Der Geistliche Direktor gibt sein Amt ab. Zum 1. Mai übernimmt er die Leitung des Pfarrverbands Odelzhausen im Landkreis Dachau.
Petersberg – Über 25 Jahre war Pfarrer Josef Mayer (65) Geistlicher Direktor der Katholischen Landvolkshochschule Petersberg, Gemeinde Erdweg. Zum Jahresende 2025 hat er offiziell sein Amt abgegeben, auch wenn er für einige Termine nochmal zurückkehrt. Zum 1. Mai 2026 übernimmt er die Leitung des Pfarrverbands Odelzhausen. Im Interview spricht Pfarrer Mayer über seine Verbundenheit zum Petersberg und was er im Pfarrverband Odelzhausen plant.
Herr Pfarrer Mayer, was ist Ihre Motivation, sich noch einmal zu verändern und in den Pfarrverband Odelzhausen zu gehen?
Josef Mayer: Mir liegt der Petersberg als geistlicher Ort sehr am Herzen. Damit meine ich sowohl die inhaltliche Arbeit als auch die Seelsorge. Als geistliches Zentrum braucht es da jetzt jemanden Jüngeren, der an meine Stelle tritt und den Stifterauftrag der Familie von Soden-Fraunhofen absichert.
Was verbindet Sie mit dem Petersberg?
Ich war 25 einhalb Jahre am Petersberg. Seit 1994 gehörte ich dem Stiftungsrat an. Der Petersberg ist der Ort, an dem ich die meiste Zeit meines bisherigen Lebens verbracht habe. Ich liebe die alte romanische Basilika am Petersberg, die ich sicherlich am meisten vermissen werde. Ich schätze auch alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – ohne sie wäre der Petersberg nicht das, was er jetzt ist und was er im Laufe der Jahre geworden ist. Natürlich werde ich – wenn ich an die Seminartätigkeit denke – die Rundumversorgung sehr vermissen. Unsere Küche ist kaum zu toppen!
Welche Momente am Petersberg haben Sie besonders bewegt?
Große Höhepunkte waren sicherlich die großen Feste, unter anderem das 900. Weihejubiläum der Basilika im Jahr 2007, die Einweihung des Skulpturenweges und dessen intensive Nutzung und die Jubelfeiern von KLB, KLJB und der Katholischen Landvolkshochschule. Was mich am meisten bewegt, das sind viele verschiedene Kurse, darunter besonders der Persönlichkeitskurs „Einfach Leben“, der am 1. Januar 2026 mit seiner 13. Neuauflage gestartet ist. Es berührt mich sehr, dass diese so wichtige persönlichkeitsbildende Arbeit mit dem durch Domvikar Klaus Hofstetter ergänzten, vertrauten Team gut weitergeht. Natürlich bewegt mich auch, dass die „Petersberger Gespräche“ entstehen mussten, weil es in dieser Zeit nicht mehr selbstverständlich ist, dass der Stiftungsauftrag des „Nie wieder …“ nach dem Dritten Reich erfüllt werden kann.
Was haben Sie als Herausforderung gesehen?
Es gab immer wieder Herausforderungen zu meistern. Angefangen bei den Baustellen, dem Erhalt der Fußgängerbrücke über die Bahngleise, die Corona-Pandemie und die Personalgewinnung bis hin zu dem schon erwähnten Einsatz für Demokratie. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal bei einer Demonstration der Hauptredner sein muss. Mich selbst hat die eigene ehrenamtliche Arbeit, zum Beispiel als KLJB-Ortsvorsitzender, sehr geprägt. Damals waren viele Aufgaben in einer Hand. Heute treten an die Stelle einer Person fünf bis sechs Engagierte.
Was waren Ihre schönsten Erfahrungen am Petersberg?
Für mich waren die Kursarbeit und die seelsorgliche Einzelbegleitung besonders wichtig. Daneben sind in gegenseitigem Vertrauen ungeheuer tiefgründige Gottesdienste entstanden. Natürlich gab es ungeheuer viele kirchliche Feste wie Taufen, Trauungen, aber auch Firmungen und Verabschiedungsgottesdienste in und rund um die Basilika. Ein Highlight war für mich der alljährliche Landkreisfeuerwehrgottesdienst am Florianstag mit allen Feuerwehren aus dem Landkreis Dachau. Aber auch die Kreativangebote, die sich mit ihren Ergebnissen für Segnungen in die Eucharistiefeiern eingebracht haben, waren für mich eine große Bereicherung.
Was nehmen Sie persönlich aus dieser Zeit mit?
Als Ort für sogenannte „Endverbraucher“ und für Auszeiten aller Art zur Stützung des Ehrenamts, aber auch für geistliche Begleitung und für Beichtgespräche wurde der Petersberg von Jahr zu Jahr wichtiger. Ja, ich werde wohl, wenn ich von Odelzhausen her selbst eine Auszeit brauche, gerne auch mal privat die Basilika besuchen, um dort Kraft zu schöpfen. Diese offene Kirche ist ein Segensort für alle Menschen aus dem Landkreis Dachau und darüber hinaus.
Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?
Das große Wohlwollen, mit dem ich damals am Petersberg empfangen wurde, wünsche ich auch Domvikar Thomas Belitzer von ganzem Herzen. Ich wünsche ihm aber auch Offenheit für alle Begegnungen mit Menschen, die diesen Ort besuchen und schätzen. Dazu helfen hörende Ohren und die Gabe der Unterscheidung der Geister. Und nicht zuletzt: auch mindestens zwei segensreiche Jahrzehnte am Petersberg wie sie mir geschenkt worden sind.
Was planen Sie in Odelzhausen?
Zuerst möchte ich einmal schauen, was es dort schon alles gibt und zu welchen Aufbrüchen die Menschen bereit sind. Auf jeden Fall will ich – was am Tag der Regionen alle zwei Jahre und bei den Trauerangeboten schon gelingt – den Petersberg noch mehr als „geistliche Tankstelle“ in die Herzen der Menschen im Pfarrverband Odelzhausen einpflanzen.
Fällt Ihnen der Abschied schwer?
Ganz ehrlich: Ja! Aber, wenn es Zeit ist, muss der „Altbauer“ gehen, um seinem „Hof“ Zukunft zu geben. Das habe ich vielen Landwirten und Bäuerinnen in Beratungen mitgegeben. Wie könnte ich da jetzt anders handeln?