Platzt Trumps Kampfjet-Deal? Portugal schwankt zwischen Supercomputer und Kampfmaschine

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Immer noch als Überflieger gehandelt: Der Saab JAS 39 Gripen-Kampfjet. Die Überlegungen bleiben, ihn stärker in die Nato-Luftverteidigung einzubinden, statt auf die F-35 der USA zu setzen. © IMAGO / soosjozsef

Wie wird Luftüberlegenheit künftig definiert – auf Schwedisch oder Englisch? Portugal will einen Kampfjet der fünften Generation. Wofür eigentlich?

Lissabon – „Die Welt hat sich verändert. Es gab Wahlen in den USA, es gab eine Position zur Nato und zur Welt, die vom Verteidigungsminister und vom Präsidenten der USA selbst vertreten wurde, die auch in Europa und in Bezug auf Portugal berücksichtigt werden muss“, sagte Nuno Melo. Den Verteidigungsminister Portugals zitierte das Magazin Flugrevue zum vermutlichen Storno einer Bestellung von F-35-Kampfjets; aufgrund von Donald Trumps Offensiven gegen die militärische Autonomie seiner Nato-Partner könnte Portugal jetzt umsatteln müssen: Der schwedische Gripen (Greif) drängt sich auf, um das Land gegen Wladimir Putin verteidigen zu helfen.

Obwohl die portugiesische Luftwaffe am liebsten ein Flugzeug der fünften Generation hätte, bleibt der schwedische Saab JAS 39 Gripen-Kampfjet eine Alternative. Wenn auch scheinbar die vielversprechendste – was zumindest das Magazin Defense News behauptet. Beide Kampfjets sind aber schwer vergleichbar, die sie aufgrund ihrer Baujahre den jeweiligen Stand der Technik abbilden, und der Gripen empfindlicher auf die Erfassung durch Radar reagiert.

Vernichtende Kritik an Trumps Prestige-Flieger: „Niemand braucht eine F-35“

„Niemand braucht eine F-35“, sagt Thomas Enders. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) hat der frühere Vorstandschef des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus mehr Autonomie gegenüber US-amerikanischen Rüstungsgütern gefordert – ihm zufolge gehöre der Kampfjet ohnehin allgemein der Vergangenheit an und würde binnen kurzer Zeit von Drohnen abgelöst werden. Auch ohne Putins Affronts gegen seine Verbündeten hält der Flugzeugbauer Kampfjets für Relikte aus früheren Kriegen und grundsätzlich für zu teuer. Nichtsdestoweniger will Portugal seine veraltete F-16-Flotte ersetzen.

„Der Gripen und die F-35 gehören zu zwei verschiedenen Generationen von Kampfflugzeugen und verfügen daher über unterschiedliche Eigenschaften, um auf dem Schlachtfeld ihren Beitrag leisten zu können.“

Tatsächlich scheint der Saab Gripen in seiner modernen E-Version dem Überflieger aus den USA gar nicht so weit hinterherzuhinken, wie Jussi Halmetoja nahelegt. Im Luftfahrtmagazin Hush-Kit zog der ehemalige Pilot und Manager in der Gripen-Entwicklung kürzlich Vergleiche zwischen den Maschinen – beispielsweise in der Datenfusion. Nur vollständig fusionierte Daten ergäben das Bild einer mitunter komplexen Gefechtslage. „Die zuverlässige Erkennung, Verfolgung und Verifizierung realer Objekte in einem komplexen Gefechtsfeld unter Verwendung zahlreicher Sensordaten aus verschiedenen Quellen ist eine der größten Herausforderungen für Kampfflugzeuge. Für jeden Piloten ist dies eine Frage von Leben und Tod“, sagte Halmetoja.

Unterschiede der Kampfjet-Generationen 4 bis 5

4. Generation: Die vierte Kampfflugzeug-Generation zeichnet sich aus durch hohe Manövrierfähigkeit, moderne Steuerungs- und Kommunikationsinstrumente und Multirole-(Mehrzweck-)Fähigkeites: Sie sind sowohl für Luftüberlegenheits- als auch für Bodenangriffsmissionen konzipiert. Dazu gehören die US-F-15 Eagle sowie die französische Mirage 2000.

4.5 Generation: Die 4.5 Generation verfügt über bedeutende Weiterentwicklungen in Radar- und Avioniksystemen. Diese Flugzeuge nutzen häufig Radar mit aktiver elektronischer Strahlschwenkung (AESA Active Electronically Scanned Array) und sind selbst für Radar schwerer zu erfassen. Zu dieser Generation gehören die französische Dassault Rafale, der Eurofighter Typhoon sowie der schwedische Saab Gripen.

5. Generation: Flugzeuge der fünften Generation bilden den einsatzreifen Stand der Technik ab mit Stealth-Technologie und umfassender Netzwerkintegration sowie Datenfusion. „Diese Flugzeuge bieten eine extrem hohe Manövrierfähigkeit und ein hohes Maß an Situationsbewusstsein, was sie zu idealen Waffenplattformen in hochbedrohlichen Umgebungen macht.“ Beispiele: F-22 Raptor und F-35 Lightning II der USA sowie Chinas Chengdu J-20.

