- Der vollständige Artikel von Tanit Koch, auf den sich die folgende Kommentar-Analyse bezieht, ist hier verfügbar: Dann schreibt mir US-Diplomat: „Wieso ist gerade irgendwer überrascht?”
Kolumnistin Tanit Koch analysiert Donald Trumps neue Sicherheitsstrategie als Mischung aus Dominanzanspruch, Machtpolitik und Einmischung in europäische Angelegenheiten – erwartbar, aber in Teilen unzumutbar. Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich davon unbeeindruckt und sprach von bekannten Positionen aus Washington. Viele Leser sehen darin jedoch kein Zeichen von Gelassenheit, sondern von politischer Passivität. In den Kommentaren wächst der Ruf nach einer klareren europäischen Linie gegenüber den USA und mehr Eigenständigkeit in Sicherheitsfragen.
Kritik an US-Dominanzpolitik
Ein Großteil der Leser reagiert kritisch auf die amerikanische Sicherheits- und Außenpolitik, wie sie im Briefing von Tanit Koch beschrieben wird. Viele sehen in den Äußerungen Donald Trumps keinen Einzelfall, sondern die Fortsetzung einer seit Jahrzehnten bestehenden Dominanzstrategie der USA. Der Ruf nach einer eigenständigen europäischen Linie zieht sich durch die Kommentare: Europa müsse lernen, seine Interessen unabhängig von Washington zu vertreten – wirtschaftlich, sicherheitspolitisch und außenpolitisch. Besonders irritiert zeigt sich die Leserschaft darüber, dass Berlin und Brüssel kaum Reaktionen zeigen und die US-Rhetorik weitgehend hinnehmen. Der Wunsch nach größerer strategischer Autonomie Europas zieht sich wie ein roter Faden durch die Diskussion.
"Der US-Diplomat hat doch absolut recht. Schon zur ersten Amtszeit von Trump hätte man reagieren müssen, und nicht nur hoffen. Und jetzt hofft man immer noch und kritisiert, statt endlich mal zu agieren. Trump braucht die EU nicht. Er braucht Russland an seiner Seite gegen China." Zum Originalkommentar
"Der amerikanische Präsident hält Europa den Spiegel vors Gesicht und die deutsche Regierung schreit nur weiter so? Das kann es doch nicht sein." Zum Originalkommentar
"Trump und Vance haben mit ihrer Kritik Recht. Die Empörung darüber ist verständlich, da offensichtlich das Beschönigen, Relativieren und das "unter-den-Teppich-Kehren" fortgesetzt werden soll. Mogelpackungen dürften den Bürger allerdings immer weniger überzeugen." Zum Originalkommentar
Kritik an europäischer Politikführung
Ein weiteres großes Lager kritisiert das Agieren der europäischen und deutschen Politik. Der Tenor: Die EU handele zu zögerlich, verliere sich in internen Abstimmungen und reagiere zu spät auf globale Herausforderungen. Zugleich bestehen Zweifel an der Effizienz der EU, Kritik an politischen Akteuren und der Mangel an eigenständigen, schnellen Entscheidungen der europäischen Staaten stünden dringend zur Debatte.
"Brüssel ist nicht die Lösung, sondern das Problem, eine EWG, wie gehabt, wäre sinnvoller." Zum Originalkommentar
"Wie lange will die EU noch brauchen, um ihre eigene Rolle neu zu definieren? Seit vielen Jahren steht das Problem im Raum, am Rockzipfel der USA zu hängen. Wenn jetzt nicht schnell Grundsatzentscheidungen getroffen werden für Wirtschaft, Verteidigung, Rechtsordnung etc., dann werden Putin und Trump die EU weiter in die Zange nehmen und zerstören." Zum Originalkommentar
"Da irrt Merz wie so oft. Er ist nicht, und will auch nicht die Demokratie retten. Er will Kanzler, sonst nix. Die Demokratie, besonders in D, geht den Bach runter. Wegen der EU, man legt auf EU-Vorgaben immer noch was drauf und im eigenen Land wegen der Bekämpfung der Opposition ..." Zum Originalkommentar
Kritik an europäischer Migrationspolitik
In der Diskussion über Migration und Bevölkerungspolitik verbinden viele Leser die US-Kritik mit einer generellen Schwäche Europas. Vor allem die deutsche Migrationspolitik steht im Zentrum. Kommentatoren warnen vor dem Verlust kultureller Identität, fordern konsequentere Abschiebungen und ein Ende "symbolischer Härte". Die im Kommentar als "fragwürdig" beschriebenen Passagen Trumps werden in diesem Lager häufig als berechtigte Warnung verstanden. Migration gilt hier als sicherheitspolitisches Thema.
