Jugendliche zu Wehr- und Dienstpflicht: „Die Kriege schrecken mich ab“

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Erding

Kommentare

Mit Blättern und Gras getarnt: So trainierten Wehrpflichtige 2005 bei den Panzergrenadieren mit ihren Waffen im Rahmen ihrer Grundausbildung in der Knüll Kaserne im hessischen Schwarzenborn. Solche Bilder wird es so schnell nicht geben, da die Bundeswehr ihre Kapazitäten stark abgebaut hat. © Frank May

In der Politik wird über die Rückkehr zur Wehrpflicht diskutiert. Gerade erst wurde das beim CSU-Parteitag gefordert. Was sagen Jugendliche aus dem Landkreis Erding dazu? Die Befragten sprechen sich durch aus für eine allgemeine Dienstpflicht aus. Zur Bundeswehr wollen sie aber nicht unbedingt. Die aktuellen Kriege machen einfach zu sehr Angst.

Die Bundesregierung hat 2011 die Wehrpflicht ausgesetzt, der Verteidigungsminister hieß damals Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). 13 Jahre später haben sich die sicherheitspolitischen Debatten grundlegend geändert, die Unionsparteien wollen den Beschluss zurückdrehen. Auf dem CSU-Parteitag wurde nun die Rückkehr zur Wehrpflicht gefordert, als erster Schritt hin zu einer allgemeinen Dienstpflicht für Männer und Frauen. Was sagen Jugendliche im Landkreis dazu?

Paul Venus fremdelt mit der Vorstellung, Teil der Bundeswehr zu werden, „da mir das mit der aktuellen politischen Lage zu heikel wäre. Ich würde dann eher ein Freiwilliges Soziales Jahr machen“, sagt der 16-jährige Schüler aus Berglern.

Freiwilliges Soziales Jahr als Alternative zum Wehrdienst

Grundsätzlich halte er den Vorschlag „für keine schlechte Idee. Man kann dort gute Grundlagen setzen, auch im Bereich Disziplin“, meint er. Eine Wehrpflicht dürfe man aber nicht ohne Arbeit im sozialen und gesellschaftlichen Bereich einführen, um die großen Personallücken etwa in Altenheimen zu schließen.

Carolina Krompass begrüßt das Konzept, ein Jahr verpflichtend für die Gesellschaft zu arbeiten. Sie hätte aber statt einer Wehrpflicht lieber ein soziales Jahr, bei dem man zwischen verschiedenen Berufen auswählen kann. „Bei der Bundeswehr im Sanitätsbereich – durchaus möglich“, meint die 16-Jährige aus Lohkirchen, „aber da es für mich zurzeit viel attraktivere Angebote gibt, schätze ich die Chancen, wirklich bei der Bundeswehr zu arbeiten, sehr gering ein“.

Magdalena Deutinger hält die manchmal geäußerte Meinung, junge Leute seien zu faul zum Arbeiten, für kein Argument für die Einführung der Wehrpflicht. „Sie kann aber durchaus sinnvoll sein. Neben den Erfahrungen, die man macht, sorgt sie auch für Zusammenhalt und Austausch unter jungen Menschen“, sagt die 16-jährige Erdingerin. Und sie selbst als Teil der Bundeswehr? „Theoretisch schon, aber wirklich in meine Auswahl habe ich das nie genommen. Allerdings würde ich dann im Labor arbeiten und nicht so als typischer Soldat. Das wäre für mich jetzt keine schöne Vorstellung.“

Die Schülerin meint auch, dass es Alternativen geben soll: insbesondere in sozialen Berufen. So könne dort auch der Fachkräftemangel bekämpft werden. „Außerdem sollte die Wehrpflicht für Männer und Frauen gelten, sonst können wir ja kaum von Gleichberechtigung sprechen.“

Der Erdinger Jan Libertin (16) findet, dass es neben der Wehrpflicht eine Option wie ein soziales Jahr geben müsse, „damit man nicht gezwungen wird, ins Militär einzusteigen, wenn man nicht will“.

Antonia Lanzinger hält dagegen nicht viel von der Wiedereinführung der Wehrpflicht zur jetzigen Zeit. Die Bundeswehr habe aktuell gar nicht die Infrastruktur, um alle jungen Menschen ab 18 zur Musterung einzubestellen. „Ich finde aber auch, dass unsere Bundeswehr verteidigungsfähig werden muss und nicht darauf hoffen kann, dass andere Staaten im Falle eines Angriffs bei der Verteidigung helfen“, sagt die 17-Jährige aus Eichenkofen.

Sie hält mehr von dem Prinzip einer allgemeinen Dienstpflicht: „Dort können sich die Männer und Frauen aussuchen, ob sie bei der Bundeswehr, einer Hilfsorganisation, der Feuerwehr oder anderen sozialen Einrichtungen ihren Dienst absolvieren.“ Dass sie selbst Teil der Bundeswehr sein könnte, darüber ist sich Lanzinger nicht sicher. „Einerseits finde ich es wichtig, sich für sein Land einzusetzen und einen Dienst an der Gesellschaft zu leisten. Andererseits schrecken mich die ganzen Kriege ab, da man im Ernstfall zur Waffe greifen müsste und ich das eigentlich nicht will.“

Magda Daimer

Auch interessant

Kommentare