Der Burschenverein Randelsried weist eine beachtliche Bilanz beim Maibaumklau auf. Im Interview erzählt der Vorsitzende Lucas Triebenbacher, ob es Verfolgungsjagden gab und welcher Klau am legendärsten war.
Landkreis – Die Zeit vor dem ersten Mai ist in Bayern eine Aufregende – zumindest für viele Burschenvereine, denn: Jetzt sind die Maibaumdiebe unterwegs. Lucas Triebenbacher (24) ist der Vorsitzende des Vereins, der im Landkreis wohl mit Abstand die meisten Bäume geklaut hat. 44 Diebstähle in 21 Jahren –kann sich sehen lassen! Weil er schon lange bei den Randelsrieder Burschen ist, zählt er definitiv zu den Klau-Experten. Wer Fragen zum Maibaumstehlen hat, ist mit ihm schnell per Du, muss aber – der Materie geschuldet – oft mit Antworten leben, die ähnlich klingen wie: Betriebsgeheimnis. Trotzdem verrät er im Interview, ob es Verfolgungsjagden gab, wie der Verein zu Drohnen oder Alarmanlagen steht und über welchen Klau die Burschen heute noch gern reden.
Wie schaut’s aus? Wart Ihr heuer schon erfolgreich?
Lucas Triebenbacher: (Lacht): Klar. Wir haben schon den Baum von der Brauerei Odelzhausen geklaut. Ist gut gelaufen, da können wir uns nicht beschweren.
Und? War’s das für dieses Jahr?
Lacht wieder. Na ja, sagen wir’s so: Wir sind motiviert. Ich glaub’ nicht, dass es der letzte Baum war. Mehr sag’ ich dazu jetzt aber nicht.
Ihr habt auf Eurer Internetseite einen ganzen Reiter, der sich nur um Eure geklauten Maibäume dreht. Wie kommt’s zu sowas?
Tja. 2003 sind wir das einzige Mal selber beklaut worden. Den Baum wollten wir natürlich zurück. Und so entstand die Tradition.
Nach 44 Diebstählen – ist da überhaupt noch Nervenkitzel da? Sowas wie Schmetterlinge im Bauch oder extreme Euphorie, wenn ein Klau geklappt hat?
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Ja sicher! Es ist bei jedem Baum eine gewisse Freude dabei, weil’s ja bis zum Schluss nie wirklich klar ist, ob man den Baum am Ende auch wirklich kriegt, oder ob man erwischt wird. Zudem gibt’s für keinen Baum ein festes Schema. Man fährt da nicht hin und kriegt den Baum – jeder ist eine eigene Herausforderung. Jeder Baum ist eine Geschichte für sich, über die wir jedes Jahr auch immer wieder reden.
Gibt es einen Eurer 44 Diebstähle, den Du persönlich für legendär hältst? Einen, über den Ihr heute noch im Freundeskreis redet?
Sogar zwei. Einmal den Maibaum von Antenne Bayern. Und, dass wir zusammen mit dem Burschenverein Sielenbach den größten Maibaum Deutschlands geklaut haben, ist auch ganz nett (lacht). Der Baum war damals knapp 50 Meter lang und zehn Tonnen schwer. Das sind Dimensionen, die Maibäume bei uns nicht haben. Das ist nicht gerade Standard, dass man sowas erlebt.
Tschuldigung, aber wie klaut man bitte einen Baum, der zehn Tonnen schwer und 50 Meter lang ist?
Also ich war damals nicht dabei, hab die Geschichte aber oft gehört. Der Klau muss damals recht schnell gegangen sein, nicht so die Planungen. Die haben sich über mehrere Wochen hingezogen. Dann braucht man die Fahrzeuge, Transportmöglichkeiten wie Nachläufer und Achsen und natürlich: die Leute, die das ganze hinkriegen. Der Baum wurde damals nur ins nächste Dorf transportiert, aber das reicht ja!
Es gibt ständig neue Technik wie Alarmanlagen oder Drohnen. Was haltet Ihr von solchen Hilfsmitteln? Benutzt Ihr selbst? Oder geht gar nicht?
Wenn wir selber einen Baum haben, nehmen wir nichts davon her. Wir sind der Meinung, das hat eher was von Bescheißen. Wir denken, das Brauchtum wird dadurch nicht mehr richtig gelebt und leidet darunter. Klar ist es ein Aufwand, dass man Leute findet, die Maibaumwache machen und nachts aufpassen, dass keiner kommt, und das Ding verzieht. Aber: Für uns gehört es eben mit dazu, dass man sagt: Man bewacht den Baum zusammen und stellt ihn dann auch zusammen auf. Aber ich glaube, da hat jeder seine eigene Meinung dazu.
Wart Ihr schon mal irgendwo beim Klauen und der Baum war mit einer Alarmanlage gesichert?
Das gibt’s immer wieder, dass wir zu Bäumen kommen, an denen Alarmanlagen dran sind. Wenn es eine Möglichkeit gibt, die abzuschalten, probieren wir’s. Ansonsten muss man es eben leider so hinnehmen. Ändern kann man das nicht.
Wie lange muss man den perfekten Diebstahl vorbereiten?
Das kann spontan sein, das kann auch paar Tage dauern, da gibt’s keine Faustregel.
Schon klar, die besten Tricks darf man nicht verraten, aber: Gibt es trotzdem bestimmte Techniken, die beim Ausspionieren oder Klauen wichtig sind, über die wir reden können?
Da kann ich nur mit Nein antworten, das ist leider Betriebsgeheimnis. Ich glaub’, wenn wir drüber reden würde, welche Methoden wir so haben, schießen wir uns selber ins Knie.
Gibt es Bäume, an die Ihr Euch nicht rantraut?
Grundsätzlich stellen wir uns allen Herausforderungen. Aber wenn wir schon im Vorfeld sehen: Da müsste man etwas kaputt machen, dann lassen wir da die Finger weg. Wir sagen: Das gehört einfach nicht dazu. Und wir entscheiden das immer zusammen in der großen Gruppe.
Was ist das Schöne am Maibaumklauen?
Etwas in der Gemeinschaft zu planen und durchzuziehen. Es ist schön, zu sehen, was alles möglich ist, auch wenn’s mal schwieriger ist.
Was war die verzwickteste Situation, in die Ihr Euch bisher gebracht habt?
Ich war jetzt noch in keiner dabei. Man muss sich immer bewusst sein, dass es ein Risiko bei diesen Aktionen gibt. Es gab schon auch Situationen, die hätten schiefgehen können – aber bevor Du wieder fragst: Die darf ich nicht verraten.
Gab’s schon mal eine Verfolgungsjagd?
Ja klar. Es kam durchaus schon vor, dass wir uns kurz vorm Ortsschild schon auf der Zielgeraden gesehen haben, und dann war’s dann leider doch nix. Aber es gehört dazu, dass man erwischt wird. Manche nehmen’s dann mit Humor und es ergibt sich noch eine nette lockere Runde – andere finden es weniger lustig, wenn sie um drei in der Früh ausm Bett müssen, weil ihnen jemand den Baum stehlen will.
Habt Ihr ein Ziel?
Wir haben 2026 Fahnenweihe – bis dahin wollen wir die 50 vollhaben.
Ganz schön ambitioniert!
Schon – aber man kann’s ja probieren! Lacht