Lange Jahre war Karl Ecker Bürgermeister von Au und Kreisrat im Freisinger Kreistag. Am Montag ist er mit nur 61 Jahren gestorben.
Au/Hallertau – 24 Jahre lang lenkte Karl Ecker (FWG) die Geschicke des Markts Au, prägte seit 1996 als Rathauschef das Geschehen in der Marktgemeinde Au in der Hallertau. Im Jahr 2020 trat er zur Wahl nicht mehr an, zog sich aus der vordersten Reihe der Kommunalpolitik zurück, fungierte noch als Vertreter der Freien Wähler im Kreistag, dem er seit 2002 angehörte. Jetzt trat der Mann, der über seine Heimatgemeinde hinaus seine Spuren hinterlassen hat, von der Bühne des Lebens. Nach schwerer Krankheit starb der frühere Auer Bürgermeister in der Nacht zum Montag.
Karl Ecker erblickte am 25. Mai 1963 in Mainburg als Sohn des Holzkaufmanns Karl Ecker und der Hausfrau Elfriede Ecker das Licht der Welt, wuchs zusammen mit seiner jüngeren Schwester Brigitte und seiner älteren Schwester Gaby in Au auf. Nach der Volksschule und der Wirtschaftsschule in Freising besuchte er die Holzfachschule in Rosenheim, arbeitete von 1980 bis 1990 im elterlichen Sägewerk und erlangte über Telekolleg II die Fachhochschulreife.
Jüngster Bürgermeister in ganz Bayern
1996 ist dann das Jahr, das alles verändern sollte: Im ersten Wahlgang erreichte er, für die Freien Wähler ins Rennen gegangen, 56,4 Prozent, löste Adolf Widmann als Rathauschef ab, zog mit 32 Jahren als Ortschef in das Rathaus der Marktgemeinde Au ein und war damit der jüngste Bürgermeister in Bayern. Zuvor war er bereits zwölf Jahre Gemeinderat gewesen.
In 24 Jahren als Rathauschef schob Ecker prägende Veränderungen in seiner Heimatgemeinde an. Dazu zählen der Bau der Ortsumgehung und auch die Ansiedelung der Abenstal-Realschule, für die es zwei Tugenden brauchte, die Karl Ecker auszeichneten: Geduld und Hartnäckigkeit. Unter seiner Regie wurden in Au auch der Marktplatz, eine Kinderkrippe und die Hopfenlandhalle errichtet sowie alle Planungen und Vorbereitungen für die Städtebausanierungsmaßnahmen an der Ortsdurchfahrt getroffen. Der Umbau und die Renovierung des denkmalgeschützten Rathauses wurden maßgeblich von ihm vorangetrieben, ein weiterer Meilenstein seines Wirkens war der Auf- und Ausbau eines Gewerbegebiets.
Eckers Steckenpferd waren die Finanzen. Gerne betonte er, dass er Bürgermeister und Kämmerer in einer Person sei. Die immer weiter zunehmende Bürokratie im Land und in vielen Lebensbereichen fand er lähmend, machte ihm den Abschied vom Chefsessel im Rathaus etwas leichter.
„Blicke auf eine schöne Amtszeit zurück“
Er war einer, der sein Amt mit viel Sachverstand, aber auch mit Emotionen ausübte, einer, der sich auch gerne unter das Volk mischte und nah dran war an „seinen“ Bürgern. Die Verleihung der kommunalen Verdienstmedaille in Silber durch Innenminister Joachim Herrmann war die Anerkennung all seiner Leistungen.
Nach seinem Rückzug als Bürgermeister nahm er eineinhalb Jahre später noch einmal einen neuen Anlauf in der Politik: Karl Ecker war Direktkandidat für die Freien Wähler im Wahlkreis 214 für die Bundestagswahl am 26. September 2021, schaffte den Sprung nach Berlin allerdings nicht. Und so widmete sich Ecker verstärkt seinen Hobbys, für die er bis dahin zu wenig Zeit hatte.
„Vor allem das Radfahren macht mir großen Spaß. Hatte ich in den letzten zwei Arbeitsjahren nur 79 Kilometer zurückgelegt, so habe ich in den letzten Monaten rund 1500 Kilometer geschafft. Außerdem lese ich sehr viel und beschäftige mit intensiv mit den Lehren von Kneipp und Hildegard von Bingen“, verriet er dem Tagblatt kurz nach Ende seiner Bürgermeisterzeit.
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Und noch etwas war ihm wichtig: „Niemand hat mich aus dem Amt gedrängt. Ich blicke auf eine schöne und ausgefüllte Amtszeit zurück und bin vor allem dankbar, dass ich diese Zeit so gut erleben und überstehen durfte.“
Betroffenheit bei Freunden und Rivalen
In Au löste die Nachricht von Eckers Tod große Betroffenheit aus. Landrat und Parteifreund Helmut Petz würdigte ihn als „eine der ganz großen Persönlichkeiten der Kreispolitik des Landkreises Freising“. Auch politische Rivalen drückten ihr Bedauern aus. So sagte GOL-Markträtin Barbara Prügl, die 2014 gegen ihn angetreten war: „Auf persönlicher Ebene hätte ich ihm gewünscht, dass er seinen Ruhestand genießen kann nach den langen Jahren, die er sich für den Markt Au eingesetzt hat.“