Eine Mutter startet einen verzweifelten Aufruf nach dem Brand in Crans-Montana. Ihr 16-jähriger Sohn gehört zu den Vermissten der Silvesternacht.
Crans-Montana – Die Silvesternacht 2025 endete für dutzende Familien im Alptraum. Bei dem verheerenden Brand in der Bar „Le Constellation“ im Schweizer Crans-Montana kamen mindestens 40 Menschen ums Leben, über 115 wurden verletzt. Viele der Opfer erlitten laut dem Chefarzt des Spital Morges, Wassim Raffoul, schwerste Verbrennungen von mehr als 60 Prozent ihrer Körperoberfläche. Dies erschwert die Identifizierung der Leichen erheblich und verlängert die Ungewissheit der Angehörigen.
In den sozialen Netzwerken kursiert ein Foto, das die ganze Schweiz bewegt: Ein lächelnder Teenager namens Arthur Brodard aus der Westschweiz, dessen Schicksal seit der Silvesternacht ungewiss ist. Seine Mutter Laetitia Brodard-Sitre hat einen verzweifelten Aufruf gestartet, der binnen weniger Stunden tausendfach geteilt wurde und hunderte Kommentare der Solidarität auslöste.
Silvester-Feier in der Schweiz: Mutter kämpft um jeden Hinweis auf ihren verschwundenen Sohn
„Mein Sohn Arthur Brodard, geboren am 22. Februar 2009, gehört zu den Opfern des Brandes in Crans-Montana. Wir wissen nicht, ob er lebt und wo er ist. Wenn ihr Infos habt, in welchem Spital er ist, meldet euch!“, schrieb Laetitia Brodard-Sitre bei Facebook. Sie fuhr umgehend zum Lausanner Universitätsspital, um nach ihrem Sohn zu suchen. Durch die Suchaktion im Netz hofft sie nun auf Hinweise.
„Ich erlebe einen Alptraum, einen wahren Alptraum“, so Brodard-Sitre im Gespräch mit der Zeitung Le Temps. Doch trotz der belastenden Ungewissheit gibt sie nicht auf: „Ich werde Arthur finden, ganz sicher. Ich werde nicht darauf warten, dass ihn jemand findet, ich werde selbst das Notwendige tun.“ Wie genau es zu dem Brand kam, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Regierung spricht in einer Pressemitteilung von einem „Flashover“.
Familie bangt um vermissten Sohn Giovanni aus Bologna – viele Touristen unter den Opfern
Auch jenseits der Schweizer Grenze herrscht bange Ungewissheit. Viele der Gäste waren Touristen aus den Nachbarländern. So auch der 16-jährige Giovanni Tamburi aus Bologna. „Wir rufen alle Spitäler an, aber niemand weiß etwas, zumal die Eingelieferten in einem furchtbaren Zustand sind“, erklärte seine Mutter Carla Masiello gegenüber La Repubblica.
Giovanni war mit seinem Vater, der ein Haus in der Schweiz besitzt, in Crans-Montana in den Ferien. Am Silvesterabend ging er mit Freunden zunächst zum Essen ins Chalet und anschließend in die Bar „Le Constellation“. „Sein Handy war leer, ein enger Freund erzählte mir, dass sie nach dem Ausbruch des Feuers geflohen sind und dass Giovanni hinter ihm war, dann hat er ihn plötzlich nicht mehr gesehen“, berichtete die Mutter.
Als Erkennungszeichen trug Giovanni eine goldene Halskette mit dem Bild einer Madonna. Nach Angaben des italienischen Außenministers Antonio Tajani wurden 12 bis 15 Italiener nach der Brandkatastrophe hospitalisiert. Etwa die gleiche Anzahl wird noch vermisst.
Rettungsaktion mit über 150 Kräften – Instagram-Account für Angehörige eingerichtet
Inzwischen wurde ein temporärer Instagram-Account eingerichtet, über den Angehörige nach Vermissten suchen. Das Profil soll wieder gelöscht werden, sobald alle Betroffenen gefunden sind. Auf den geteilten Fotos sind fast ausschließlich junge Menschen zu sehen. Auch eine Hilferufnummer (0848 112 117) steht zur Verfügung.
Nach offiziellen Angaben des Kantons Wallis waren in der Unglücksnacht 13 Helikopter, 42 Ambulanzen und über 150 medizinische Rettungskräfte im Einsatz, um die Verletzten zu versorgen und in verschiedene Spitäler zu transportieren. Rund 60 Verletzte werden derzeit im Spital Wallis behandelt, weitere 60 Patienten wurden in andere Krankenhäuser eingewiesen, darunter das Universitätsspital Lausanne und das Universitätsspital Zürich. Auch in Deutschland verloren in der Silvesternacht mehrere Menschen ihr Leben. (Quellen: dpa, Facebook, Le temps, La Repubblica) (jaka)
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