Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana prüft Dachau seine Sicherheitsstandards. Die Stadt kontrolliert Gaststätten regelmäßig.
Nach der fürchterlichen Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana, bei der in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben kamen und über 100 weitere teils schwer verletzt wurden, stellen sich auch in Dachau viele Bürger die Frage: Könnte eine derartige Katastrophe auch in den Bars und Restaurants der Großen Kreisstadt passieren? Die Heimatzeitung hat nachgefragt.
Wie mittlerweile feststeht, hatte in Crans-Montana ein Tischfeuerwerk die Decke des Raums, der mit Schaumstoff gedämmt war, in Brand gesetzt. Moritz Reinhold, Leiter des Stadtbauamts und damit oberster Brandschützer der Großen Kreisstadt, sieht in diesem „leicht entflammbaren Baustoff“ die Ursache der Katastrophe, wie er auf Nachfrage erklärt. In Bayern – „und vermutlich auch in ganz Deutschland“ – sei der Einsatz solcher Schaumstoffverkleidungen denn auch verboten. Zu groß sei die Gefahr der „Brandentstehung und Brandausbreitung“.
Doch nicht nur das Dämmmaterial war ein Problem in dem Schweizer Skiort. Wie ein Verantwortlicher am Dienstag einräumte, soll es in dem Lokal auch jahrelang keinerlei Kontrollen gegeben haben. „Wir bereuen das bitterlich“, so Gemeinderatspräsident Nicolas Féraud aus Crans-Montana.
Ein solches Versäumnis hätte es in Dachau nicht gegeben
Bauamtsleiter Reinhold sieht auch darin ein Versäumnis, das in dieser Form in Dachau wohl nicht hätte passieren können. Zwar verweist Reinhold explizit auf die Eigenverantwortung der Gaststättenbetreiber beziehungsweise der Eigentümer eines Gaststättengebäudes, die „baurechtlichen Vorschriften“ auch wirklich einzuhalten. Doch auch die Stadt nimmt ihre Verantwortung als sogenannte Untere Bauaufsichtsbehörde ernst.
Brandschutz funktioniert nach den Worten Reinholds durch ein Zusammenspiel aus Bauaufsicht, Feuerwehr und regelmäßigen Kontrollen. So gebe es bei Gaststättenbetrieben drei Fälle zu unterscheiden. Bei Versammlungsstätten für mehr als 200 Besucher „hat die Stadt diese in Zeitabständen von höchstens drei Jahren zu überprüfen“. Hier gilt also die Versammlungsstättenverordnung.
Brandschutz ist ein Zusammenspiel aus Bauaufsicht, Feuerwehr und Kontrollen
Dann gibt es Reinhold zufolge den Fall eines „Sonderbaus im Sinne der Bayerischen Bauordnung“, also Gaststätten mit „mehr als 60 Gastplätzen beziehungsweise 100 Gastplätzen, soweit sie ausschließlich erdgeschossig sind“. Hier gilt nach den Worten des Bauamtsleiters das Prinzip der „kommunalen Feuerbeschau“. Konkret bedeutet das: „Es gibt keine festgelegten Fristen. Die Prüfung liegt im Ermessen der Gemeinde. Das Stadtbauamt kontrolliert hier aber in Abständen von drei bis fünf Jahren oder dann, wenn konkrete Anhaltspunkte auf erhebliche Gefahren hinweisen.“
Der dritte Fall fällt in keine der beiden ersten Kategorien. Der Gesetzgeber, so Reinhold, sieht hier „nach erteilter Baugenehmigung keine Prüf- oder Kontrollfristen durch die Kommune oder die Untere Bauaufsichtsbehörde vor“. Allerdings, das ist dem Fachmann wichtig zu betonen, werde die Stadt „natürlich tätig, wenn sie Kenntnis über baurechtswidrige Zustände, insbesondere bei Gefahr für Leib und Leben, erlangt“. Hinzu kommt: Die Baugenehmigung wird auch nur erteilt, wenn der Bauherr den entsprechenden Brandschutz nachweisen kann. Der Einsatz brennbarer Baustoffe – hier schließt sich der Kreis – machen eine Baugenehmigung in der Großen Kreisstadt unmöglich.
Auch wenn Reinhold daher nicht explizit sagen will, dass sich das „traurige“ Ereignis in der Schweiz hierzulande sicher nicht wiederholen kann, scheint es zumindest unwahrscheinlicher. Denn wie man hört, soll es auch an den Rettungswegen, die in Bayern über die Betriebspflichten streng geregelt werden, in der brennenden Bar in Crans-Montana gemangelt haben. Und für „feuergefährliche Handlungen“, also Pyrotechnik oder Tischfeuerwerke, gibt es hierzulande ebenfalls Regelwerke.
Fest steht daher: Dachau hat ein sicheres Gerüst an Brandschutzregeln, aber seit Crans-Montana dennoch einen Anlass, bei so manchen Örtlichkeiten noch genauer als vorher hinzuschauen.