„Damit ist jetzt Schluss“: Landwirt (85) aus Oberbayern noch immer auf dem Feld

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Die letzte Heuernte dieses Jahres: Blasius Bichlmaier mit seinem Traktor auf dem großen Feld in Arzbach, das er 65 Jahre gepachtet hatte. © Alois Ostler

Nach 65 Jahren als Landwirt kündigt Blasius Bichlmaier das Ende seiner Nebenerwerbs-Landwirtschaft in Arzbach an.

Arzbach – Er ist einer der letzten seiner Art und steht heuer vor einem ganz besonderen Herbst. Blasius Bichlmaier hat zusammen mit seiner Frau Barbara ein Leben lang eine kleine Nebenerwerbs-Landwirtschaft betrieben. Mit inzwischen 85 Jahren denkt der „Blasi“ nun ans Aufhören. Eine etwas andere Erntedank-Geschichte.

65 Jahre lang hatte er ein großes Feld in der Ortsmitte von Arzbach gepachtet und dort Gras und Heu für seine Kühe und Jungrinder geerntet. „Damit ist jetzt Schluss“, erzählt Blasius Bichlmaier. Vor fünf Jahren hat er bereits die Milchviehwirtschaft aufgegeben und nur noch Kälber aufgezogen. In absehbarer Zeit sei vermutlich auch das zu Ende. Die Heu- und Silovorräte dieses Jahres reichen, um die eigenen vier Jungrinder und ab November vier weitere „Pensions-Tiere“ durch den Winter zu füttern. „Dann schaun wir mal, wie es weitergeht.“ Sein kleines hofeigenes Feld will er aber auf alle Fälle auch künftig noch bewirtschaften. „So lange die Gesundheit mitmacht.“

Der letzte Bauer seiner Art

Als Bichlmaier die kleine Landwirtschaft beim „Rieler“ von den Eltern übernahm, da gehörte noch fast zu jedem Anwesen ein Stall. Wer keine Kühe hatte, der hielt Ziegen, Schafe oder wenigstens Hühner. „Ich weiß nur drei Häuser, die damals ohne Landwirtschaft waren“, erinnert sich der rüstige Rentner. Heute ist er der letzte seiner Art. Freilich gibt es in der Umgebung etliche große Bauernhöfe. Aber die sogenannten „Kleinhäusler“ haben im Laufe der Jahre alle aufgegeben.

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Die tagtägliche Arbeit mit dem Vieh hat Bichlmaier schon in jungen Jahren gelernt. „Mit 12 Jahren bin ich als Hüterbub auf eine Alm gekommen“, erinnert er sich. Ab 14 war er dann landwirtschaftlicher Arbeiter. „Der Bauer, bei dem ich angestellt war, hat damals schon für mich in die Rentenkasse einbezahlt.“ So konnte er schon mit 60 Jahren in den Ruhestand gehen. In seiner Landwirtschaft aber hat er täglich angepackt. „Ich kann doch nicht nur rumsitzen.“

Der „Blasi“ war immer da, wenn er gebraucht wurde. Als vor 75 Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft seines Elternhauses die Arzbacher Filialkirche eingeweiht wurde, da war er bereits Ministrant. Später hat er dann als Totengräber geholfen. In den zwölf Jahren hat er für rund 140 Mitbürger das Grab am Friedhof ausgehoben – allein und von Hand nur mit Schaufel und Pickel. Bei dem teilweise lehmigen Untergrund war das oft eine stundenlange Plagerei.

Trommler und Feldgeschworener

48 Jahre ist er als Trommler im Wackersberger Tambourszug mitmarschiert. Nach einer Beinverletzung bei der Holzarbeit sei das Marschieren auf den Asphaltstraßen aber immer anstrengender geworden. Das Berggehen dagegen blieb seine große Leidenschaft. Mit den Zwillingsbuben seines Nachbarn ist er vergangenes Jahr noch auf einen 3000er gestiegen. In früheren Zeiten ist er oft schon lange vor der Dämmerung aufgebrochen, um auf einem Gipfel den Sonnenaufgang zu erleben. „Was kann es Schöneres geben…“

Seit Jahrzehnten ist Bichlmaier Feldgeschworener. „Das ist ein Ehrenamt auf Lebenszeit“, sagt er. Früher war er oft bei Grenzvermessungen im Wald mit dabei. Das geht nicht mehr so gut. Die schweren Grenzsteine im steilen Gelände zu tragen, sei ihm inzwischen zu beschwerlich. Seinen eigenen Wald bewirtschaftet er nach wie vor selbst. 60 Ster Scheiterholz sind allein vor dem Haus fein säuberlich aufgeschichtet und regensicher abgedeckt. „Wir heizen unser ganzes Haus nach wie vor mit Holz“. Deshalb achte er auch auf ausreichend Vorrat.

Demütig vor dem Erntedank-Fest

Dankbar ist Bichlmaier, dass die beiden Töchter und deren Familien immer mitgearbeitet haben, wenn er und seine Frau Hilfe brauchten. Ein Nachfolger für den „Rieler-Hof“ ist nicht in Sicht. Heute habe jeder seinen Beruf, sagt Bichlmaier. Der „Nebenbei-Bauer“ sei aus der Mode gekommen. Für die Landwirtschaft war heuer ein gutes Jahr, so Bichlmaiers Bilanz. „Es gab keine schweren Unwetter und keinen Hagelschlag – wie vor zwei Jahren.“ Das sollte man sich vor Augen halten, wenn es auf Erntedank zu geht. „Ich bin zufrieden, so wie es ist“, sagt er. „Wichtig ist, dass wir alle gesund bleiben.“