"(...) Was ist daran fragwürdig? Hat nicht bereits vor über 10 Jahren ein gewisser Herr Sarrazin so etwas Ähnliches prognostiziert (auf Deutschland bezogen)?" Zum Originalkommentar
"Genau die fragwürdigste Unterstellung Trumps ist die wahrscheinlichste. Eine Gesellschaft formt die Gesetze und die Politik eines Staates. Ist die Mehrheit der Gesellschaft muslimisch, werden auch die Gesetze und Politik muslimisch ..." Zum Originalkommentar
"Was hier als „härteren Asylkurs“ bezeichnet wird, ist doch nur ein laues Lüftchen. Und selbst das wird Deutschland kaum umsetzen, weil staatlich finanzierte NGOs und die Kirche sich dagegen stemmen. Wir brauchen eine 180-Grad-Wende in der Asyl- und Flüchtlingspolitik ..." Zum Originalkommentar
Kritik an Demokratie und Gesellschaftsentwicklung
Ein Teil der Leserschaft weitet die Debatte auf die Grundsatzfrage nach Demokratie und Meinungsfreiheit aus. Diese Stimmen sehen in den US-Aussagen eine unbequeme Wahrheit über Europas Zustand. Diskutiert wird, ob politische Eliten und Medien den demokratischen Diskurs ausreichend schützen – oder ihn selbst einengen. Der Hinweis auf angeblich eingeschränkte Opposition und staatliche Überwachung zieht sich durch viele Kommentare.
"J.D. Vance hat klargemacht, dass Deutschland und überhaupt die EU sich von den gemeinsamen Werten verabschiedet hat. Zu diesen gemeinsamen Werten gehören die Werte, die eine echte Demokratie ausmachen, zum Beispiel Meinungsfreiheit, Redefreiheit, keine Unterdrückung, Hausdurchsuchungen wegen Nichtigkeiten morgens um 6 Uhr, keine Einschüchterung von inner- und außerparlamentarischer Opposition, keine Geheimdienstarbeiten gegen Bürger und Opposition ..." Zum Originalkommentar
"Die USA benennen genau den Elefanten im Raum, den sich Deutschland konsequent wegredet und vorsätzlich ignoriert ..." Zum Originalkommentar
"Die USA isolieren sich immer mehr selbst und die EU wird als Gewinner hervorgehen." Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber europäischer Sicherheitsstrategie
Ein kleineres, aber deutlich artikuliertes Lager bezweifelt, dass Europa sicherheitspolitisch auf der Höhe der Zeit ist. Die Leser bemängeln Abhängigkeit von den USA, eine schwache Verteidigungsstrategie und ineffektive Umsetzung von Gesetzen. Besonders beim Thema Migration und Lieferketten fordern sie mehr Eigenständigkeit und Kontrolle. Viele bezeichnen die EU-Maßnahmen als zu spät, zu weich oder zu bürokratisch. Die geopolitische Lage werde unterschätzt – Europa wirke, so der Tenor, unvorbereitet auf eine Welt im Umbruch.
"Lieferkettengesetz und härterer Migrationskurs: zu wenig, halbherzig und zu spät. Auch das trifft bereits bei linken Interessengruppen auf massiven Widerstand. Und da sie gut organisiert und mit den Medien vernetzt sind, wird auch das rückabgewickelt." Zum Originalkommentar
"Das abgeschwächte Lieferkettengesetz ist noch nicht in Kraft, die Nationalstaaten müssen es dann auch noch umsetzen und es ist eine Mogelpackung. Zwar wurden die Unternehmensgrößen geändert, aber nicht die zwingend durchgängigen Nachweise bis zur letzten Stufe, womit die kleinen Betriebe doch weiter betroffen sind. Und beim Asylgesetz das Gleiche: muss umgesetzt werden. Bisher nicht passiert ..." Zum Originalkommentar
Sonstiges
Ein kleiner Teil der Kommentare ist thematisch gemischt oder bleibt unklar in der Zuordnung. Neben sprachlichen Anmerkungen finden sich vereinzelte ironische oder humorvolle Einschübe, die den allgemeinen Debattenverlauf kaum berühren.
"Es gibt aber tausende US-Diplomaten" Zum Originalkommentar
Schaffen es Deutschland und die EU, eine eigenständige Strategie zu entwickeln? Diskutieren Sie mit: Wie sollte Europa auf den neuen US-Kurs reagieren?
Die Fakten am Morgen
Das FOCUS Briefing von Tanit Koch und Thomas Tuma. Kompakt die wichtigsten Informationen aus Politik, Wirtschaft und Wissen ab jetzt werktags immer um 6 Uhr in Ihrem Postfach.