Quelle: Bundeswehr

Halmetoja führt an, dass Saab seit mehr als 50 Jahren tief in diesem Thema stecke und in der Vernetzung der Daten von Flugzeugen, Frühwarnradaren und anderen Sensoren eine einsatzreife Technologie entwickelt habe – in dem Sinne brauche sich der Gripen also kaum vor der F-35 verstecken. Das Magazin führt aus, dass verschiedene Nato-Partner wie die Niederlande auch den Gripen ins Kalkül gezogen hätten. Für Deutschland steht fest, dass für den Kauf des F-35-Kampfjets auch die Möglichkeit der nuklearen Teilhabe eine Rolle gespielt hat.

Großes F-35-Plus: „Erwiesene Fähigkeit, einen wertvollen Beitrag zur strategischen Abschreckung zu leisten“

Wie Defense Express meldet, hätte Generalstabschef João Cartaxo Alves behauptet, „dass Portugal zur Deckung seines operativen Bedarfs ein Flugzeug der fünften Generation benötige“ – der Grund bleibt offen. Zwar böten Flugzeuge der fünften Generation den Piloten keine einheitliche Lösung, „doch ihre erwiesene Fähigkeit, einen wertvollen Beitrag zur strategischen Abschreckung zu leisten, ihre Kapazität als fortschrittliche Luftlandetruppen und ihr operativer Nutzen als dauerhafte Kraftmultiplikatoren machen sie für künftige gemeinsame Streitkräfteoperationen unverzichtbar“, hatten General Jeffrey L. Harrigian und Colonel Max M. Marosko III geschrieben.

Das war 2017 in einem Aufsatz für die Zeitschrift des Joint Air Power Competence Center, dem gemeinsamen Kompetenzzentrum der Nato für Luftmachtoperationen, im nordrhein-westfälischen Kalkar. Seitdem zeigt der Ukraine-Krieg, dass sich der Krieg an Luftfahrzeugen genau so vorbei entwickelt hat wie an Kampfpanzern. Noch Mitte 2024 war die F-35 zudem weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, weil sich die Upgrades auf die anvisierte Technologie bis in die 2030er-Jahre verschieben würden, wie das Air & Spacesforces-Magazin Mitte 2024 veröffentlicht hat. Als „The Trillion Dollar Trainwreck“ (zu Deutsch: „Die Billionen-Dollar-Katastrophe“) hatte der Analyst Bill Sweetman im vergangenen Jahr seinen in Buchform veröffentlichten Verriss des F-35-Programms betitelt.

Trumps Trumpf: Die F-35 ist der „Kampfjet, den jeder will“

Kurz gesagt, wird die F-35 womöglich weniger leisten als versprochen war – glauben die Kritiker. Die Befürworter widersprechen. Zum „Kampfjet, den jeder will“ apostrophiert Aaron Spray den bis zu 80 Millionen Euro teuren Kampfjet und zitiert Justin Bronks: „Trotz der höheren Betriebskosten hat sich jede einzelne Luftwaffe, die die F-35 direkt mit ihren europäischen und amerikanischen Konkurrenten vergleichen durfte, letztlich für die F-35 entschieden. Ihre Einsatzfähigkeit in umkämpften Lufträumen ist einfach eine Klasse für sich“, so der Analyst des britischen Thinktanks Royal United Services Institute (RUSI) aktuell im Magazin Simple Flying.

Wenn der Ukraine-Krieg letztendlich die Blaupause für einen möglichen künftigen Krieg darstellt, wird aber auch ein Justin Bronks zugeben müssen, dass er die Maschine noch nie erlebt hat in Situationen, für die sie gebaut worden ist. Wie die hoch glorifizierte F-F-16 im Ukraine-Krieg längst nicht das geboten hat, was sie laut Papierform hätte leisten sollen, darf auch Zweifel am militärischen Überflieger F-35 erlaubt sein. Wenn so eine Maschine überhaupt eingesetzt werden und nicht längst von Drohnen und Langstrecken-Raketen überholt sein würde. Der Gripen dagegen bietet bewährte Technik statt eines fliegenden Supercomputers, als die die F-35 bereits verschrien ist.

Gripen und F-35 für Nato unverzichtbar: Unterschiedliche Eigenschaften, um ihren Beitrag leisten zu können

Der schwedische Flieger hat in der Nato definitiv seinen Platz, wie im März eine erste gemeinsame Luftkampfübung von den beiden Nato-Partnern Dänemark und Schweden ergeben haben soll, so die Nato in einer Pressemitteilung. Die Übungen im dänischen Luftraum hatten dänische F-35- und schwedische JAS-39 Gripen-Kampfjets am 11. und 13. März im Verbund ausgefochten. Casper Børge Nielsen war offensichtlich vor allem zufrieden mit dem Miteinander der unterschiedlichen Maschinen, wie die Nato den Oberstleutnant und Leiter der Abteilung Kampfflug des Nato-Luftkommandos zitiert.

Ihm zufolge würde die Integration von F-35 und Gripen die Einsatzmöglichkeiten der gesamten Nato-Luftflotte verbessern, da die F-35 „ein beispielloses Lagebild erzeugen und teilen könne“, was auf den Gripen in seinen Möglichkeiten stärke. Am Gripen schätze er die Fortschrittlichkeit der Konstruktion, die „zusätzliche Feuerkraft in den Kampf bringe“. Demzufolge könnte Portugal getrost Gripen einsetzen, wenn andere Nato-Partner bereits über F-35 verfügten, lässt sich aus Nielsens Äußerungen schließen: „Der Gripen und die F-35 gehören zu zwei verschiedenen Generationen von Kampfflugzeugen und verfügen daher über unterschiedliche Eigenschaften, um auf dem Schlachtfeld ihren Beitrag leisten zu können.“

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