- Der vollständige Artikel von Hannah Petersohn, auf den sich die folgende Kommentar-Analyse bezieht, ist hier verfügbar: Rente nach 45 Beitragsjahren: Was das für Millionen Deutsche bedeuten würde
Der Ökonom Jens Südekum regt an, den Renteneintritt künftig an die Zahl der Beitragsjahre zu koppeln – unabhängig vom Lebensalter. Der Artikel zeigt, wie unterschiedlich sich ein solches Modell auf Menschen mit verschiedenen Erwerbsbiografien auswirken würde und wie Fachleute die soziale Balance bewerten. In den Leserkommentaren prallen Vorstellungen von Gerechtigkeit deutlich aufeinander: Viele halten das Modell für fair gegenüber jenen, die früh ins Berufsleben starten, andere sehen deutliche Nachteile für Akademiker, Frauen und Beschäftigte mit Unterbrechungen. Zugleich rücken strukturelle Schwächen des Rentensystems und Zweifel an seiner Reformfähigkeit in den Mittelpunkt.
Zustimmung zu Rentenreform Vorschlag
Ein großer Teil der Leser begrüßt die Idee, den Renteneintritt an die Zahl der Beitragsjahre zu koppeln. Viele sehen darin eine faire Lösung für Menschen, die früh ins Arbeitsleben einsteigen und lange einzahlen. Sie betonen, dass höhere Einkommen im Laufe der Jahre zu entsprechenden Rentenpunkten führen und spätere Einstiege dadurch ausgeglichen würden. Häufig wird gefordert, Ausbildungs- und Erziehungszeiten verlässlich anzurechnen und das System insgesamt transparenter zu machen. Einige Leser erwarten zudem, dass politische Entscheidungsträger mit gutem Beispiel vorangehen und selbst nach denselben Regeln in die Rentenversicherung einzahlen.
"Ich könnte mir kein gerechteres System vorstellen, wer eher anfängt, kann früher in Rente gehen, was soll daran ungerecht sein?" Zum Originalkommentar
"Nach Beitragsjahren ist das einzig gerechte Verfahren. Für Kinder gibt es je 3 Jahre angerechnet und Akademiker zahlen wohl meist kürzer ein, aber bekommen aufgrund hohen Gehalts mehr Punkte als ein Verkäufer." Zum Originalkommentar
"Rente mit 61 nach 45 Beitragsjahren? Ich bin dabei. Ich habe übrigens neben der Arbeit studiert, geht auch." Zum Originalkommentar
"Ich finde diesen Rentenvorschlag völlig in Ordnung und vor allem gerecht. Wer früher anfängt zu arbeiten, darf auch früher in Rente! Was soll daran ungerecht sein ..." Zum Originalkommentar
Kritik an Politik und System
Ein breites Lager kritisiert weniger den Vorschlag selbst als vielmehr die strukturellen Probleme des Rentensystems. Viele Leser bemängeln, dass Politiker und Beamte von Sonderregelungen profitieren und nicht in das allgemeine Rentensystem einzahlen. Gleichzeitig wird beklagt, dass Selbstständige und bestimmte Gruppen weiterhin nicht einbezogen sind. Immer wieder tauchen Zweifel an der langfristigen Finanzierung auf. Für viele Kommentierende steht fest, dass ohne grundlegende Reformen – etwa eine breitere Finanzierungsbasis oder die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze – auch neue Konzepte ihre Wirkung verfehlen würden
"In dieser Diskussion werden wieder reichlich Nebelkerzen ausgelegt, das Pferd von hinten aufgezäumt. Zuerst müssen alle in ein System einzahlen und die Beitragsbemessungsgrenze abgeschafft werden. Danach reden wir über Details." Zum Originalkommentar
"Das sind doch Schein-Debatten! Warum werden Politiker und Beamte mit ihren Pensionen und Altersbezügen weiterhin so extrem bevorteilt? Dazu sind echte Debatten notwendig ..." Zum Originalkommentar
Kritik an Rentenreform Ungerechtigkeit
Ein erheblicher Teil der Leserschaft sieht im vorgeschlagenen Modell neue soziale Schieflagen. Genannt werden Nachteile für Frauen mit Familienzeiten, Menschen mit gebrochenen Erwerbsbiografien und späteinsteigende Akademiker. Viele bezweifeln, dass Unterbrechungen oder körperlich belastende Tätigkeiten ausreichend berücksichtigt werden könnten. Deutlich wird die Sorge, dass das Modell gut Verdienende begünstigt, während jene mit niedrigen Einkommen oder zeitweisen Ausfällen zusätzlich belastet würden. Insgesamt wird befürchtet, dass das Konzept bestehende Ungleichheiten eher verstärkt als abbaut.
