Tunnel-Test mit Exit-Strategie

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Fünf Straßen treffen am Tutzinger-Hof-Platz aufeinander (auf einer älteren Drohnenaufnahme). Einige Abbiegemöglichkeiten fallen während des Tests ab Ende März weg. © Michael Rudy

Vor rund 50 interessierten Starnbergern haben Mitarbeiter des Staatlichen Bauamts und der Bayernwerke sowie Bürgermeister Patrick Janik am Dienstagabend erklärt, was in der Testphase für die Tunnelbaustelle vom 25. März an auf die Stadt zukommt. Vor allem ein Anlieger gab den Planern zu denken.

Starnberg – Seit mehr als hundert Jahren gibt es den Baustoffhandel Fischhaber in Starnberg, ansässig in der Leutstettener Straße 14. Nun macht sich Inhaber Alfred Kaunicnik aber jede Menge Gedanken, wie es weitergeht. „Wenn für uns keine Lösung gefunden wird, kann ich zusperren“, sagte er am Dienstagabend in der Informationsveranstaltung des Staatlichen Bauamts Weilheim zum bevorstehenden Testlauf für die Verkehrsführung während der Tunnelbauphase. Die Baustoffhandlung befindet sich nämlich direkt an der Einmündung zur B 2 – und die soll in der dritten Stufe der Testphase gesperrt werden.

„Unsere Lieferanten fahren uns mehrfach täglich mit 40-Tonnern an“, berichtete Kaunicnik. „Die kann ich ja nicht durch Starnberg schicken.“ Und auf kleinere Fahrzeuge umzustellen, ergebe bei Baustoffen keinen Sinn. Immerhin: Bereits nach Ende des offiziellen Teils vor rund 50 interessierten Bürgern im Kleinen Saal der Schlossberghalle suchten die Vertreter des Bauamts das Gespräch mit Kaunicnik. „Wir befinden uns bilateral in Abstimmung, wie die Anlieferung während der Baumaßnahme in der inneren Leutstettener Straße stattfinden wird“, ergänzte Tunnel-Abteilungsleiter Lukas Schulte am Mittwoch.

Bayernwerke verlegen Leerrohr und Leitung

Zusätzlich zur Testphase wird es in der inneren Leutstettener Straße nämlich Bauarbeiten geben. Die Bayernwerke wollen dort zum einen ein Leerrohr verlegen, das später unter anderem für die Mittelspannungsleitung zum Betrieb der Tunnelvortriebsmaschine genutzt wird. „Außerdem wird das Kabel für die Straßenbeleuchtung erneuert. Das ist vermutlich 60 Jahre alt“, sagte Stefan Drexl vom Kommunalmanagement Oberbayern der Bayernwerk Netz GmbH. „Der Zeitpunkt ist für uns eine gute Gelegenheit.“ Allerdings werde es zu Beeinträchtigungen für die Anlieger kommen, da die Straße aufgerissen werden müsse. „Die Straße wird aber auf jeden Fall nutzbar sein“, betonte Drexl. Für die Arbeiten seien drei Wochen veranschlagt, sie würden mit den Anliegern abgesprochen, sagte er.

Die drei Testphasen

Die Testphase beginnt, wie berichtet, am Montag, 25. März, mit einer neuen Ampelanlage am Tutzinger-Hof-Platz. Ab dann will das Staatliche Bauamt herausfinden, ob die geplante Verkehrsführung für die Zeit des Baus des Tunnel-Nordportals das hält, was Berechnungen und Simulationen versprechen. Der Test ist auf acht bis neun Wochen bis Mitte, Ende Mai angelegt, später fällt für voraussichtlich eineinhalb Jahre die Möglichkeit weg, von der B 2 aus Richtung Autobahn nach links auf die innere Leutstettener Straße abzubiegen. Der Verkehr muss also einen Bogen über den Tutzinger-Hof-Platz und durch die Innenstadt fahren. Das allerdings dürfte, wenn überhaupt, nur klappen, wenn die Ampelanlage am Tutzinger-Hof-Platz komplett neu geschaltet wird und dort bestimmte Verkehrsbeziehungen nicht mehr möglich sind (siehe Darstellungen).

Verkehrsführung vom 25. März an

Am Tutzinger-Hof-Platz wird eine neue Ampelanlage errichtet, die am 25. März ihren Betrieb aufnehmen soll. Nicht mehr möglich ist dann das Linksabbiegen von der B 2 aus Richtung München auf die Josef-Jägerhuber-Straße sowie das Linksabbiegen von der Wittelsbacherstraße auf die B 2 Richtung Weilheim und auf die Hanfelder Straße (jeweils rot dargestellt). Die Umleitung für den Linksabbieger-Verkehr aus der Wittelsbacherstraße ist grün dargestellt, die Umleitung für den B 2-Verkehr aus Richtung Autobahn in Richtung Josef-Jägerhuber-Straße orange. Aus der Hanfelder Straße sind alle Fahrtrichtungen wie bisher möglich, auch an der nördlichen Ausfahrt aus der Wittelsbacherstraße Richtung Autobahn und Josef-Jägerhuber-Straße ändert sich nichts. Ebenfalls erhalten bleiben alle Gehmöglichkeiten für Fußgänger. An der Einmündung Ludwigstraße/Hauptstraße (B 2) wird eine neue Ampel installiert, die gemeinsam mit den Anlagen an der Centrum-Tiefgarage und an der Stadtbücherei geschaltet werden soll.

