sich ändern, wenn Frauen Vertrauen in Anlageentscheidungen entwickeln sollen." Zum Originalkommentar
"Alle Expertinnen sagen übereinstimmend: So früh wie möglich investieren – und dranzubleiben. Denn Frauen schneiden laut Studien langfristig sogar stabiler und erfolgreicher ab als Männer, weil sie weniger spekulieren und breiter streuen." Zum Originalkommentar
Ehegattensplitting und Steuerpolitik
Eine Debatte dreht sich um das Ehegattensplitting: Die Leser thematisieren, dass es traditionelle Familienmodelle fördert und so zur Rentenlücke beiträgt. Forderungen nach einer Reform werden laut, um steuerliche Vorteile stärker an Kinder zu koppeln oder abzuschaffen. Gleichwohl verweisen Befürworter auf die Schutzfunktion für Familien und darauf, dass beide Partner profitieren können, was das Argument einer einseitigen Ungerechtigkeit relativiert.
"Das Ehegattensplitting ist Ausfluss der im Grundgesetz geregelten Schutzfunktion für die Familie und kann gar nicht abgeschafft werden. Würde auch heißen, dass die Einstandspflicht für Ehegatten untereinander aufgehoben werden müsste. Und das wiederum hieße, dass die nichtarbeitende Chefarztgattin Bürgergeld beantragen könnte." Zum Originalkommentar
"In der privaten Vorsorge muss auch der Partner für seinen Partner einstehen. Bleibt die Frau zu Hause, muss der Partner zur Not bei der privaten Vorsorge der Frau aufstocken, das ist aber Sache der Familie. Und vom Ehegattensplitting haben doch beide was. Läuft alles auf ein Konto zusammen, profitieren beide Partner davon. Das Splitting hat auch keinen Einfluss auf die Menge der Rentenpunkte - da zählt das Bruttogehalt." Zum Originalkommentar
"Bei der Reform des Ehegattensplittings stimme ich zu. Steuererleichterungen für Ehepaare sollten ausschließlich an die Zahl der Kinder gekoppelt sein." Zum Originalkommentar
Forderung nach besserer Kinderbetreuung
Viele Leser sehen die Ursache ungleicher Renten in fehlenden Betreuungsstrukturen. Ohne flächendeckende Ganztagsangebote und bezahlbare Kinderbetreuung bleibe die Vollzeiterwerbstätigkeit für viele Eltern – vor allem Mütter – unrealistisch. Damit würden Rentenlücken bereits im Berufsleben vorprogrammiert. Einigkeit herrscht über eines: Nur mit verlässlicher Kinderbetreuung und flexibleren Arbeitsmodellen lässt sich echte Chancengleichheit schaffen – und langfristig auch die Rentenlücke verkleinern.
"Zum einen wird gejammert, dass die dt. Gesellschaft zu wenig Kinder hat, auf der anderen Seite sind die Ursachen dafür schlichtweg die massiven Kosten für alles, was Kinder angeht, und die fehlende Infrastruktur, die dann, wenn vorhanden, kaum bezahlbar ist ...." Zum Originalkommentar
Sonstiges
Einige Kommentare lassen sich nicht klar einem Meinungsbild zuordnen. Sie greifen verschiedene Themen gleichzeitig auf, äußern Zweifel an den präsentierten Fakten.
"Die Frage lautet: ob sich noch etwas ändern lässt." Zum Originalkommentar
"Man müsste das mal reformieren. Wenn könnte das machen?" Zum Originalkommentar
Wer ist verantwortlich für gerechtere Renten?
Viele Leser sehen beim Thema Rentenlücke Reformbedarf, andere fordern mehr Eigenverantwortung oder kritisieren die Berechnungen. Welche Maßnahmen halten Sie für den richtigen Weg zu faireren Renten für Frauen? Diskutieren Sie mit: Teilen Sie Ihre Meinung, Lösungsvorschläge und Erfahrungen in den Kommentaren!