Der Maierhof des Kloster Benediktbeuern hat mit seinen 307 Jahren eine bewegte Geschichte. Diese machten drei Volontärinnen des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK) sicht- und lesbar.
Benediktbeuern - Für die drei 19-jährigen Volontärinnen Mira Eberhardt (aus Esslingen), Jannina Fischer (Leinfelden) und Emily Späth (Kaufbeuren) endete nun ihre freiwilliges Jahr im Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) im Kloster Benediktbeuern. Das Trio hat etwas bleibendes hinterlassen: elf Infotafeln mit Texten und Fotos zur Geschichte des Maierhofs im Kloster. Geschaffen in einem besonderen Projekt. Aufgehängt im viel benutzten Gang zur neuen ZUK-Kapelle.
In ihrem sozialen Jahr recherchierten drei ZUK-Volontärinnen zu einem Info-Projekt über den Maierhof des Kloster Benediktbeuern
Im Jahr 2018 feierte der Maierhof des einstigen Benediktiner-Klosters – 1930 hatte die Ordensgemeinschaft der Salesianern Don Boscos das Klostergebäude einschließlich landwirtschaftlicher Flächen vom Staat erworben – sein 300-jähriges Bestehen. Der prächtige Ökonomiebau, auch als „Palast der Kühe“ bezeichnet, galt als Vorzeigebetrieb klösterlicher Landwirtschaft.
Die barocke Hofanlage wurde 1708 bis 1718 unter Benediktiner-Abt Magnus Pachinger errichtet. Nach der Säkularisation 1803, als das Kloster Benediktbeuern aufgelöst wurde, trat der Maierhof eine bewegte Reise an – von Militär-Nutzung über Sträflingsarbeit im Moor, Heeresverwaltungsschule von 1941 bis 1945, Kriegsgefangenenunterkunft in der NS-Zeit und Reservelazarett zum Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gründung des ZUK im Jahr 1988 durch die Salesianer.
Feldkreuz brachte zu der Idee
Auf die Idee zu dem Geschichtsprojekt kamen die drei Volontärinnen durch ein Kreuz. Genauer gesagt durch das eindrückliche Feldkreuz im Klosterland an der Loisach, dass Jannina Fischer bei einer Radtour entdeckte. Volontärin Fischer wollte mehr über die Hintergründe wissen – und merkte, dass zu dem Thema im Internet „gefühlt gar nichts da ist“, wie sie erzählt. Die Volontärin trug ihre Idee für ein Geschichtsprojekt im ZUK vor und erntete begeisterte Zustimmung. In Mira Eberhardt und Emily Späth fand sie Gleichgesinnte.
Suche im Archiv
Auf dem Klostergelände gebe es ja viele Infotafeln, meint Eberhardt, aber just zum Maierhof „findet man nicht viel“. Die Drei machten sich an die Arbeit. Zusätzlich zu ihrer Tätigkeit als ZUK-Volontäre, die von Umweltbildung über Arbeiten im Haus bis Landwirtschaft reicht. Alle zwei Wochen am Donnerstagnachmittag recherchierten sie. „Es war ungewohnt wieder in das Archiv zu gehen“, lacht Eberhardt, „aber im Internet findet man total wenig.“
Die Mühen haben sich gelohnt. „Man kriegt einen anderen Blickwinkel, wenn man weiß, was hier alles passiert ist“, bilanziert Späth mit Blick auf die 300-jährige bewegte Historie des Maierhofs. „Er ist unfassbar geschichtsträchtig“, ergänzt Fischer. „Es ist einfach unglaublich.“
Späth hat im Hinblick auf die landwirtschaftliche Nutzung des Gebäudes auch beeindruckt, „dass es hier so viel Tiere gelebt haben“. Etwa 95 Pferde und mehr als 300 Runder waren einst in den großen Stallungen des Klosters mit ihren dreischiffigen Säulenhallen untergebracht.
Projektergebnisse sollen auf Homepage
Von ZUK-Leiter Benedikt Hartmann („Die Volontäre sind unser Herz“) gibt es ein dickes Lob für die drei 19-Jährigen. „Sie haben viel Zeit und Mühe in die Geschichte vom Maierhof rein investiert.“ Es habe sich um keine Pflichtaufgabe gehandelt, betont er. „Das war wirklich Interesse.“ Die kleine Infoausstellung wurde, weil der Westtrakt noch Baustelle ist, eigens im Verwaltungstrakt aufgehängt. Dort sollen die Tafeln wohl auch bleiben. „Angedacht“ ist laut Hartmann ebenfalls, die Projektergebnisse im nächsten Jahr auf die neue Homepage zu stellen.
Die drei Volontärinnen haben sich mit ihrem Projekt eine bleibende Erinnerung geschaffen. Sie wollen nach dem Ende ihres freiwilligen Jahres das ZUK weiter besuchen, versichert Jannina Fischer. Und sich dann stolz ihre Infotafeln anschauen.
Sträflinge schufteten
Auch die Frage nach dem Gedenkkreuz an der Loisach wurde im Zuge der Recherchen beantwortet. Insgesamt 50 Häftlinge aus dem Zuchthaus Straubing waren in der Zeit von 1900 bis 1929 im Maierhof untergebracht, sie leisteten schwere Arbeit im Moor, weiß Fischer jetzt. Damals wurden die Moor extra mühsam entwässert, um die Flächen zu nutzen – „wir machen es wieder rückgängig“, meint Fischer nachdenklich mit Blick auf die ökologische ZUK-Umweltarbeit. „Das ist schon krass.“
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