"Auch Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), lehnt den Vorstoß klar ab. „Ein solches Modell schafft große neue Ungerechtigkeiten im Rentensystem, denn es führt zu einer stärkeren Umverteilung von Arm zu Reich und von Frauen zu Männern.“" Zum Originalkommentar
"Die Rentenzahlung an die Anzahl der Jahre, die eingezahlt wurden, zu koppeln, ist kein gerechtes System. Viel wichtiger ist doch die Höhe der Einzahlungen, die geleistet wurden. Wenn das nicht berücksichtigt wird, werden die besser Verdienenden, die in der Regel erst später einzahlen können, nach Wegen suchen müssen, sich aus dem Rentensystem zu verabschieden." Zum Originalkommentar
"Gerecht ist Folgendes: Das Äquivalenzprinzip. Niemand bekommt ‚für nichts‘ mehr. Wer körperlich stärker Schaden nimmt, darf früher raus, ohne dafür abgestraft zu werden. Arbeit muss gegenüber Nicht-Arbeit im Alter immer vorteilhaft sein." Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber Umsetzbarkeit und Folgen
Ein Großteil der Leser konzentriert sich auf die praktische Umsetzung eines solchen Modells. Die Diskussion dreht sich um die Frage, wie Beitragsjahre definiert und Unterbrechungen bewertet werden sollen und wie sich unterschiedliche Berufsrealitäten abbilden lassen. Skeptiker bezweifeln zudem, dass die Rentenfinanzierung durch das neue Modell stabiler wird, da demografische Probleme bestehen bleiben. Befürchtet werden neue bürokratische Hürden sowie ein erhöhter Verwaltungsaufwand. Insgesamt herrscht Zweifel, dass die Reform zentrale Herausforderungen lösen würde.
"Das Modell würde das zentrale Problem des deutschen Rentensystems nicht entschärfen: Die demografische Schere zwischen immer weniger Einzahlern und immer mehr Rentenempfängern bliebe unverändert." Zum Originalkommentar
"Sollte die Regierung den Ansatz ernsthaft verfolgen, stünde sie zudem vor schwierigen Fragen: Wie viele Beitragsjahre sollen gelten? Wie werden Unterbrechungen bewertet? Und wie verhindert man, dass Menschen, die körperlich kaum länger arbeiten können, dennoch bis über die heutige Grenze hinaus im Beruf bleiben müssen?" Zum Originalkommentar
"Danke für diesen Bericht, der meine spontane Reaktion auf diesen Vorschlag gut bestätigt. Alles in allem eine Idee mit hohem Potenzial auf viel Bürokratie und Ungerechtigkeiten." Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber Akademiker Benachteiligung
Ein kleineres, aber deutlich erkennbares Lager konzentriert sich auf die Auswirkungen auf akademische Berufswege. Viele Leser hinterfragen, ob spätere Berufseintritte zu einer unverhältnismäßig langen Lebensarbeitszeit gegenüber anderen Gruppen führen würden. Während manche argumentieren, dass höhere Einkommen später ausgleichen, warnen andere vor neuen Belastungen für Fachkräfte, die bereits lange Ausbildungszeiten hinter sich haben. Wiederkehrend ist die Forderung, Studienzeiten oder Qualifizierungsphasen stärker zu berücksichtigen, um unterschiedliche Lebensläufe fair abzubilden.
"Hier wird mal wieder das Klischee vom lockeren Studentenleben bedient. Wer aber nicht vom Elternhaus besonders verwöhnt ist, für den ist das Studium ein Kraftakt zwischen Lernen und für Klausuren büffeln + parallel jobben, um über die Runden zu kommen. Ein Studium ist keine Freizeitveranstaltung, sondern i.d.R. viel stressiger als mancher rentenversicherte Job." Zum Originalkommentar
"Die mit Studium haben in der Regel auch besser dotierte Jobs und können mehr für die private Altersvorsorge investieren. Daher ist dieser Vorschlag in Ordnung ..." Zum Originalkommentar
"Studienzeit ist ja keine verbummelte Faulheit, sondern hilft durch Wissenschaft, dass andere leichter und qualifizierter arbeiten können, sichert also Wohlstand. Das ist also kein Grund "zur Strafe" länger arbeiten zu müssen. Besser wäre, mit zunehmendem Alter die Rentenpunkte zu stärken bzw. zu vermehren. Das macht es attraktiver, noch ein Jährchen dranzuhängen." Zum Originalkommentar
Sonstiges
Ein Teil der Kommentare lässt sich thematisch nicht eindeutig zuordnen. Die Beiträge umfassen Nachfragen zu Rententechnik, grundsätzliche Kritik an rentenpolitischen Entscheidungen, persönliche Erfahrungen und politische Seitenbemerkungen.
"Pro geleistetem steuerpflichtigem Arbeitsjahr kriegt man pauschal 45 € Rente." Zum Originalkommentar
"Wichtig wäre, ab 75 Jahre keine Steuererklärung mehr. Der Bierdeckel darf gehen." Zum Originalkommentar
"Kann mir jemand einen guten Grund nennen, warum man da als junger Leut mitmachen sollte? Ich checks grad not." Zum Originalkommentar
Wie sollte Ihrer Meinung nach ein gerechtes Rentensystem aussehen? Welche Lösungen überzeugen Sie – und wo sehen Sie dringenden Reformbedarf? Diskutieren Sie mit: Teilen Sie Ihre Position und Erfahrungen und bereichern Sie die Debatte mit Ihren Argumenten!