Im November 2025 ging die Nachricht um, dass in Tschechien vermehrt Infektionen mit dem Hepatitis-A-Virus auftreten. Die Behörden reagierten und erhöhten die Hygienemaßnahmen, in Prag wurden zum Beispiel öffentliche Desinfektionsmittelspender aufgestellt. Außerdem gibt es eine Aufklärungskampagne und Impfaktionen.
Die Hoffnung, die Virusverbreitung so stoppen zu können währte allerdings nur kurz. Denn jetzt, Wochen nach dieser Nachricht, zeigt sich: Die Infektionszahlen bleiben trotz der Hygienemaßnahmen weiterhin hoch. Seit Beginn des Jahres haben sich in Tschechien nun schon fast 2900 Menschen mit der Infektionskrankheit angesteckt, mindestens 31 Personen sind daran verstorben.
"Wir befinden uns in einer Phase der Epidemie, bei der die Fallzahlen immer noch ansteigen. Den Höhepunkt haben wir noch nicht erreicht", warnt Kateřina Fabiánová, Epidemiologin am tschechischen Staatlichen Gesundheitsamt bei der Tagesschau.
Auch Orte an der deutschen Grenze sind betroffen
In Tschechien sind die Hauptstadt Prag und umliegende Regionen betroffen. Auch in direkter Nähe zur deutschen Grenze – etwa im Skiort Boží Dar (deutsch: Gottesgab) – ist die Inzidenz hoch, wie aus einer Karte des Gesundheitsamts hervorgeht. Boží Dar ist nur wenige Kilometer vom ebenfalls von vielen deutschen und tschechischen Urlaubern frequentierten Oberwiesenthal in Sachsen entfernt.
Hepatitis A ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen
Hepatitis A ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die eine Leberentzündung verursacht. Die Viren verteilen sich anders als etwa Erkältungsviren nicht über die Luft, sonder primär durch Schmierinfektionen, zum Beispiel über
- Lebensmittel,
- Oberflächen,
- und Hände.
Ein entscheidender Faktor spielt demnach unzureichende Hygiene. Bevölkerungsgruppen, die keinen oder nur begrenzten Zugang zu sauberen Sanitäreinrichtungen, fließendem Wasser und Hygieneprodukten haben, sind besonders gefährdet.
So begann die Erkrankungswelle in Tschechien Anfang 2025 zunächst unter
- Wohnungslosen und
- Alkohol- und Drogenabhängigen.
Man versuche daher Risikogruppen, darunter in Zusammenarbeit mit Sozialdiensten und Notunterkünften, vermehrt zu testen und zu unterstützen, erläutert das Staatliche Gesundheitsamt gegenüber FOCUS online. Impfungen seien für besonders vulnerable Gruppen mittlerweile kostenfrei erhältlich.
Der Großteil der landesweiten Infektionen (etwa 75 Prozent) gehe jedoch nicht auf Risikoverhalten wie etwa Obdachlosigkeit, Alkohol- oder Drogensucht zurück. Das zeigt sich deutlich am Beispiel der Hauptstadt Prag, wo im November insgesamt 228 neu aufgetretene Hepatitis-A-Fälle gemeldet wurden. "Davon traten 31 Fälle bei Obdachlosen auf, von denen sieben eine Vorgeschichte mit intravenösem Drogenkonsum hatten."
Das Problem betrifft längst nicht mehr nur Risikogruppen, sondern ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Die Viren lauern zwischen Bratwurst und Glühwein
Wie bei anderen Infektionskrankheiten auch, fühlen sich die Viren genau dort besonders wohl, wo viele Menschen aufeinandertreffen – zum Beispiel auf dem Weihnachtsmark. Besonders der berühmte Markt am Altstädter Ring in der Prager Innenstadt, dem "Staroměstské náměstísei", berge Infektionspotenzial. Jedes Jahr zieht es tausende Einheimische und Touristen zu dem Weihnachtsmarkt, der als einer der schönsten Europas gilt.
Gegenüber FOCUS online bestätigte das Staatliche Gesundheitsamt, man habe sich bereits an den "Verband der Städte und Gemeinden der Tschechischen Republik gewandt, um das Bewusstsein für Hepatitis A im Zusammenhang mit Weihnachtsmärkten zu schärfen". Denn die Viren seien sehr widerstandsfähig und würden lange überleben, insbesondere in kalten und feuchten Umgebungen. Auf den Weihnachtsmärkten stünden deswegen Desinfektionsstationen und Informationsmaterialien zur Prävention zur Verfügung.
Zuletzt hatte sich die Zahl der Neuinfektionen mit Hepatitis A zumindest in der Hauptstadt Prag etwas stabilisiert. In der ersten Dezemberwoche seien nur 40 neue Fälle gemeldet worden, berichtet das Staatliche Gesundheitsamt. Ob die behördlichen Hygienemaßnahmen auf dem Weihnachtsmarkt genügen, damit es dabei bleibt, ist jedoch fraglich.
Denn wie ARD-Korrespondent Danko Handrick aus Prag für die Tagesschau berichtet, greifen Besucher "mit bloßen Händen in Tüten voller Kartoffelspiralen, wischen sich den Mund ab oder wärmen die Finger am Glühweinbecher. Die Desinfektionsflaschen bleiben meist unbeachtet – irgendwo zwischen Kerzen, Kassen und Lichterketten."
Neben den gängigen Hygienemaßnahmen empfehlen sowohl das Staatliche Gesundheitsamt als auch die Ständige Impfkommission (STIKO) daher eine Impfung gegen die Viren, vor allem für Reisende in Regionen mit hoher Hepatitis-A-Prävalenz, wie momentan Tschechien.
So erkennen Sie eine Hepatitis-A-Infektion
Wie groß das Ausmaß der Hepatitis-A-Welle ist, wird sich erst in einigen Wochen zeigen: Immerhin kann es zwischen 15 und 50 Tagen dauern, bis Infizierte erste Symptome bemerken. Dazu zählen:
- Abgeschlagenheit,
- Appetitlosigkeit,
- Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
- Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen
- Bauchschmerzen oder -beschwerden, insbesondere im rechten Oberbauch über der Leber
Im weiteren Krankheitsverlauf färbt sich der Urin häufig dunkel, der Kot dafür hell. Haut und Augen nehmen darüber hinaus eine gelbliche Farbe ah und jucken.
Je nach Schwere der Infektion können die Symptome innerhalb weniger Wochen von allein abklingen. In schweren Fällen kann eine Infektion aber auch zu Leberversagen führen. Daher sollten die Symptome ärztlich abgeklärt werden.