Klingbeil zieht, die SPD feiert

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SPD-Prominenz unter sich: Lars Klingbeil, Dieter Reiter, SPD-Ortsvorsitzender Dennis Behrendt, stellvertretende Landrätin Marianne Klaffki und Michael Schrodi (von links). © hab

Der politische Volksfestdienstag wurde in diesem Jahr zum Hochfest der Sozialdemokraten. Im vollen Festzelt läutete OB Florian Hartmann kämpferisch seinen Wahlkampf ein, Bundesfinanzminister Lars Klingbeil versprach anschließend Gerechtigkeit und Bürokratieabbau. 2000 Besucher sowie SPD-Granden wie Dieter Reiter und Franz Maget klatschten begeistert.

Dachau – Die bange Frage der vergangenen Wochen in der Dachauer SPD-Geschäftsstelle lautete: Zieht der Klingbeil? Schafft man es, mit dem 47-jährigen Niedersachsen, der aktuell einer 15-Prozent-Partei vorsteht, das Festzelt auf der Thomawiese zu füllen? Die Antwort lautete ganz eindeutig: ja!

Volles Zelt: Das Interesse am diesjährigen Volksfestdienstag, ausgerichtet von der Dachauer SPD, war – selbst für die SPD überraschend – riesig. „Der Klingbeil zieht“, lautete die Erkenntnis des Abends.
Volles Zelt: Das Interesse am diesjährigen Volksfestdienstag, ausgerichtet von der Dachauer SPD, war – selbst für die SPD überraschend – riesig. „Der Klingbeil zieht“, lautete die Erkenntnis des Abends. © hab

Begleitet von den Bergkirchner Musikanten zog Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil am Dienstagabend ins Zelt ein. Begleitet wurde er dabei von Dachaus OB Florian Hartmann und dem örtlichen Bundestagsabgeordneten Michael Schrodi, der unter Klingbeil als Finanzstaatssekretär dient. Auf den Bänken applaudierten begeistert überregional bekannte SPD-Haudegen wie Franz Maget und Dieter Reiter. Vertreter des Dachauer Kreis- und Ortsverbands kamen ebenso wie gut 2000 politisch interessierte Bürger aus dem ganzen Landkreis. Auch zahlreiche CSU-Vertreter saßen im Zelt. Zur Feindbeobachtung? „Nein, die SPD ist doch unser Koalitionspartner“, erklärte der stellvertretende CSU-Landrat Helmut Zech augenzwinkernd sein Interesse.

OB Florian Hartmann bei seiner Rede. Er warb sich um seine Wiederwahl im März.
OB Florian Hartmann bei seiner Rede. Er warb sich um seine Wiederwahl im März. © hab

Vor Klingbeil aber trat der Dachauer Oberbürgermeister ans Rednerpult. Seit elf Jahren sitzt der 38-Jährige fest im Rathauschef-Sattel, bei der kommenden Wahl im März will er zum zweiten Mal wiedergewählt werden. Für ihn, so betonte Hartmann, sei es nämlich „die allergrößte Ehre, weiterhin als OB dieser wunderbaren Stadt dienen zu dürfen“.

Doch Hartmann wollte es nicht dabei belassen, den Anwesenden seine Vorzüge gegenüber den Mitbewerbern aufzuzeigen. Er las auch der Berliner Politik – und damit seinem großen Vorsitzenden – die Leviten. So werde den Menschen in Deutschland „alle Jahre wieder, wenn Wahlkampf ist“, versprochen, dass man der „Bürokratie endlich entschlossen auf den Leib rücken“ werde. Und was passiere? „Gar nix. Im Gegenteil. Es wird immer schlimmer.“

Seit Jahren würde Deutschland mit Brandschutzvorschriften überzogen, die meinen ließen, „wir würden alle in mittelalterlichen Holzhütten leben“. Tatsächlich sei die Zahl der „wütenden Feuersbrünste“ hierzulande dann aber doch „überschaubar“.

Dann das deutsche Planungsrecht! So verhindere seit zehn Jahren eine Pflanze namens Kriechender Sellerie den Bau einer Auffahrtsrampe von der A 8 auf die B 471 (wir berichteten). Hartmann befürchtet, dass die einzige Chance für die Landkreisbürger, jemals über diese Rampe fahren zu können, die ist, „dass der Sellerie irgendwann von selber wegkriecht“.

Was sich die Berliner Koalition bei ihrer Arbeit daher unbedingt von Dachau abschauen sollte: dass auf der kommunalen Ebene noch miteinander geredet würde, dass man Kompromisse finde. Der OB nannte als Beispiele für selbstlose und ideologiefreie Stadträte Volker C. Koch (SPD), den „Ewigkeitsverkehrsreferenten“, der schon Verkehrsreferent gewesen sei, „da war das Rad noch gar nicht erfunden“, und Günter Dietz (CSU), den „herausragenden Sportreferenten“. Doch auch die übrigen Stadträte seien „pragmatisch und sachorientiert“ für ihre Heimatstadt im Einsatz. Darauf könne man stolz sein, Dachau stehe trotz der absolut unzureichenden Finanzausstattung deutscher Kommunen schuldenfrei da!

Weil Worte unter Umständen nicht reichen, überreichte Hartmann dem Finanzminister daher eine handfeste Erinnerung daran, dass die Berliner von ihren Milliarden vielleicht doch ein bisschen mehr abgeben an die Kommunen: eine Steuerbekanntmachung aus dem Jahr 1848.

Klingbeil freute sich – allerdings aus anderen Gründen. Sein Ministerbüro sei auch nach drei Monaten Amtszeit immer noch nicht eingerichtet. Das einzige, was an der Wand hänge, sei sein „gerahmtes und unterschriebenes Franz-Beckenbauer-Trikot“. Hartmanns Geschenk komme nun ganz sicher daneben!

Prost beinand! Die besten Sprüche

Was wäre eine Bierzeltkundgebung ohne knackige Sprüche? Eben. Hier eine Auswahl:

OB Florian Hartmann über die Gründe, warum auch OB Dieter Reiter kam: „Als Münchner will man halt auch mal auf ein gscheites Volksfest!“

Bundestagsabgeordneter Michael Schrodi über Bayerns Ministerpräsident: „Könnte man die Umfallgeschwindigkeit von Söder in Energie ummünzen, hätte Bayern kein Problem mit der Energiewende.“

OB Florian Hartmann über Dachaus größte Baustelle: „Das Hallenbad, das kriegen wir fertig, das verspreche ich Euch. Und ich werde im Hallenbad den ersten Sprung vom Ein-Meter-Brett machen!“

Lars Klingbeil über die Regeln bei Bierzeltreden: „Man soll sich nicht wichtig nehmen. Kein Problem für mich, ich bin ja nicht Markus Söder.“

OB Florian Hartmann über die Gründe, warum er in seiner Rede CSU-Politiker zitiert: „In Bayern zählt ein Argument nur, wenn es von der CSU kommt. Das muss man wissen, lieber Lars.“

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