Mensch bleiben trotz Krankheit: Stadtklinik Bad Tölz, AOK und Caritas klären zum Thema Demenz auf und schaffen Bewusstsein
Bad Tölz – „Demenz – Mensch sein und bleiben“: Unter diesem Motto stand der diesjährige Welt-Alzheimer-Tag. Aus diesem Anlass lud die Asklepios-Stadtklinik zusammen mit der AOK und der Caritas zu einer Info-Veranstaltung ein. Drei Stunden lang informierten Fachleute über verschiedene Aspekte der Erkrankung und gaben Einblicke in aktuelle Entwicklungen. Ziel war es, das öffentliche Bewusstsein für die Erkrankung zu stärken, die Situation der Betroffenen sichtbar zu machen und die Rolle der Angehörigen hervorzuheben.
Demenz in Zahlen: Eine Erkrankung die uns alle betreffen kann
In Deutschland leben derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung rechnen Experten damit, dass diese Zahl bis 2050 auf bis zu 2,7 Millionen ansteigen könnte. Das diesjährige Motto verdeutlichte, dass trotz zunehmender Einschränkungen durch die Erkrankung Gefühle, Persönlichkeit und Würde der Betroffenen erhalten bleiben. Menschen mit Demenz empfinden weiterhin Freude, Angst, Schmerz oder Zuneigung – und bleiben ein wichtiger Teil der Gesellschaft.
Experten im Gespräch: Neueste Erkenntnisse und Therapieansätze
Ein Höhepunkt des Programms in Bad Tölz war der Fachvortrag von Prof. Dr. med. Rüdiger Ilg, Chefarzt der Neurologie an der Asklepios-Stadtklinik, zum Thema „Diagnosestellung und neueste therapeutische Entwicklungen (AK-Therapie)“. Ergänzend erläuterte die Neuropsychologin Sabine Linsl den Ablauf einer Demenztestung und erklärte, wie erste Anzeichen erkannt und eingeordnet werden können.
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Demenzsimulator: Eine Erfahrung, die den Alltag der Betroffenen erlebbar macht
Eine besondere Erfahrung bot der sogenannte Demenzsimulator, der Besuchern ermöglichte, die Auswirkungen der Krankheit auf Alltag und Wahrnehmung nachzuvollziehen. So versuchte sich beispielsweise Birgit Suttner an einer Station, bei der ein Spielzeugauto mit den Händen entlang eines vorgegebenen Wegs geführt werden musste – allerdings nur sichtbar über einen Spiegel im Inneren einer Holzkiste. „Das ist ja gar nicht leicht. Ziemlich schwierig, das Auto durch den eingezeichneten Kreisverkehr zu bewegen“, kommentierte sie die ungewohnte Erfahrung.
Wissen, Mitgefühl und Unterstützung: Angebote für pflegende Angehörige
Abgerundet wurde die Veranstaltung durch Informationsstände der AOK Bad Tölz sowie der Fachstelle für pflegende Angehörige der Caritas im Franziskuszentrum. Hier konnten sich Interessierte über Unterstützungsangebote, Pflegeberatung und Hilfsmittel informieren.
Ein starkes Plädoyer für mehr Verständnis
Prof. Ilg betonte zum Abschluss: „Eine Demenzerkrankung bedeutet nicht, dass der Mensch verschwindet. Gefühle wie Freude, Angst oder Zuneigung bleiben erhalten – bis zuletzt. Je mehr Wissen, Verständnis und Mitgefühl in der Gesellschaft vorhanden ist, desto stärker kann die Krankheit in den Hintergrund treten.“