Am 31. März 2025 gehen in der Kultur-Schranne in der Dachauer Altstadt die Lichter aus. Zwei Jahre soll die dann folgende Brandschutzsanierung dauern. Die Kosten sind enorm: 6,4 Millionen Euro.
Dachau – Was die Stadträte im Bau- und Planungsausschuss am Dienstag als Tischvorlage zur geplanten Sanierung der Kultur-Schranne vorgelegt bekamen, sorgte für – gelinde gesagt – Erstaunen. Oder, deutlicher formuliert, für Erschütterung. Noch am Dienstagvormittag hätten die Mitarbeiter des Bauamts an der Vorlage gearbeitet, wie Amtsleiter Moritz Reinhold betonte. Insofern habe man auch keine Zeit gehabt, den Stadträten, wie sonst üblich, die Unterlagen mit einigen Tagen Vorlauf zur Sitzung zukommen zu lassen.
Und so erfuhren die Stadträte gleichzeitig mit der interessierten Öffentlichkeit, wie weit es wirklich fehlt in der Kultur-Schranne. Dass sie saniert werden muss, dass der Bau mangelhaft ist, dass die Gaststätte und die KVD-Galerie für die Dauer der geplanten Sanierung geschlossen werden – all das ist seit Monaten bekannt.
Dass die Sanierung und damit die Schließung aber zwei Jahre dauern und rund 6,4 Millionen Euro kosten wird, war neu. Horst Ullmann (Bürger für Dachau) fragte dann auch irgendwann im Lauf der Mängel-Aufzählung, halb im Scherz, halb im Ernst: „Wo ist unsere Grenze, wo wir das Ganze einfach abreißen?“
Einfach komplett abreißen geht nicht – wegen Denkmalschutz
Ein Abriss und ein anschließender Neubau der Schranne, die in dieser Form nach heutigem Stand nie hätte genehmigt werden dürfen, ist aus Denkmalschutz-Gründen nicht möglich. Um das Gebäude also weiterbetreiben zu können, braucht es eine Erneuerung der Lüftungsanlage, eine Ertüchtigung des Dachs, eine Sanierung der Wasser- sowie der Elektroinstallation. Zuvor muss die alte Ausstattung rückgebaut werden.
Damit dieser Rückbau bald, also am besten direkt im Anschluss an den letzten genehmigten Betriebstag der Schranne am 31. März 2025, erfolgen kann, sollte der Bauausschuss das von Bauamtsleiter Reinhold und einem Stab von externen Architekten sowie Fachplanern vorgestellte Konzept billigen.
Abgesehen von den drei CSU-Stadträten und einem Freien-Wähler-Rat, die um weitere Bedenkzeit baten, nickte das Gremium die Vorlage ab. Auch wenn SPD-Rat Volker C. Koch doch noch zu Protokoll geben wollte, damit „überrollt“ worden zu sein.
Erst Rückbau der Einrichtung, dann Erneuerung
Für geschätzt 6,375 Millionen Euro soll nun Folgendes passieren: Der Gastrobetrieb wird bis auf den Küchenblock ausgebaut und bis zum Wiederaufbau eingelagert. Im Dachgeschoss wird die – viel zu schwere und überdimensionierte – Lüftungsanlage ausgebaut; an ihrer Stelle soll eine kleinere, energieeffizientere und vor allem feuerfeste Anlage folgen.
Meine news
Das Problem der bisherigen Lüftung ist laut Bauamtsleiter Reinhold nämlich: „Aktuell haben wir keine einzige Brandschutzklappe in der Lüftung. Wenn es also brennt, brennt‘s durch. Das Feuer wird von Raum zu Raum weitergeleitet.“ Das neue Dachgeschoss soll „bis unter die Dachhaut feuerhemmend“ errichtet werden.
Auch alle weiteren technischen Anlagen des Gebäudes werden rückgebaut, alle abgehängten Decken und Vorwandkonstruktionen abgebrochen und direkt entsorgt. Bei den Elektrik-Mängeln besonders erwähnenswert ist nach Ansicht der beauftragten Fachplaner der Hausanschlussraum:
Feuchte Räume, verzogene Treppen, unsicheres Dach
Dort sei es so feucht, dass der Raum „von der Wand weg rostet“. Oberbürgermeister Florian Hartmann umschrieb es so: „Das ist kein Raum für elektrotechnische Anlagen, sondern um Schwammerl zu züchten.“
Die historische Holztreppe, mittlerweile stark verzogen, soll sowohl gestärkt werden als auch ein neues Geländer erhalten. Auch die Umfassungswände beider Treppenräume werden so gestaltet, dass sie der gesetzlich geregelten Feuerwiderstandsdauer entsprechen.
Das ist kein Raum für elektrotechnische Anlagen, sondern um Schwammerl zu züchten.
Wenn die brandschutztechnischen und statischen Probleme des Baus behoben sind, erfolgt laut Reinhold die Neuerrichtung der technischen Anlagen. Der Gastronomiebetrieb und der Veranstaltungsraum erhalten seine bis dahin eingelagerte Ausstattung zurück.
Alles in allem sind Handwerker nahezu aller Fachrichtungen nötig: Gerüstbauer, Trockenbauer, Bodenleger, Maler, Metall- und Fensterbauer, Fliesenleger, Dachdecker, Zimmerer, Baumeister sowie Fachleute für Heizung, Lüftung, Sanitär, Kälte und Elektro.
Warum das Gebäude in dem Zustand ist, in dem es ist, kann sich heute niemand mehr erklären. OB Hartmann meinte etwa: „Ich weiß nicht, warum man das vor 30 Jahren nicht gescheit gemacht hat.“ Jedenfalls seien die Anforderungen nicht erfüllt worden oder seien nie erfüllbar gewesen.
Schranne muss am 31. März 2024 schließen
Sicher ist dagegen, dass das Gebäude im Laufe der letzten Jahre Veränderungen erfahren hatte, die nie geplant waren. Einer der anwesenden Fachleute erklärte es so: „Es sollte ja eine Markthalle werden.“ Viele der Wasserleitungen etwa, die beispielsweise die Metzger- oder Bäckerstände der Schranne versorgen sollten, seien nun „tote Leitungen. Wir haben überall die Gefahr von stehendem Wasser“. In der neuen Schranne solle es diese „ständigen Quellen der Verunreinigung“ und damit auch eine Gesundheitsgefährdung nicht mehr geben.
Sicher ist aber auch, dass der Bauausschuss sich am Dienstag nicht zum letzten Mal mit der Sanierung der Schranne auseinandersetzen musste. Der OB glaubt: „Wenn wir da aufmachen, werden wir noch viele Überraschungen erleben. Da kommen Sachen daher, die wir heute noch gar nicht kennen.“
Norbert Winter, hauptberuflicher Kaminkehrer und ehrenamtlicher CSU-Stadtratsreferent für kommunale Liegenschaften, sorgte sich vor allem um die Kosten. Seiner Meinung nach gebe es durchaus alternative und günstigere Vorgehensweisen. Vor allem der komplette Austausch der Lüftungsanlage stieß ihm sauer auf.
„Wir schießen da mit ganz großen Kanonen auf ganz kleine Spatzen.“ Seine CSU hätte es sich daher gewünscht, zumindest zu prüfen, ob auch andere Maßnahmen möglich gewesen wären. Die anwesenden Fachplaner sowie Bauamtsleiter Reinhold aber winkten ab: „Wir können keinen besseren Vorschlag machen.“