Schausteller zieht Bilanz: Was nach 520 Stunden auf dem Weihnachtsmarkt bleibt

In München schloss der Christkindlmarkt am 24. Dezember, Punkt 14 Uhr. Dann war Schluss mit Glühweinduft, Lichterglanz und Weihnachtsliedern. Was die meisten Besucher nicht sehen: In dem Moment begann für uns Schausteller das große Abbauen, Putzen und Verladen. 

Jeder Handgriff sitzt dabei. Ein Team räumt auf und putzt, während ich bereits mit dem Abbau starte. Dank moderner Technik und Containerbauweise sind wir gegen 16 Uhr fertig – abfahrbereit, erschöpft, aber erleichtert.

Dann beginnt für mich ein alljährliches Ritual. Ich steige ins Auto und fahre mein Geschäft ins Lager, rund 40 Kilometer südlich von München. Im Radio laufen Weihnachtslieder. Und plötzlich wird es still in mir. Die hektische Vorweihnachtszeit zieht noch einmal vorbei wie ein Film.

Auf dem Weihnachtsmarkt: 520 Arbeitsstunden in nur 29 Tagen geleistet

In diesem Jahr habe ich 520 Arbeitsstunden in nur 29 Tagen geleistet. Drei Christkindlmärkte, dazu zahlreiche Firmenbestellungen und Weihnachtsfeiern – eine Zeit, die nicht nur körperlich, sondern auch mental forderte. 

Der Druck war enorm. Doch auf dieser Fahrt fiel er langsam ab. Mit jedem Kilometer wurde der Kopf freier. Ich hörte der Musik zu und fragte mich, wohin all die anderen Menschen auf der Autobahn wohl unterwegs sind. Nach Hause? Zu ihren Liebsten? Genau dahin zog es auch mich.

Und irgendwann setzte die Müdigkeit ein

Als alles verräumt war, machte ich mich voller Vorfreude auf den Weg zu meinem geliebten Mann und meiner Familie. Am Abend waren wir traditionell bei meinen Eltern. Gemeinsam mit meinem Bruder feierten wir den Heiligen Abend – schlicht, herzlich, echt. 

Es gab ein einfaches Essen, viele Gespräche, viel Lachen. Und irgendwann setzte die Müdigkeit ein. Die Wochen davor steckten uns allen in den Knochen.

Für mich begann langsam die Aufarbeitung

Der erste Weihnachtstag gehörte ganz der Familie. Wir trafen uns wieder bei meinen Eltern, aßen gemeinsam Gans, genossen die Zeit, die sonst im Alltag so oft zu kurz kommt. Der zweite Feiertag hingegen war stiller. Jeder für sich. 

Für mich begann langsam die Aufarbeitung: Rechnungen schreiben, Löhne vorbereiten, all die Dinge erledigen, die in der vermeintlich „ruhigen“ Vorweihnachtszeit liegen geblieben sind.

Für uns beginnt Weihnachten erst dann, wenn die Lichter ausgehen

So sah unser Weihnachten aus. Anders als bei vielen, aber nicht weniger herzlich. Und am Ende fühlte es sich an wie immer: wunderschön – und viel zu schnell vorbei.

Vielleicht denken Sie beim nächsten Besuch auf einem Christkindlmarkt einmal daran, dass hinter den festlich geschmückten Ständen Menschen stehen, für die Weihnachten erst dann beginnt, wenn die Lichter ausgehen.

Markus Kaiser, Münchner Konditor, führt seit 1998 den Traditionsbetrieb „Zum Mandelhans“. Sein Team versorgt Wiesn, Christkindlmarkt und viele weitere Feste mit Mandeln, Süßwaren und Softeis. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.