Rekord-Eisberg färbt sich plötzlich blau – NASA zieht bitteren Schluss

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Der Rekord-Eisberg A-23A ist auf Satellitenaufnahmen plötzlich blau. Forscher erklären, was es mit der Färbung auf sich hat.

Antarktis – Als der Eisberg A-23A vor 40 Jahren vom Filchner-Schelfeis in der Antarktis abbrach, war er riesig: etwa 4.000 Quadratkilometer Eis, die durch das Meer trieben. Vierzig Jahre später ist von dem einst größten und langlebigsten Eisberg der Welt nicht mehr viel übrig. Satelliten-Aufnahmen, die die US-Raumfahrtorganisation NASA veröffentlicht hat, zeigen, dass der Eisberg, der kurz davor ist, endgültig zu zerfallen, sich blau färbt.

Die linke Aufnahme des Eisbergs A-23A wurde am 26. Dezember 2025 vom NASA-Satelliten Terra gemacht. Die rechte Aufnahme stammt von einem Astronauten an Bord der ISS, entstanden ist sie am 27. Dezember 2025. © NASA Earth Observatory

Das MODIS-Instrument auf dem Terra-Satelliten der NASA hat die Aufnahme am 26. Dezember 2025 gemacht und dabei nicht nur den Eisberg eingefangen, sondern auch ausgedehntes Schmelzwasser an seiner Oberfläche. Es ist im Vergleich zum restlichen Eisberg blau gefärbt und zeigt, dass der riesige Eisbrocken schmilzt. Die blauen Bereiche sind wahrscheinlich das Ergebnis fortlaufender Zerfallsprozesse, erklärt der Wissenschaftler Ted Scambos von der University of Colorado Boulder in einer NASA-Mitteilung.

Einstiger Riesen-Eisberg A-23A färbt sich blau

„Das Gewicht des Wassers lastet auf den Rissen im Eis und drückt sie auf“, sagt der Forscher. Die dünne weiße Linie am äußeren Rand des Eisbergs, die scheinbar blaues Schmelzwasser zurückhält, entsteht durch eine Aufwärtsbiegung der Eisbergplatte, wenn deren Ränder an der Wasserlinie schmelzen.

Die auffälligen linearen blau-weißen Muster auf dem Eisberg stehen wahrscheinlich in Zusammenhang mit Streifen, die vor Hunderten von Jahren entstanden sind, als das Eis Teil eines Gletschers war, der über das antarktische Grundgestein rutschte. „Die Streifen bildeten sich parallel zur Fließrichtung, wodurch schließlich subtile Grate und Täler auf der Oberseite des Eisbergs entstanden, die nun den Fluss des Schmelzwassers lenken“, erklärt Walt Meier, leitender Wissenschaftler am National Snow & Ice Data Center.

Riesiger Antarktis-Eisberg A-23A hat ein Leck

Fachleute erkennen auf der neuen Eisberg-Aufnahme, dass der angeschlagene Gigant ein Leck hat. Der weiße Bereich zu seiner Linken könnte das Ergebnis dessen sein, was als „Ausbruch“ bezeichnet wird. Das Gewicht des Wassers, das sich oben auf dem hoch aufragenden Eisberg angesammelt hat, hätte an den Rändern genügend Druck erzeugt, um diese zu durchbrechen. Durch den „Blowout“ könnte Schmelzwasser mehrere Dutzend Meter tief bis zur Meeresoberfläche gespült worden sein, wo es sich mit den neben dem Eisberg schwimmenden Eisbrocken vermischte und eine sogenannte „Süßwasserausflussfahne“ bildete.

Das bewegte Leben des Eisbergs A-23A

Mehr als 30 Jahre lang trieb der „Megaberg“ A-23A im Weddellmeer, bis er 2020 ausbrach und sich auf den Weg nach Norden machte. Dort kollidierte er beinahe mit der Insel Südgeorgien und blieb dort in flachen Gewässern, bevor er sich in Richtung offener Ozean bewegte. Seit 2025 wird er dort immer kleiner.

Eisberg A-23A wird sich bald vollständig auflösen

Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass der Eisberg nur noch Tage oder Wochen von seiner vollständigen Auflösung entfernt sein könnte. „Ich gehe davon aus, dass A-23A den Südsommer nicht überstehen wird“, betont Chris Shuman, pensionierter Wissenschaftler der University of Maryland Baltimore County. Schließlich bringt diese Jahreszeit wärmere Luft- und Wassertemperaturen mit sich. Diese Faktoren beschleunigen den Auflösungsprozess in einem Gebiet, das als „Friedhof für Eisberge“ bekannt ist.

Die Wassertemperaturen im Südatlantik zwischen der Ostspitze Südamerikas und der Insel Südgeorgien betragen bereits etwa 3 Grad Celsius – und Strömungen tragen den Eisberg in noch wärmere Gewässer, wo er vermutlich bald sein Ende finden wird. Für Forschende, die den Eisberg ihre gesamte Karriere lang verfolgt haben, ist der Abschied von A-23A gar nicht so leicht. „Ich bin unglaublich dankbar, dass wir über die Satellitenressourcen verfügen, die es uns ermöglicht haben, ihn zu verfolgen und seine Entwicklung so genau zu dokumentieren“, sagt Shuman.

Der pensionierte Forscher fährt fort: „A-23A erwartet dasselbe Schicksal wie andere antarktische Eisberge, aber sein Weg war bemerkenswert lang und ereignisreich. Es ist kaum zu glauben, dass er nicht mehr lange unter uns sein wird.“ Doch A-23A ist nicht der einzige Eisberg, der für die Forschung interessant ist – in der Antarktis warten gleich mehrere Eisberge darauf, ihren Weg in Richtung Norden anzutreten. (Quelle: NASA-Mitteilung) (tab)