Ein heftiges Gewitter mit unwetterartigem Starkregen hat am Sonntagabend in Altomünster und Erdweg für hohe Schäden gesorgt. Regelrechte Sturzfluten unterspülten Straßen, überfluteten Keller und rissen sogar Pferde mit, ein Pony ertrank.
Altomünster – Regenmengen von über 25 Liter Wasser pro Quadratmeter in einer Stunde definiert der Deutsche Wetterdienst (DWD) als Starkregen. Über Altomünster gingen am Sonntagabend 100 Liter Wasser pro Quadratmeter in einer Stunde nieder. Christian Weber vom THW Dachau beschreibt die Lage in der Gemeinde ganz unmeteorologisch so: „Es war wirklich brutal viel Regen!“
Tatsächlich hatte es am Sonntagabend über dem ganzen Landkreis stark geregnet. Auch in Teilen Indersdorfs, der Stadt Dachau, in Pfaffenhofen, Petershausen, Haimhausen, Schwabhausen und Weichs liefen Gullys über und Keller voll. Die allermeisten der insgesamt 180 Einsatzmeldungen, die bei der Feuerwehr ab 18.30 Uhr bis in die frühen Montagmorgenstunden eingingen, kamen aber aus Altomünster sowie den Erdweger Ortsteilen Eisenhofen und Kleinberghofen.
Die Gemeinden Altomünster und Erdweg waren laut Kreisbrandinspektor das Zentrum des sonntäglichen Gewitters. Der Starkregen dort führte dazu, dass das Wasser sturzflutartig von den Hügeln in die Ebene schoss. Der Stumpfenbach, der normalerweise zehn Zentimeter Wasser führt, schwoll binnen kürzester Zeit auf knapp zwei Meter an. Auch der Zeitlbach konnte das von oben kommende Wasser nicht halten. In Häusern, die dem Wasser im Weg standen, liefen die Keller blitzschnell voll. Auf einem Pferdehof im Gemeindebereich Erdweg wurden fünf Tiere von der Welle regelrecht weggeschwemmt, ein Pony ertrank (siehe Kasten).
Dennoch können die Einsatzleiter von THW und Kreisbrandinspektion sowie Landrat Stefan Löwl der furchtbaren Nacht etwas, wenn man so will, Positives abgewinnen. Denn: Die Lehren aus dem Pfingsthochwasser vor sechs Wochen wurden umgesetzt. Vor sechs Wochen hatte das Wasser in den Kellern vielerorts dazu geführt, dass Heizöltanks gekippt und große Schäden verursacht hatten.
Erst Öl-Check, dann Wasser
Diesmal, so berichtet THW-Mann Weber, seien daher sofort Fachkräfte vom THW und der Dachauer Feuerwehr ausgerückt und hätten Erkundungen in den vom Wasser betroffenen Häusern durchgeführt. In zwei Häusern in Altomünster sowie in einem Haus in Erdweg mussten sie tatsächlich Öl abpumpen. „Das Öl muss schnell raus, sonst setzt es sich an den Wänden fest. Da geht es wirklich um Schnelligkeit“, betont THW-Ortsbeauftragter Weber. Erst in einem zweiten Schritt gehe es dann ans Abpumpen des Wassers.
Landrat Stefan Löwl ist vor allem mit der Zusammenarbeit aller Organisationen vor Ort und der Kommunikation mit der Kreiseinsatzzentrale zufrieden. Während sich die Zentrale um Kommunikation und Logistik gekümmert habe, hätten die Mannen und Frauen vor Ort sich auf die Eindämmung der Wassermassen konzentrieren können. Zudem sei, anders als an Pfingsten, das Unwetter räumlich und zeitlich sehr begrenzt gewesen: „Es betraf zum Glück nur einen kleinen Bereich und war zum Glück auch relativ schnell wieder vorbei.“
Altomünsters Bürgermeister Michael Reiter ist dennoch unzufrieden – beziehungsweise sogar richtig sauer! Denn klar, die Regenmengen vom Sonntagabend wären in keinem Fall „handelbar“, sprich zu bewältigen, gewesen. Dennoch brauche seine Gemeinde endlich ein Regenrückhaltebecken.
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16 Jahre und noch immer kein Becken
Nach zwei Unwetterereignissen binnen sechs Wochen ist er überzeugt: „Beim Hochwasser vor sechs Wochen hätte es uns sehr geholfen. Und jetzt, am Sonntagabend, hätte es uns zumindest ein wenig Zeit verschafft.“
Warum seine Gemeinde das gewünschte Rückhaltebecken bei Halmsried noch immer nicht hat, liegt laut Reiter jedoch an der deutschen Gründlichkeit – oder weniger freundlich formuliert: „An unserer Bürokratie.“ Seine Gemeinde bemühe sich seit 2008 um das Regenrückhaltebecken, regelmäßig habe es Treffen mit dem zuständigen Wasserwirtschaftsamt gegeben. Doch außer wechselnden Verantwortlichen und immer neuen Normen habe seine Gemeinde bislang nichts Greifbares von der Münchner Behörde erhalten.
„Das muss sich jetzt wirklich ändern“, betont Reiter. Er werde nun Druck machen. Und den Zuständigen im Wasserwirtschaftsamt klipp und klar sagen: „Wir wollen nächstes Jahr bauen. Punkt.“ Angesichts immer häufiger werdender Unwetter sei ewiges Zuwarten, immer neue Prüfungen und ständiges Reagieren auf sich ständig ändernde gesetzliche Anforderungen in den Augen des Bürgermeisters nicht mehr zielführend. Egal wie ein künftiges Regenrückhaltebecken einmal aussehen könnte: „Alles ist besser als gar keins zu bauen!“
Für ein Pony kam jede Hilfe zu spät
Besonders schlimm hat die Sturzflut den Besitzer eines Reitstalls in Kleinberghofen getroffen, der direkt am Stumpfenbach gelegen. Innerhalb von wenigen Minuten stand die Pferdeweide unter Wasser, die Pferde versuchten zum Teil schwimmend, sich in Sicherheit zu bringen. Fünf Pferde wurden schließlich evakuiert, Andreas Höchtl vom Eckhof nahm die Tiere aus dem Nachbarstall in seinem Stall auf. Er und einige Helfer bauten den Stall schnell um und holten zu Fuß die Pferde ab. „Wir führten die Pferde über die Bahngleise, anders kam man nicht mehr vom Hof.“ Für ein Pony kam jede Hilfe zu spät. Die Retter hatten alles nach dem Tier abgesucht – und fanden es schließlich leblos. Ein Bericht folgt.