Donald Trump will Grönland um jeden Preis für die USA. Unter dem schmelzenden Eis verbergen sich Bodenschätze, die das globale Machtgefüge verändern könnten.
München – Grönland, die größte Insel der Welt, steht im Zentrum geopolitischer Ambitionen der Vereinigten Staaten. „Wir brauchen Grönland für die internationale Sicherheit. Wir brauchen es. Wir müssen es haben“, erklärte Donald Trump unmissverständlich. Was zunächst als extravagante Idee abgetan wurde, hat sich mittlerweile zu einem ernsthaften politischen Vorhaben entwickelt. Der US-Präsident geht sogar so weit, mit militärischen Maßnahmen zu drohen, falls Dänemark Verkaufsverhandlungen ablehnt. Sein Vizepräsident J.D. Vance unternahm bereits eine Erkundungsreise nach Nuuk.
Die Attraktivität Grönlands für die USA liegt nicht allein in der strategischen Position zwischen den Kontinenten oder den arktischen Militärbasen. Der eigentliche Schatz verbirgt sich unter der schmelzenden Eisdecke: enorme Bodenschätze, die das globale Machtgefüge verändern könnten.
Grönland hat gewaltige Bodenschätze unter dem Eis
Der Geowissenschaftler Jonathan Paul von der University of London beschreibt die Situation in einem Gastbeitrag auf The Conversation prägnant: „Grönland verfügt über einige der reichsten Vorkommen an natürlichen Ressourcen weltweit. Dazu gehören kritische Rohstoffe – Ressourcen wie Lithium und Seltenerdelemente, die für grüne Technologien unverzichtbar sind, deren Produktion und Nachhaltigkeit jedoch äußerst sensibel sind – sowie andere wertvolle Mineralien und Metalle und riesige Mengen an Kohlenwasserstoffen, darunter Öl und Gas.“
Die Dimensionen dieser Ressourcen sind beeindruckend. Nach Pauls Einschätzung gehören allein drei Lagerstätten für seltene Erden in Grönland „möglicherweise zu den volumenmäßig größten der Welt“. Diese Materialien sind für die Produktion von Batterien und elektronischen Komponenten essenziell – besonders relevant angesichts der von China im Herbst 2025 verhängten Exportbeschränkungen.
Die größte Instel der Welt hat ein außergewöhnliches Rohstoffpotenzial
Auch deutsche Experten bestätigen das außergewöhnliche Rohstoffpotenzial der arktischen Insel. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zählt die Vorkommen an Gold, Platin, Palladium, Seltenen Erden, Uran und Strontium zu den weltweit bedeutendsten. Amerikanische Geologen vom US Geological Survey (USGS) schätzen die Kohlenwasserstoffreserven im nordöstlichen Onshore-Gebiet auf etwa 31 Milliarden Barrel Öl-Äquivalent – etwa vergleichbar mit den gesamten nachgewiesenen Rohölreserven der Vereinigten Staaten. Forschungsergebnisse deuten zudem auf ausgedehnte Erdölsysteme entlang der gesamten grönländischen Küste hin.
Die außergewöhnliche Konzentration dieser Bodenschätze erklärt der Geologe Paul mit der bemerkenswerten geologischen Geschichte der Region: „Die Konzentration der natürlichen Ressourcen Grönlands hängt mit seiner äußerst vielfältigen geologischen Geschichte der letzten 4 Milliarden Jahre zusammen. Geologisch gesehen ist es höchst ungewöhnlich (und für Geologen wie mich sehr spannend), dass in einem Gebiet alle drei wichtigen Entstehungsprozesse von Bodenschätzen – von Öl und Gas bis hin zu Seltenen Erden und Edelsteinen – stattgefunden haben.“
Geologische Prozesse in Grönland haben die Bodenschätze entstehen lassen
Diese geologischen Prozesse umfassen Gebirgsbildung, Rifting (Entspannung und Ausdehnung der Erdkruste) und vulkanische Aktivität. Die Entstehung von Gebirgsketten führte zu Brüchen in der Erdkruste, in denen sich Paul zufolge Gold, Edelsteine und Grafit ablagern konnten. Den Hauptanteil der Bodenschätze führt der Wissenschaftler jedoch auf die Riftphasen zurück, darunter die Entstehung des Atlantischen Ozeans vor über 200 Millionen Jahren.
Die wichtigsten Bodenschätze Grönlands
Metalle: Gold, Platingruppenmetalle, Eisen, Eisenerz, Blei, Zink, Silber, Kupfer, Molybdän, Wolfram, Beryllium, Zinn, Wismut, Niob, Tantal, Chrom, Nickel, Uran, Kobalt, Lithium
Seltene Erden: Lanthan, Cer, Praseodym, Neodym sowie weitere Seltene Erden
Industriemineralien: Kryolith, Fluorit, Baryt, Coelestin, Grafit, Olivin, Phlogopit, Schwerminerale, Zirkon, Anorthosit
Edelsteine und Schmucksteine: Diamanten, Marmor, farbige Schmucksteine
Fossile Brennstoffe: Erdöl, Erdgas, Kohle
Quellen: BGR, USGS
Seltene Erden in Grönland entstanden durch vulkanische Aktivität
Die vulkanische Vergangenheit Grönlands trug wesentlich zur Bildung von Seltenen Erden bei. Paul erläutert: „Seltene Erden wie Niob, Tantal und Ytterbium wurden in magmatischen Gesteinsschichten entdeckt.“ Besonders bemerkenswert ist seine Einschätzung, dass die Insel unter dem Eis vermutlich über ausreichende Reserven an Dysprosium und Neodym verfügt, um mehr als ein Viertel des prognostizierten zukünftigen weltweiten Bedarfs zu decken – insgesamt fast 40 Millionen Tonnen.
„Diese Elemente werden zunehmend als die wirtschaftlich wichtigsten, aber auch am schwierigsten zu beschaffenden Seltenerdmetalle angesehen, da sie für die Windkraft, Elektromotoren für umweltfreundlichen Straßenverkehr und Magnete in Hochtemperaturumgebungen wie Kernreaktoren unverzichtbar sind“, erläutert der Geoforscher.
Donald Trumps Grönland-Ambitionen sind wohl teuer
Zwischen den amerikanischen Ambitionen und der tatsächlichen Erschließung dieser Ressourcen liegen jedoch gewaltige Hürden. Die extremen arktischen Bedingungen, mangelhafte Infrastruktur und immense Investitionskosten haben bislang eine effektive Nutzung dieses Rohstoffreichtums verhindert. Anthony Marchese, Vorsitzender der Texas Mineral Resources Corporation, bringt die Problematik gegenüber Fortune auf den Punkt: „Wenn Sie wegen der Bodenschätze nach Grönland gehen wollen, dann sprechen wir hier von Milliarden und Abermilliarden Dollar und einer extrem langen Zeit, bevor sich jemals etwas daraus ergibt.“
Die Frage bleibt offen, ob die strategischen und wirtschaftlichen Interessen der USA ausreichen werden, um diese enormen Investitionen zu rechtfertigen und die technischen Herausforderungen zu überwinden – oder ob Trumps Grönland-Ambitionen letztlich an der rauen arktischen Realität scheitern werden. (Quellen: The Conversation, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, US Geological Survey, Nature, Fortune) (tab)