Warum der Schutz vor RSV jetzt doppelt wichtig ist

Mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland plagen sich derzeit mit einer Erkältung herum. Rhino- und Coronaviren dominieren derzeit das Infektionsgeschehen, doch auch die Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) nehmen langsam zu – gleichwohl sie sich noch auf einem niedrigen Niveau bewegen.

Dänische Forscher untersuchen Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko nach RSV-Infektion

Dennoch ist auch vor diesem Virus, das ansteckender als Grippe ist, Vorsicht geboten. Das zeigt eine Studie von Forschern der University of Copenhagen, die nun im Fachmagazin "Jama Open Network" veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler um Anders Hviid hatten untersucht, inwiefern eine RSV-Infektion bei Erwachsenen das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung erhöhen kann.

Dafür untersuchten sie die Daten von 17.494 Probanden über 45 Jahren, die in dänischen Gesundheitsregistern hinterlegt waren. Dann bildeten die Wissenschaftler Paare, um das unterschiedliche Risiko, eine Herzerkrankung zu entwickeln, einschätzen zu können. 

Jedem Studienteilnehmer, der in den vergangenen fünf Jahren eine nachgewiesene RSV-Infektion hatte, ordnete das Forscherteam deswegen eine Person gleichen Geschlechts, Alters und mit denselben Vorerkrankungen zu, die nicht an RSV erkrankt war.

Ein Jahr nach Infektion stieg Risiko für mehrere kardiovaskuläre Ereignisse

Nach einem Beobachtungszeitraum von genau 365 Tagen stellten die Forscher schließlich fest, dass bei 665 von 8747 Probanden mit vorheriger RSV-Infektion eine Erkrankung des Herz-Kreislaufs-Systems aufgetreten war. Bei den Studienteilnehmern, die sich nicht infiziert hatten, waren es 257. 

Eine RSV-Infektion erhöhte demnach das Risiko für

  • Herzrhythmusstörungen (Anzahl der Fälle bei RSV-Infizierten: 383, bei Nicht-Infizierten: 138)
  • Herzversagen (197 zu 81)
  • Schlaganfall (84 zu 42)
  • ischämische Herzkrankheit (46 zu 15)
  • venöse Thromboembolie (42 zu 19)

Bei der entzündlichen Herzerkrankung gab es zwischen den beiden Gruppen keine Unterschiede.

Doch warum können RSV-Viren überhaupt zu Herzerkrankungen führen? Wenn ein Infekt nicht richtig auskuriert wird, können die Viren auf das Herz, insbesondere den Herzmuskel, übergreifen und dort Entzündungen verursachen. In der Folge kann das Herz nicht mehr richtig Blut pumpen und die Herzmuskelzellen werden langsam zerstört.

Wer am stärksten betroffen war

Am anfälligsten für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung waren demnach RSV-Patienten, die

  • wegen ihrer Infektion ins Krankenhaus kamen
  • ein hohes Alter hatten (zwischen 85 und 94 Jahren)
  • eine zugrundeliegende kardiovaskuläre Krankheit aufwiesen
  • und Diabetes hatten.

"Wir haben herausgefunden, dass RSV-Infektionen mit einem statisch signifikanten und klinisch bedeutendem Anstieg des absoluten Risikos für kardiovaskuläre Ereignisse verbunden sind, auch über die akute Phase hinaus, vergleichbar mit dem Risiko bei Grippe-Infektionen", schreiben die Forscher in ihrer Studie. 

"Diese Ergebnisse unterstreichen die Relevanz von RSV als potenzieller Risikofaktor für kardiovaskuläre Morbidität und verdeutlichen die Notwendigkeit einer Impfung, um diese Belastung zu mindern."

Wie Sie sich vor RSV schützen

Seit 2024 empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) allen ab 75 Jahren eine einmalige RSV-Schutzimpfung. Auch wenn man jünger ist, kann der Piks sinnvoll sein. So rät die Stiko allen Personen ab 60 Jahren,

  • die in Pflegeeinrichtungen leben oder
  • schwere Grunderkrankungen haben, dazu zählt etwa ein Diabetes mellitus mit Komplikationen oder eine schwere koronare Herzkrankheit,

zur Impfung.

