Ärger über Doppelsperrung wirkt nach: „Geschockt, genervt und entsetzt“

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Der Dauerstau während der Bauarbeiten im August war jetzt im Rottacher Gemeinderat Thema. Künftig, so die einhellige Meinung, müssten Maßnahmen besser abgestimmt werden. © THOMAS PLETTENBERG

Die Zeit der Straßensperren, der Umleitungen und des Dauerstaus im Tegernseer Tal ist gerade vorbei, aber der Ärger wirkt nach. Zumal die nächsten Baustellen schon in Sicht sind.

Tegernseer Tal - Im Rottacher Gemeinderat forderte Anastasia Stader (CSU), aus „drei Wochen Desaster“ Lehren für die Zukunft zu ziehen. Ihre Ratskollegen trommelten beifällig auf den Tisch.

„Ich bin geschockt, genervt und entsetzt zugleich“, erklärte Stadler. Wie könne man nur die Bundesstraße aufreißen und gleichzeitig mit dem Bahnübergang Kaltenbrunn ein Nadelöhr dicht machen? Und dann noch eine Ampel aufstellen, die alles noch verschlimmere? Sie selbst sei stundenlang im Stau gestanden, berichtete die Betreiberin des Webermohofs, aber vor allem hätten Gäste befürchtet, gar nicht anreisen zu können. „Der Tourismus ist unsere Industrie“, erinnerte Stadler. Eine solche Verkehrsmisere wie die jetzt erlebte dürfe sich nicht wiederholen.

Heftige Kritik am Staatlichen Bauamt Rosenheim

Bei Bürgermeister Christian Köck traf sie damit einen Nerv. Er sieht die Verantwortung für die Doppelsperre beim Staatlichen Bauamt Rosenheim. Die Sanierung des Teilstücks der B 307 zwischen Seeglas und St. Quirin habe verzögert begonnen und wegen technischer Schwierigkeiten obendrein länger gedauert, meinte er. So sei es zur zeitlichen Überschneidung mit der Baustelle der Tegernsee Bahn in Kaltenbrunn gekommen. Die Bahn habe die Arbeiten nicht verschieben können. „Da geht‘s um Sicherheit.“

Offenbar, so Köck, sei es bei einer staatlichen Baustelle keine Option, auch mal samstags und nachts zu arbeiten oder „wenigstens nicht um 16 Uhr den Hammer aus der Hand fallen zu lassen“. Auch der Klimawandel mit zunehmend milden Wintern sei wohl unbemerkt geblieben, denn während die Gemeinde Rottach-Egern über den Winter den Rohbau für ihr Rathaus hingestellt habe, könne die staatliche Stelle nur im Sommer eine Straße bauen.

Das Pumpwerk des Abwasserzweckverbands wird 2026 saniert. Auch das bedeutet Verkehrsbehinderungen.
Das Pumpwerk des Abwasserzweckverbands wird 2026 saniert. Auch das bedeutet Verkehrsbehinderungen. © THOMAS PLETTENBERG

Mehr Kommunikation gefordert

In der Gesamtbetrachtung, so Köck, wünsche er sich von der Bayerischen Staatsregierung, dass sie ihre Behörden besser in den Griff bekomme. Die Abstimmung vor allem mit den Gemeinden müsse ernsthafter und seriöser erfolgen. Man könne eben nicht die Regionen in ganz Bayern nach Schema F beackern, sondern müsse örtliche Gegebenheiten beachten. Wer die Zahl der Urlauber und Tagesausflügler im August kenne, könne gar nicht auf die Idee kommen, Baustellen im Tal so zu planen wie geschehen. Das Beschwerdemanagement sei übrigens „zu 100 Prozent“ der Gemeinde zugefallen, als Unbeteiligte.

„Aber es hilft nichts, wenn ich jetzt im Alleingang einen Wutbrief schreibe“, erklärte Köck. Er plädiere für eine gemeinsame Forderung der Tal-Bürgermeister an die zuständigen Stellen, bei solchen Maßnahmen künftig sensibler vorzugehen.

Die nächste Sperrung steht bevor: Wie berichtet, wird vom 13. bis zum 24. Oktober der Gmunder Berg wegen einer Fahrbahnsanierung gesperrt, wobei der Kreuzungsbereich offenbleibt. Die Umleitung erfolgt über Kreuzstraße.

2026 sollen die Arbeiten an der B 307 weitergehen. Bisher ist nur ein Teilabschnitt zwischen Seeglas und St. Quirin erledigt, was daran liegt, dass ursprünglich das Hebewerk des Abwasserzweckverbands Tegernseer Tal auf Höhe des Buchbergwegs in St. Quirin erneuert werden sollte. Die Arbeiten hätten jetzt beginnen und bis Weihnachten dauern sollen, Verkehrseinschränkungen inklusive. Aber: Sie finden heuer nicht statt, aus finanziellen Gründen. Die Ausschreibung habe völlig überteuerte Angebote gebracht, berichtet Markus Strohschneider, Technischer Leiter des Abwasserzweckverbands. Dreimal so hoch wie erwartet wären die Rechnungen der Spezialfirmen ausgefallen, wenn sie den Auftrag erhalten hätten. „Das können wir den Gebührenzahlern nicht zumuten“, erklärt Strohschneider.

Sanierung des Hebewerks erst im kommenden Frühjahr

Jetzt wird neu ausgeschrieben. Die Hoffnung ist, im März 2026 mit der überfälligen Sanierung des Hebewerks beginnen zu können. Dies soll nicht mit einer Vollsperrung verbunden sein. Um den Verkehr möglichst wenig zu behindern, so Strohschneider, wolle man die Bundesstraße übergangsweise so verbreitern, dass die Baustelle umfahren werden kann.

Unterdessen muss das Staatliche Bauamt die Sanierung der B 307 zwischen dem Buchbergweg und der Hochfeldstraße in Tegernsee vorantreiben. Zuletzt war von entsprechenden Bauarbeiten im Sommer 2026 die Rede, die Planung läuft.

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