Der Präsident des Deutschen Bauerntags, Joachim Rukwied, wirbt bei der Bevölkerung um Verständnis für mögliche Preiserhöhungen bei Lebensmittel. Zudem sendet er eine Bitte nach Brüssel.
Berlin - Bauernpräsident Joachim Rukwied hat vor dem Beginn des Deutschen Bauerntags um Unterstützung für höhere Lebensmittelpreise geworben. „Wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens, dass Lebensmittel aus Deutschland keine Selbstverständlichkeit sind und auch ihren Wert haben müssen“, sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Mittwoch (26. Juni). Das müsse sowohl von der Politik als auch von Verbraucherinnen und Verbrauchern erkannt werden.
Konsumierenden müsse klar sein, dass etwa Fleisch und Wurst hierzulande „zu höheren Standards erzeugt werden als anderswo“, fuhr Rukwied fort. „Diese Lebensmittel müssen dann auch einen höheren Preis haben. Wer hochwertige, heimische Lebensmittel will, der muss auch etwas mehr bezahlen.“
Bauernpräsident fordert mehr Geld aus Brüssel
Der Bauernpräsident forderte außerdem mehr EU-Gelder für die Landwirtschaft. „Wir brauchen auch weiterhin einen stabilen Agrarhaushalt im Bund und wegen der zunehmenden Herausforderungen ein größeres EU-Agrarbudget.“ Im Morgenmagazin des ZDF sagte er, die Landwirtschaft setze „auf die neue Kommission“ und den neuen zuständigen Kommissar oder die neue Kommissarin. „Hier müssen wir die Landwirtschaft in Europa wieder nach vorne bringen.“
Der Bauernverband trifft sich am Mittwoch und Donnerstag für seine Jahrestagung in Cottbus. Am Dienstag hatten sich die Bundestagsfraktionen der Ampel-Parteien auf Entlastungsmaßnahmen für landwirtschaftliche Betriebe geeinigt. Unter anderem enthalten darin sind steuerliche Vorteile im Fall von witterungsbedingten Ertragsschwankungen und Maßnahmen zum Bürokratieabbau. Der Bauernpräsident kritisierte das Agrarpaket im ZDF erneut als zu klein - es sei „längst überfällig, aber Lichtjahre von dem entfernt, was wir als Landwirte an Entlastungen brauchen“.
Nach Bauerndemos in ganz Deutschland stellt Ampel Entlastungspaket vor
Rukwied hat die Bundesregierung zu weiteren Kurskorrekturen für eine Stärkung der Landwirtschaft aufgefordert. „Wir brauchen endlich eine Agrarpolitik für unsere Unternehmen und nicht gegen unsere Unternehmen“, sagte Rukwied zum Auftakt des Deutschen Bauerntags. Er forderte die Rücknahme geplanter Vorgaben beim Düngen und beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.
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Nach bundesweiten Traktoren-Protesten gegen das Aus für Dieselvergünstigungen zu Jahresbeginn hatte sich die Ampel-Koalition auf ein Entlastungspaket geeinigt. Es sieht unter anderem steuerliche Erleichterungen und weniger Bürokratie vor. Rukwied kritisierte mit Blick die Demonstrationen: „Hier hat man offensichtlich die Botschaften nicht verstanden.“ Mit den Aktionen im Winter hätten die Bauern „gemeinsam das Land gerockt“ und die Ernährungssicherung und Zukunftsfragen der Landwirtschaft in die Mitte der Gesellschaft gerückt. Dabei sei auch unter Beweis gestellt worden, dass sie zur Demokratie und zu Europa stehen.
Rukwied wurde mit großer Mehrheit für weitere vier Jahre als Präsident des Deutschen Bauernverbands bestätigt. Er bekam 409 von 482 abgegebenen Stimmen. Der 62-Jährige steht seit 2012 an der Spitze des Verbands. (dpa, afp, lf)