Wer sich fragt, ob eine Impfung für ihn oder sie sinnvoll sein könnte, lässt sich am besten in der Hausarztpraxis beraten. Fällt man unter die Stiko-Empfehlung, trägt die Krankenkasse die Kosten dafür. 

Übrigens: Auch wenn die Erkältungszeit schon in vollem Gange ist, ist es noch nicht zu spät für den Piks, auch wenn der optimalerweise vorher passiert sein sollte.

Der Unterschied zur Grippeschutzimpfung, die jedes Jahr aufs Neue fällig ist: Die RSV-Schutzimpfung wird nach derzeitiger Empfehlung nur einmal verabreicht. Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) weisen darauf hin, dass die Impfung mindestens zwei Jahre lang effektiv sei, möglicherweise sogar länger.

  • Um das Risiko zu verringern, sich und andere über eine Schmierinfektion mit Krankheitserregern anzustecken, sollten Sie regelmäßig und gründlich die Hände waschen . Außerdem sollten Sie vermeiden, sich mit ungewaschenen Händen ins Gesicht zu fassen.
  • In geschlossenen Räumen können Sie durch regelmäßiges Lüften (Stoßlüften) das Risiko für eine Übertragung von Atemwegserregern verringern. Erkrankte sollten eine Maske zum Fremdschutz tragen, insbesondere, wenn sich ein Kontakt mit einer Person aus einer Risikogruppe nicht vermeiden lässt.
  • Bei Erkrankungswellen, wenn viele Viren im Umlauf sind, kann in Innenräumen ein korrekt getragener Mund-Nasen-Schutz eine Möglichkeit bieten, sich selbst vor Ansteckung zu schützen. Insbesondere, wenn Sie zu einer Risikogruppe mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für einen schweren Krankheitsverlauf gehören, sollten Sie das Tragen einer Maske zum Selbstschutz in Betracht ziehen.
  • Wenn Sie an einer Atemwegsinfektion erkrankt sind, sollten Sie nach Möglichkeit drei bis fünf Tage und bis zur deutlichen Besserung der Beschwerden zu Hause bleiben. Während dieser Zeit sollten Sie direkte Kontakte zu anderen möglichst vermeiden , vor allem zu Personen, die ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben (zum Beispiel Ältere, Menschen mit Vorerkrankung oder Immunschwäche, Schwangere).
  • Achten Sie auf die Husten- und Niesregeln . Dazu zählt, beim Husten und Niesen ein Taschentuch zu verwenden oder die Armbeuge vor Mund und Nase zu halten und sich von anderen abzuwenden.

Woran Sie eine RSV-Infektion erkennen

RSV zählen zu den bedeutendsten Erregern von Atemwegsinfektionen bei Säuglingen, insbesondere bei Frühgeborenen und Kleinkindern, schreibt das RKI. Eine Erkrankung dauert meist drei bis zwölf Tage.

Symptome: In der Symptomatik ähneln RSV-Infektionen der Influenza. So können

  • Halsschmerzen
  • Fieber
  • Heiserkeit
  • Husten
  • Atemnot
  • Kopfschmerzen
  • Schnupfen
  • starke Schleimbildung
  • beschleunigte Atmung
  • Rasselgeräusche beim Atmen

auftreten.

Bei Säuglingen kann sie sich jedoch in den ersten Lebensmonaten als

  • Bronchiolitis (häufigste Atemwegsinfektion bei Säuglingen)
  • Pneumonie oder
  • Tracheobronchitis (gleichzeitige Entzündung der Schleimhäute in der Luftröhre und den luftleitenden Anteilen der Lunge)

äußern.

Rund fünf Prozent entwickeln zudem keuchhustenähnliche Symptome. Auch Fieber kommt häufig vor.

Inkubationszeit: Die Inkubationszeit beträgt zwei bis acht Tage (durchschnittlich fünf Tage).

Dauer und Ansteckung: „RSV-infizierte Personen können schon einen Tag nach der Ansteckung und noch vor Symptombeginn infektiös sein“, schreibt das RKI. Die Dauer der Ansteckungsfähigkeit betrage in der Regel drei bis acht Tage und klinge bei immunkompetenten Patienten meist innerhalb einer Woche ab. Frühgeborene, Neugeborene, immundefiziente oder immunsupprimierte Patienten könnten das Virus jedoch über mehrere Wochen, im Einzelfall über Monate ausscheiden.

mit dpa

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