Kampfabstimmung zu Kubiz-Umbau könnte alles verändern

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Im Südflügel des Unterhachinger Kubiz soll ab 2026 die Ganztagsbetreuung von Schulkindern stattfinden, weshalb die Volkshochschule weichen muss. © Martin Becker

Im Bestreben, ab 2026 die gesetzlich vorgeschriebene Ganztagsbetreuung garantieren zu können, drückt die Gemeinde Unterhaching aufs Tempo, um das Kubiz umzubauen. Doch der Widerstand gegen die Pläne wächst. Der Gemeinderat könnte das Projekt gar zum Kippen bringen.

Unterhaching - „Wir müssen den Startschuss geben und ein Zeichen setzen, dass wir nicht nur über Konzepte diskutieren, sondern sie auch umsetzen“, reagierte Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung gereizt auf kritische Anmerkungen von Beate Gsänger (Grüne), die er „in keinster Weise“ nachvollziehen könne. Nun gut, diesen Superlativ gibt es sprachlich gar nicht, doch Panzer wollte damit die Dringlichkeit unterstreichen: Es müsse etwas passieren, und zwar „jetzt und heute“.

Eine Stimme könnte am Ende entscheiden

Gegen die Stimmen der CSU billigte der Bauausschuss letztlich die Nutzungsänderung für den Südflügel des Kubiz, in dem die Volkshochschule (VHS) Platz machen soll für die Ganztagsbetreuung. Zwei Tage später im Finanzausschuss indes, nach einer turbulenten Debatte, stimmten neben der CSU auch die Grünen gegen den Kubiz-Umbau, der mit 7:6 Stimmen nur noch eine hauchdünne Mehrheit fand.

Abstimmungs-Showdown im Gemeinderat

Somit kommt es in der Gemeinderatssitzung am 26. Juni (18 Uhr, Rathaus) zum öffentlichen Abstimmungs-Showdown um die Zukunft des Kubiz: CSU und Grüne kommen zusammen auf 15 der 30 Stimmen, sofern das Gremium vollständig ist – je nach Absenzen in den Fraktionen könnte am Ende die Bürgermeisterstimme entscheiden.

Die Sicht der Rathausverwaltung legten Astrid Abou El Ela (Bildungsreferat) und Susanne Schweizer (Bauabteilung) dar. „Auf die nackten Zahlen“ verwies Astrid Abou El Ela, bei einer hundertprozentigen Auslastung würden für die Ganztagsbetreuung 508 Schulkinder erwartet. 310 Plätze könne man derzeit anbieten, 198 fehlen somit. Der Plan: 127 Kinder sollen im Kubiz betreut werden, die restlichen 71 machen in der Schule Hausaufgaben oder nutzen andere Angebote, beispielsweise in der Sportarena oder in der Musikschule.

Für dieses Vorhaben muss das Kubiz umgebaut werden, acht Gruppenräume sind geplant, dazu Büro- und Sozialräume fürs Personal. Fürs Mittagessen soll der Gymnastikraum im Kubiz genutzt werden: Gegessen wird an Klapptischen und in drei Schichten mit je 66 Kindern, was exakt die Bedarfszahl 198 abdeckt. Was die Kosten angeht: Inklusive Brandschutz, schulgerechter Sanierung der Sanitäranlagen und Nebenkosten kalkuliert die Gemeinde mit insgesamt 945 000 Euro, von denen 425 000 Euro förderfähig sind. Aber Eile sei geboten, mahnt Astrid Abou El Ela, denn beim „Landesförderprogramm Ganztag“ gelte das Windhundprinzip: Wer zuerst kommt, erhält Gelder – ist der Fördertopf leer, ginge man leer aus.

Zeit drängt: VHS soll früher raus

Aber auch die Zeitschiene für den Umbau sei „sehr sportlich“, erläuterte Susanne Schweizer. Um bis Mitte 2026 fertig zu werden, müsse man jetzt die Nutzungsänderung beantragen. Dieser Aspekt allein sei aber nicht alles: „Knackpunkt wird sein, wann werden die Räume frei?“ Als „kritischen Punkt“ wertete sie, dass der VHS zugesagt worden ist, bis zum 28. Februar 2025 im Kubiz bleiben zu dürfen und erst dann ins Kinderhaus Plus umziehen zu müssen. „Wenn wir wirklich erst im Frühjahr 2025 mit den Bauarbeiten anfangen, wird es knapp“, warnte Susanne Schweizer. „Wir hätten mehr Puffer, wenn die VHS schon früher rausginge.“ Einen entsprechenden Wink mit dem Zaunpfahl schob Bürgermeister Panzer hinterher: „Wir stellen der VHS die neuen Räume schon zum 1. Juli zur Verfügung.“ Gespräche mit der Volkshochschule habe es gegeben, „die kennen die Planung“. Auch der Gymnastikraum als Übergangs-Mensa bleibe nur ein Provisorium, sagte Panzer: „Irgendwann geht der Hausmeister in Rente, dann wird seine Dienstwohnung umgebaut.“

Musikschule, Kulturamt und Senioren bleiben

Der Druck ist hoch. Auf die VHS, bitte baldmöglichst umzuziehen. Aber auch auf die Gemeinde, die ihr Bildungs- und Ganztagskonzept räumlich unterfüttern muss. „Die Träger, mit denen wir im Gespräch sind, verlangen Antworten von uns“, sagte Panzer, die Gemeinde müsse jetzt „Taten folgen lassen“. Andernfalls, ergänzte Astrid Abou El Ela, „sprächen wir nur über Eventualitäten“.

Manches verharrt also im Schwebezustand, einiges ist aber konkretisiert: Die Senioren im Kubiz und das kommunale Kulturamt bleiben weiterhin im Gebäude, die Musikschule belegt weiter das zweite Obergeschoss im Nordflügel. Für die Verwaltungsräume werden der Musikschule während der Bauzeit Kompensationsflächen angeboten. Im Rahmen ihres Konsolidierungsprozesses könne die Musikschule anschließend eigenverantwortlich entscheiden, welche Verwaltungs- und Kursräume sie anmieten will.

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