Die Bauarbeiten für die Tölzer Umgehungsstraße von Greiling zum Maxlweiher sollen noch in diesem Jahr beginnen. Die Fertigstellung des Großprojektes ist für die kommenden fünf Jahre geplant.
Bad Tölz – Die Tölzer Nordspange: teurer und länger hat’s gedauert als zuerst angedacht. Der Spatenstich ist schon einige Jahre her, doch seitdem ist einiges hinter den Kulissen passiert. Die geplante 2,7 Kilometer lange Umgehungsstraße von Greiling zum Maxlweiher steht nun in den Startlöchern: Die Ausschreibung der Arbeiten fürs erste Teilstück liegt jetzt vor.
Spatenstich und Verkehrsziele der Tölzer Nordspange
Über vier Jahre ist es her: Am 19. August 2021 griffen der damalige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Landrat Josef Niedermaier (FW) auf der Flinthöhe zur Schaufel. Sie schleuderten symbolisch zum Baubeginn der „Tölzer Nordumfahrung“ fürs Zeitungsfoto das übliche Häufchen Erde in die Luft.
Eben dort, wo viele Autos oftmals aufgrund eines hohen Pendler- und Ausflugsverkehrs im Stau stehen. Das Ziel des Umgehungsstraßenprojektes ist klar definiert: der Ausbau der B 472 als wichtige Ost-West-Verbindung im Alpenvorland, um die Bundesstraße und B 11 leistungsfähiger zu gestalten und dadurch die Flinthöhe sowie deren Anwohner vom Durchgangsverkehr zu entlasten.
Tölzer Nordspange: Verzögerungen und Bauvorbereitungen
Seitdem ist viel Wasser die Isar hinuntergeflossen. Beim ersten Spatenstich hieß es damals noch: „Wenn alles nach Plan läuft, wird der Verkehr 2025 freigegeben.“ Wer zu jener Zeit erwartet hatte, dass im Anschluss gleich die ersten Bagger anrollen, wunderte sich vielleicht, dass es lange ruhig gewesen war auf der Großbaustelle in spe.
Passiert ist jedoch einiges, allerdings lief dies eher unscheinbar im Hintergrund ab. Wie berichtet fanden zwischenzeitlich vorbereitende Rodungsarbeiten entlang der Trasse sowie geotechnische und archäologische Bodenuntersuchungen aufgrund schwieriger Baugrundverhältnisse statt. Was dazu führte, dass sich der Baubeginn mehrfach zeitlich weiter nach hinten verschob.
Bauabschnittsplanung und Kostenentwicklung
Nach all der Vorarbeit scheint es jetzt aktiv loszugehen: Laut Staatlichem Bauamt Weilheim, zuständig für das Millionenprojekt, ist das Vergabeverfahren für den ersten Bauabschnitt, das sogenannte Hauptbaulos Ost für rund 20 Millionen Euro, abgeschlossen. Die Behörde geht davon aus, dass in der ersten Oktoberwoche der Vertrag mit der entsprechenden Baufirma abgeschlossen sein wird „und mit dem Bau zeitnah und planmäßig begonnen werden kann“, berichtet Raphael Zuber, Leiter der Abteilung „Großprojekte“, auf Nachfrage.
„Vom Bauablauf her ist vorgesehen, dass die Baufirma noch in diesem Jahr mit den ersten Arbeiten beginnt“, so Zuber. Der Bauabschnitt Ost startet an der Allgaustraße (Bahnübergang) sowie am neuen Kreuzungsbauwerk B 13/B 472, nähe der Sitec-Aerospace-Firma (siehe Grafik). Im Anschluss folgen umfangreiche Erdarbeiten zur Schaffung des neuen Streckenverlaufs der B 472.
Die Baufirma erhält den Bauablauf vertraglich vorgegeben, konkrete Aussagen zu einzelnen Teilbaustellen können jedoch erst getroffen werden, sobald der detaillierte Bauablaufplan der beauftragten Firma vorliege, erklärt Zuber.
Weniger Lärm, Schmutz und Stau: Tölzer Nordspange entlastet Flinthöhe-Verkehr um 50 Prozent
Heuer im Oktober soll nun mit dem ersten von zwei Bauabschnitten für die Tölzer Nordspange gestartet werden. Das Staatliche Bauamt Weilheim rechnet insgesamt mit einer Bauzeit von bis zu fünf Jahren, bis die ersten Autos über die neue Umgehungsstraße fahren können.
Aktuell belaufen sich die genehmigten Gesamtkosten für das Großprojekt auf 59,9 Millionen Euro. Nach Auswertung der eingegangenen Angebote für das Hauptbaulos Ost sieht das Bauamt keinen Anlass, die Kosten fortzuschreiben, „da das Projekt sowohl im Kosten- als auch im Terminplan liegt“, teilt Raphael Zuber vom Staatlichen Bauamt Weilheim weiter mit.
Die Inflation und die damit einhergehende allgemein bekannte Steigerung der Baukosten haben auch die damals zum Spatenstich im Jahr 2021 noch veranschlagte Summe von knapp 48 Millionen Euro weiter in die Höhe getrieben.
Prognosen zur Verkehrsentlastung und Umweltschutzmaßnahmen
Wenn die „Hauptbaulose Ost und West“ fertig sind, rechnet das Staatliche Bauamt mit einer deutlichen Verkehrsentlastung im Bereich der Tölzer Flinthöhe auf der B 472 alt und der B 13. Laut deren Prognosen soll die neue Nordumfahrung etwa 26.000 Fahrzeuge pro Tag aufnehmen. Im Bereich der Wohnsiedlung Am Lettenholz werden künftig nur noch 12.000 Fahrzeuge pro Tag und im weiteren Verlauf nach Greiling unter 4.000 Fahrzeuge pro Tag auf der B 472 alt verbleiben. Aufgrund der prognostizierten Verkehrsentlastung von über 50 Prozent rechnet das Bauamt auch mit einer spürbaren Reduzierung von Lärm und Schadstoffen für die Kreisstadt.
„Da es sich bei dem Vorhaben um ein planfestgestelltes Projekt handelt, besteht keine Veranlassung für weitergehende oder erneute Umweltverträglichkeits- und Artenschutzprüfungen“, erklärt Zuber auf Nachfrage. „Eine Änderung der Trassenführung ist grundsätzlich ausgeschlossen.“ Die damaligen Planfeststellungsunterlagen basieren auf einem Prognosehorizont bis 2030, wobei die Verkehrsqualitätsstufe für die Anschlussstellen überwiegend im guten Bereich lag.
Naturschutzmaßnahmen und ökologische Ausgleichsstrategien - Rückzugsort für Feldlerche
Nach Angaben des Bauamts werden auch die erforderlichen naturschutzfachlichen Ausgleichsmaßnahmen baubegleitend gemäß dem gültigen Planfeststellungsbeschluss umgesetzt. Zusätzlich wurden bereits sogenannte CEF-Maßnahmen aus dem Umwelt- und Naturschutzrecht, darunter die Schaffung von Rückzugshabitaten für die Feldlerche, realisiert, „um die ökologische Funktion von Fortpflanzungs- und Ruhestätten dieser Tierart zu gewährleisten“, so Zuber.
Mit dem „Das Gelbe Blatt“-Newsletter täglich zum Feierabend oder mit der neuen „Das Gelbe Blatt“-App immer aktuell über die wichtigsten Geschichten informiert.