Die Verkehrsführung am Tutzinger-Hof-Platz.
Die Verkehrsführung am Tutzinger-Hof-Platz. © Staatliches Bauamt Weilheim

Die zeitlich aufeinander folgenden Testphasen sind so konzipiert, dass peu à peu Verkehrsbeziehungen wegfallen. Wann die Phasen zwei und drei beginnen, stehe noch nicht fest, sagte Lukas Schulte. „Wir warten ab, bis die jeweilige Verkehrsführung in den Köpfen der Verkehrsteilnehmer verankert ist. Wir sind darauf angewiesen, dass die Phase eins gut funktioniert.“

Anpassungen seien jederzeit möglich, sagten Schulte und der Gebietsinspektor des Bauamts für den Landkreis Starnberg, Jacob Eberle. So sei zum Beispiel zunächst nicht geplant, entlang der Ludwigstraße ein Halteverbot auszuweisen, was zum Beispiel WPS-Stadtrat Ralf Breitenfeldt für wahrscheinlich erachtete. „Das können wir aber gegebenenfalls nachregeln“, sagte Eberle.

Was die Teilnehmer beschäftigte

Bedenken aus Reihen der Bürger wurden auch geäußert, was den zusätzliche Verkehr auf der Maximilianstraße betraf. „Wir werden die Qualität der Maximilianstraße nicht verbessern“, sagte Bürgermeister Patrick Janik, erklärte aber auch: „Wir reden über eine Testphase und eine spätere Bauphase.“ Begegnungsverkehr soll dort ausgeschlossen, die Radfahrregelung erhalten bleiben.

BMS-Stadtrat Michael Mignoli sah die ganze Sache von Haus aus skeptisch. „Ich habe persönlich Angst, dass wir nicht neun Wochen durchhalten“, sagte er. Ein frühzeitiges Ende sei möglich, erklärte Abteilungsleiter Schule und zählte drei Exit-Möglichkeiten auf: „Ein Verkehrskollaps in Starnberg, eine Häufung von Unfällen, die auf die veränderte Verkehrsführung am Tutzinger-Hof-Platz zurückzuführen ist, oder dass wir alle Informationen bereits ermitteln konnten.“

Zweifel wurden aus der Versammlung laut, ob die Brücken über den Georgenbach die Last von 40-Tonnern aushalten. Janik ging davon aus, will es aber sicherheitshalber prüfen lassen. Inwieweit die Verkehrsführung in Navis hinterlegt werde, wollte ein anderer Bürger wissen. Jede Sperrung werde in ein System eingegeben, auf das die Anbieter von Navigationsgeräten Zugriff hätten, erklärte Jacob Eberle. „Was sie daraus machen, entscheiden die Unternehmen aber selbst.“ Die Gefahr einer Zunahme des Verkehrs auf der Rheinlandstraße an Gymnasium und Post vorbei, sah er im Übrigen nicht. „Das ist ein wahnsinnig unkomfortable Umleitung“, sagte er.

Die Phasen zwei und drei des Testlaufs

In einer zweiten Phase – der genaue Beginn ist noch offen – wird das Linksabbiegen von der B 2 aus Richtung Autobahn auf die innere Leutstettener Straße nicht mehr möglich sein (Darstellung links). Die Umleitung erfolgt über Wittelsbacherstraße, Ludwigstraße, Maximilianstraße und Josef-Jägerhuber-Straße zur Leutstettener Straße. Phase drei beginnt noch etwas später. Dann wird die Ein- und Ausfahrt der inneren Leutstettener Straße im Kreuzungsbereich mit der B 2 komplett gesperrt (Darstellung rechts). Die Umleitung aus der inneren Leustettener zur B 2 in Richtung München erfolgt über die Josef-Jägerhuber-Straße (grün dargestellt), die Umleitung zur B 2 in Richtung Weilheim über Kaiser-Wilhelm-Straße, Bahnhofplatz, Wittelsbacherstraße und Ludwigstraße (türkis dargestellt). Zur inneren Leutstettener Straße kommen Verkehrsteilnehmer wie in Phase 2 (lila dargestellt).

Phase zwei des Versuchs, Termin noch offen.
Phase zwei des Versuchs, Termin noch offen. © Staatliches Bauamt Weilheim
Phase drei, deren Termin ebenfalls noch offen ist.
Phase drei, deren Termin ebenfalls noch offen ist. © Staatliches Bauamt Weilheim

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