Biomüll-Kontrollen: Ein Landkreis ist vorbildlich

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Ein Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs München kontrolliert eine Tonne für Biomüll auf Fremdstoffe. Im Landkreis Weilheim-Schongau ist das derzeit nicht nötig. © AWM/dpa

Derzeit beteiligen sich bundesweit rund 40 kommunale Abfallentsorger an der Kampagne „#wirfuerbio“ und kontrollieren – und sanktionieren –, ob zu viel falscher Abfall im Biomüll ist. Den Blick in die Tonne kann sich die EVA indes sparen: Die Verbraucher im Landkreis Weilheim-Schongau trennen sauber genug.

Seitdem am 1. Mai die Bioabfallverordnung novelliert wurde, gelten strengere Kriterien für Kompostierungsanlagen. Sie dürfen jetzt nur noch Biomüll annehmen, der zu maximal drei Prozent mit Fremdstoffen wie Metall, Aluminium oder Glas verunreinigt ist. Plastik darf nur noch ein Prozent des Gesamtgewichtes ausmachen. Andernfalls kann der Biomüll nicht kompostiert oder in grüne Energie umgewandelt werden. Stattdessen muss er als Restmüll teuer verbrannt werden. Das traf 2023 auf jede 20. Biotonne in Deutschland zu oder, anders gesagt, auf 230 000 Tonnen Biomüll, wie eine Umfrage des Vereins „wir für bio“ ergeben hat.

„In Weilheim müssen wir derzeit keine Kontrollen durchführen, da im Landkreis sauber getrennt wird und auch die neuen, strengeren Grenzen nicht gerissen werden“, erklärt Claudia Knopp, Abfallberaterin der Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungsgesellschaft (EVA). Zu den deutschlandweit 40 Kommunen, in denen der Biomüll dieser Tage genauer unter die Lupe genommen wird, zählt in der näheren Umgebung nur die Stadt Ebersberg.

Auch wenn in Weilheim-Schongau vergleichsweise wenig Fremdstoffe im Biomüll landeten, solle mit dem Thema „Richtig trennen“ äußerst sorgsam umgegangen werden, findet die Abfallexpertin. So gehören in den Biomüll ausschließlich organische Küchen- und Gartenabfälle, gern in eine (alte!) Tageszeitung gewickelt: Auch Papiertaschentücher, Küchenpapier oder Eierkartons aus Pappe saugen Feuchtigkeit auf und können ebenfalls in die Biotonne gegeben werden.

Jede Plastiktüte ist eine zu viel

Jede Plastiktüte im Biomüll sei indes eine zu viel, wie Knopp betont. „Plastik verrottet nicht, es gelangt als Mikroplastik in die Natur und letztendlich auch in unsere Nahrung.“ Zwar werde der angelieferte Biomüll aussortiert, allerdings händisch, und da blieben immer irgendwelche Plastikreste zurück. „Den matschigen, feuchten Biomüll mechanisch zu sortieren und Störstoffe herauszuholen, ist technisch kaum möglich“, erklärt die Abfallberaterin. Der Eintrag von Mikroplastik beim Ausbringen des kompostierten Biomülls in die Böden sei damit unvermeidbar.

Auch vor den sogenannten „biologisch abbaubaren“ Kaffeekapseln und Mülltüten warnen „wir für bio“ ebenso wie die EVA-Expertin. „Unter Laborbedingungen mag es stimmen, dass sich dieses Material in fünf Millimeter kleine Teilchen zersetzt“, sagt Knopp, „jedoch beträgt die Kompostierungszeit in der Praxis nicht zwölf Wochen wie im Labor, sondern lediglich vier. Alles andere wäre unnötig und damit teuer. Nach nur vier Wochen ziehen Sie aber auch eine angeblich abbaubare Plastiktüte wieder am Stück aus dem Kompost heraus.“

Batterien im Restmüll: Heuer schon 160 Brände bei der EVA

Problematisch sei außerdem, dass es anders als bei Bio-Lebensmitteln für Bio-Plastik keine DIN-Norm gebe, auf die sich der Verbraucher verlassen könne. „So wissen wir einfach nicht, ob das Stück Bio-Plastik biologisch abbaubar sein soll oder aus organischen Grundstoffen statt aus Erdöl gewonnen wurde und wenn ja, zu welchen Teilen.“

Verunsicherung herrsche bei den Verbrauchern auch häufig beim Thema „Batterien richtig entsorgen“, weiß Knopp. Auf keinen Fall sollten sie im Hausmüll landen, die Brandgefahr in den Deponien sei riesig. „In unserer Anlage hat es 160 Brände gegeben, innerhalb nur eines halben Jahres“, warnt die Abfallberaterin.

Vapes gehören nicht in den Restmüll

Besonders die stoßempfindlichen Lithium-Ionen-Batterien, wie sie etwa in E-Bikes verbaut werden, sind wortwörtlich brandgefährlich. „Jeder Fahrradhändler, der solche Akkus im Sortiment hat, ist zur Rückannahme verpflichtet. Wer seinen Akku entsorgen will, bringt ihn also einfach wieder zu seinem Händler zurück“, rät Knopp. Nachdem der Bundestag Mitte September das neue Batterie-Anpassungsgesetz beschlossen hat, sollen künftig aber auch kommunale Wertstoffhöfe verpflichtet werden, die E-Bike- oder E-Scooter-Batterien anzunehmen.

Auch was die beliebten Vapes angeht, sollen Händler per Gesetz verpflichtet werden, die elektronischen Zigaretten kostenlos zurückzunehmen. „Bis dahin gilt, dass Vapes, so wie viele Handy oder Tablets auch, aus denen man selbst die Akkus nicht entnehmen kann, ausschließlich in einen Sonderbehälter für Elektrokleingeräte entsorgt werden müssen“, erklärt die EVA-Expertin.

Braune Tonne: Top oder Flop

Erlaubt: Kaffeesatz, Teebeutel, Teeblätter, Brot-, Obst-, Gemüse-, Fisch- oder Fleischreste, Wurst, Käse und Pflanzenreste. Verboten: Kleintierstreu, Bambus-Produkte, Straßenkehricht, Windeln und Watte. Aufkleber und Etiketten bitte immer entfernen.

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