Mehr als satt: Was die italienische Küche ausmacht

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Kein Schicki-Micki: klassisch karierte Tischdecken und in der Küche kocht vermutlich noch die Nonna mit. © IMAGO/Gennaro Leonardi

Es gibt Länder, in denen man isst, um satt zu werden. Und es gibt Italien. Dort ist eine Mahlzeit keine Pflicht, sondern eine Institution.

Es braucht nicht viel. Eine Handvoll guter Tomaten, ein Schuss Olivenöl, ein paar Blätter Basilikum. Kein Tamtam, kein Schaum, keine Tellerakrobatik. Eine Portion Pasta al Pomodoro genügt, um zu zeigen, worauf es ankommt: Hingabe. In Italien liegt die Größe nicht im Aufwand, sondern in der Haltung. Die italienische Küche gibt sich nicht mit Spektakel ab. Ihre Stärke ist das Leise, das Unprätentiöse. Hier ist Essen keine Bühne, sondern ein Tisch. Und an diesem Tisch ist jeder willkommen, schreibt la-bella-vita.club.

La cucina povera – Die Eleganz der Einfachheit

Familienpicknick rustikal: Cavatelli mit Garnelen und Miesmuscheln aus dem Plastikteller.
Familienpicknick rustikal: Cavatelli mit Garnelen und Miesmuscheln aus dem Plastikteller. © IMAGO/katrinshine

Was heute in Gourmetrestaurants als „authentisch“ gefeiert wird, hatte seinen Ursprung in der Not. Die Cucina Povera – die „Küche der Armen“ – ist kein romantisches Konstrukt, sondern war Überlebensstrategie. Alte Brotreste, Hülsenfrüchte, einfaches Gemüse – was vorhanden war, wurde verwertet, kombiniert, veredelt. Dabei entstand etwas, das heute als Esskultur gefeiert wird. Gerichte wie Ribollita, eine toskanische Brotsuppe, oder Pasta e ceci – Nudeln mit Kichererbsen – erzählen nicht nur von Mangel, sondern auch von Kreativität. Von Menschen, die wussten, dass der Wert einer Mahlzeit nicht in ihrem Preis liegt, sondern im Wissen liegt, wie man daraus etwas Gutes macht. Heute spricht man neudeutsch von „Soul Food“. In Italien hat man nie etwas anderes gegessen.

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Laden Sie sich hier unseren kostenlosen Ratgeber als PDF herunter. © Ippen Media/Frank Brehm

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Kochen ohne Uhr, ohne Maß – aber mit Gefühl

In italienischen Küchen wird selten nach Rezept gekocht. Es wird probiert, gerochen, geschaut. Wer einer Großmutter beim Zubereiten der Tomatensauce zusieht, erlebt eine fast meditative Ruhe: Nichts wird überstürzt, nichts wird erzwungen. Es ist eine Mischung aus Handwerk und Intuition. Dieses Wissen ist kein Geheimnis, sondern ein Erbe. Es wird weitergegeben – von Generation zu Generation. Jede Region Italiens hat ihre eigene kulinarische Handschrift. Und fast jedes Dorf seine Spezialität, auf die es stolz ist. Essen ist Identität. So ist zum Beispiel die Emilia-Romagna für zahlreiche Spezialitäten bekannt.

View of Italian Bruschetta at restaurant in PorEin einfaches Tomatenbrot, das mit diesem Blick auf Ischia noch besser schmeckt. to d Ischia (Port of Ischia), Island of Ischia, Campania, Italy, Europe C
Ein einfaches Tomatenbrot, das mit diesem Blick auf Ischia noch besser schmeckt. © IMAGO

Gemeinsamkeit als Grundrezept

In Italien isst man selten allein. Selbst das einfachste Mittagessen wird zelebriert wie ein kleines Fest. Der Tisch ist ein Ort des Austauschs. Gespräche gehören genauso zum Mahl wie Brot und Wein. Das berühmte Sonntagsessen bei der Familie – „la domenica a pranzo“ – ist vielerorts immer noch ein heiliger Termin, bei dem das Handy beiseitegelegt und das Leben gekostet wird.

Saisonalität nicht als Tugend, sondern als Selbstverständlichkeit

Was andernorts als Food-Trend gefeiert wird, ist in Italien Alltag. Man kauft das, was gerade wächst – nicht aus Überzeugung, sondern aus Gewohnheit. Artischocken im Frühling, Pfifferlinge im Spätsommer, Kastanien im Herbst. Auch die Regionalität ist keine Marketingidee, sondern Realität. Die Malloreddus, die Gnocchi aus Sardinien schmecken anders als die Orecchiette, die Öhrchennudeln aus Apulien. Kulinarische Vielfalt ist Teil der nationalen DNA.

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Die Langsamkeit als Prinzip

Die Slow-Food-Bewegung, 1986 in Italien geboren, war kein Protest, sondern eine Erinnerung. Daran, dass Genuss Zeit braucht. Dass gute Produkte Pflege brauchen. Und dass echtes Essen nicht aus dem Karton kommt, sondern mit den Händen gemacht wird. Außerdem weiß der Metzger, wie die Kinder heißen. Die Käsehändlerin kennt den Unterschied zwischen jungem und gereiftem Pecorino – nicht, weil es auf der Verpackung steht, sondern weil sie ihn selbst probiert hat.

Und auch der Restaurantbesuch in Italien ist mehr als eine Mahlzeit: Hier kommen zehn Tipps, wie man nicht unangenehm auffällt – von Trinkgeld bis Cappuccino.

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