Feuer-Drama in der Schweiz: Augenzeugen sprechen über erschütternde Szenen – „Feuerwehrleute weinten“

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Ein Feuer in der Silvesternacht reißt etwa 40 Menschen aus dem Leben. Augenzeugen des Infernos im Schweizer Skiort Crans-Montana haben einen Verdacht.

Crans-Montana – Es sollte eine ausgelassene Feier zum Jahreswechsel werden. Doch dann brach in der Bar „Constellation“ in Crans-Montana (Schweiz) ein Feuer aus. Bei dem Brand in der Silvesternacht sind ungefähr 40 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 115 weitere Menschen seien verletzt worden, die meisten schwer, sagte der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler bei einer Pressekonferenz am Donnerstagabend (1. Januar).

Im Schweizer Ferienort Crans-Montana gab es eine Explosion, die Polizei spricht von mehreren Toten
Im Schweizer Ferienort Crans-Montana starben viele Menschen bei einem Brand in einer Bar. © Maxime Schmid/AFP

Die Direktorin einer Klinik, in der zahlreiche Opfer behandelt werden, nannte der Schweizer Zeitung 24 Heures Einzelheiten zu deren Alter. „Es handelt sich um junge Patienten. Im Durchschnitt sind sie zwischen 16 und 26 Jahre alt“, sagte Klinikdirektorin Claire Charmet zu 22 Verletzten, die per Hubschrauber eingeliefert wurden. Der Schock sitzt auch bei vielen Augenzeugen tief – einige äußerten sich gegenüber Medien.

Tote nach Feuer in der Schweiz: Silvester-Party endet im Inferno – Augenzeugen schildern dramatische Momente

Christina Lutz, eine Touristin aus Stuttgart, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir haben mit der Familie in unserer Ferienwohnung Silvester gefeiert. Die Kinder von Freunden sind gestern Abend in der Bar gewesen. Ihnen ist zum Glück nichts passiert, aber sie haben offenbar viele Freunde verloren.“

Eine Anwohnerin meinte im Gespräch mit 24 Heures, als sich das Unglück ereignet habe, seien die Silvester-Feierlichkeiten in Crans-Montana „in vollem Gange“ gewesen, der Champagner sei „in Strömen geflossen“. Nach Ausbruch des Feuers hätten sich die Menschen „fassungslos, besorgt, still“ auf den Straßen versammelt. Ein weiterer Anwohner sagte der Zeitung: „Es ist furchtbar, viele junge Menschen gehen in diese Bar.“

Junger Mann hilft Einsatzkräften am Unglücksort – „Einige der Feuerwehrleute weinten“

Die Zeitung sprach auch mit Gianni, einem 19-jährigen Mann aus Genf. Er war kurz nach dem Feuer-Inferno am Ort des Geschehens eingetroffen. „Durch die Fenster schlugen riesige Flammen“, schilderte Gianni 24 Heures, dessen Freund eigentlich auch in der Bar feiern wollte. Als dieser in nach der Explosion im „Constellation“ anrief, sei er sofort zum Unglücksort geeilt.

„Mir wurde klar, dass die Feuerwehr angesichts des Ausmaßes der Katastrophe dringend Unterstützung brauchte; es gab viel zu viele Verletzte“, sagte Gianni, der selbst Mitglied des Zivilschutzes in Genf ist. „Die benachbarten Restaurants brachten Decken, um die Verletzten zuzudecken“, erinnert er sich an die Momente nach dem Unglück. Die Lage sei verheerend gewesen: „Einige der Feuerwehrleute weinten.“

Ein Tourist aus New York filmte, wie orangefarbene Flammen aus der Bar schlugen. Er schilderte AFP, dass Menschen hinausgelaufen seien und in der Dunkelheit geschrien hätten. „Wir haben eine Explosion gehört, aber das hörte sich überhaupt nicht wie Silvesterfeuerwerk an“, meinte Anwohner Jeoffrey d‘Amecourt beim Sender RTS. Dadurch sei das Gebäude, in dem sich die Bar befand, schwer beschädigt worden.

Mehrere Augenzeugen haben Verdacht zu Unglücksursache – löste Champagner-Kerze das fatale Feuer aus?

Zwei junge Männer sprachen mit dem Sender BFMTV: Axel und Nathan waren nach eigenen Angaben in der Bar, als das Feuer ausbrach. Es sei „sehr schnell“ entstanden: „Wir hatten keine Zeit, das Feuer kommen zu sehen.“ Auch sie nannten eine Kerze auf einer Flasche als Brandursache. „Plötzlich füllte sich die Bar mit einer riesigen schwarzen Rauchwolke, wir konnten nicht atmen. Die Fenster klemmten. Ich dachte, ich würde sterben, aber ich schaffte es, gegen die Scheibe zu treten, sie fiel zu Boden, und dann konnten wir raus“, sagte einer der beiden.

Emma und Albane aus Frankreich wurden in der Bar Augenzeuginnen, als das Feuer ausbrach. „Es herrschte absolute Panik, alle schrien“, sagte sie BFMTV über die dramatischen Momente danach. „Jemand schlug ein Fenster ein, damit die Leute rauskamen.“ Die beiden Französinnen meinten zudem, dass Kerzen das Feuer verursacht habe. Demnach wurden diese in der Bar in Champagnerflaschen gesteckt. Als eine Kerze zu nah an die Decke gekommen sei, habe diese umgehend Feuer gefangen. In wenigen Sekunden breitete sich den Schilderungen der beiden Französinnen nach der Brand aus.

Ein junger Mann, der sich ebenfalls während des Unglücks in der Bar aufhielt, hatte bei 24 Heures die Situation ebenso in Erinnerung. Feuerwerkskörper auf Flaschen hätten einen Deckenbrand ausgelöst, der sich schnell ausgebreitet und Panik ausgelöst habe.

Wie auf der Website von Crans-Montana angegeben ist, hatte die Bar Platz für 300 Gäste im Inneren und 40 weitere auf der Terrasse. Laut 24 Heures befindet sich das Lokal im Erdgeschoss eines Gebäudes, es hat aber auch ein Untergeschoss, das für Veranstaltungen genutzt wurde. (Quellen: dpa, AFP, 24 Heures, BFMTV, RTS) (kh)